Blankwaffen

Inhalt:

 

Über die grundsätzliche Bauweise von Polsterwaffen gibt es schon viele gute Seiten im Netz, so daß ich darauf verzichtet habe, hierzu noch etwas zu schreiben. Wer keine Ahnung hat, wie der Polsterwaffenbau dem Grunde nach funktioniert, lese sich die Seite von Jörg Weber hierzu durch (http:///www.dreamlands.de).

Ich verwende im Wesentlichen die gleiche Bauweise. Der einzige größere Unterschied ist, daß ich bei der Sandwichbauweise die mittlere Schicht insgesamt aus Evazote schneide und nicht noch eine Seitenarmierung aus Plastazote bzw. weißem Polsterwaffenschaumstoff um den Kernstab lege.

Ansonsten sollen hier nur die besonderen Eigenarten von typischen Renaissancewaffen und deren Umsetzung beim Polsterwaffenbau dargestellt werden.

 

1. Quellen

Während bei den Standard-Fantasywaffen die Phantasie frei walten lassen kann, ist man, wenn man historische Waffen nachempfinden will, auf Quellen angewiesen. Leider sind viele Bücher zu diesem Thema derzeit nur noch antiquarisch erhältlich. Möglicherweise kann man sie aber noch in öffentlichen Bibliotheken finden. Ein paar davon habe ich hier aufgelistet:

Wendelin/Boeheim, Handbuch der Waffenkunde (Reprint des Originals von 1890)
Leider nur noch antiquarisch zu bekommendes, hervorragendes Buch. Wenn auch wohl einige Angaben wissenschaftlich überholt sind, so gibt es doch einen umfassenden Überblick über die Entwicklung von Blank- und Fernwaffen vom 4. bis Ende des 16. Jahrhunderts. Viele brauchbare Zeichnungen (auch Detailzeichnungen) komplettieren dieses Standardwerk.
 
Jan Sach, Illustriertes Lexikon der Hieb- und Stichwaffen
Dürfte wohl noch im Buchhandel zu bekommen sein. Ist aber für LARP-Zwecke nicht ganz so der Hit. Kaum systematischen Beschreibungen und im Bereich von 1450-1600 n.Chr. auch nicht so üppig (Frühere Waffen sind überhaupt nicht enthalten). Der Schwerpunkt des Buches liegt im 17.-19. Jahrhundert. Es sind aber doch ein paar gute Fotos von Renaissance-Waffen enthalten. Das Buch ist so aufgebaut, daß nach einer kurzen Einführung jeweils Fotos von Waffe mit einer kurzen Beschreibung der abgebildeten Waffe chronologisch geordnet präsentiert werden.
 
H. W. Koch, Illustrierte Geschichte der Kriegszüge im Mittelalter
Im modernen Antiquariat wohl noch zu bekommen. Grausig unstrukturiert, Stil und Rechtschreibung sind so schlecht, daß es das Lesen behindert. Wenig brauchbare Informationen, jedoch ein paar Abbildungen (vor allem von Gemälden) die man jedoch auch woanders findet. Also nicht unbedingt nötig.
 
Michael Störmer, Die Rüstkammer
Genau. Das DragonSys "Ergänzungsbüchlein". Kriegt man im Spiele-Laden oder im LARP-Versand. Hat zwar nur schwarzweiß Skizzen, bietet aber zum Einstieg einen guten Überblick. Quasi der Wendelin/Boeheim-light. Das Buch hat mich dazu gebracht, meinen ersten Katzbalger zu bauen.
 
Müller/Kölling, Europäische Hieb- und Stichwaffen
Leider nur noch antiquarisch zu bekommen und selbst da in der letzten Auflage recht teuer (ca. 100-200 DM, je nach Erhaltungszustand). Vorauflagen kriegt man oftmals billiger. Wunderbares Buch mit herrlichen, großformatigen Fotos. Auch einfache Waffen (Flegel, Kettenmorgenstern usw.) werden breit behandelt. Den Vorauflagen (ich selbst habe die 84er Auflage) merkt man im Erläuterungsteil durchaus an, daß das Buch in der damaligen DDR geschrieben wurde.
 
Miller/Embleton, The Landsknechts (Osprey Men-At-Arms Serie)
War in Deutschland auch über Amazon oder den LARP-Handel nicht zu bekommen. Kann man aber bei Osprey direkt bestellen (das ist trotz Porto und Verpackung i.ü. nicht unbedingt teurer, ab zwei Büchern sogar billiger als die Bücher in Deutschland zu kaufen; auch die Lieferzeit von ca. einer Woche hält sich in Grenzen). Das Büchlein ist in gewohnter Qualität. Viele schwarzweiß Abbildungen und acht Farbtafeln. Hinsichtlich der Blankwaffen nicht so ergiebig. Jedoch bringt das Buch einen guten Einblick in die Trage- und Anwendungsweise von Landsknechtwaffen.
 
Dr. Hans Heinrich Diedrich, Das Museum der Grafschaft Mark (stellvertretend für viele weitere Museumskataloge)
Ist man in einer Stadt, in der sich ein Museum mit einer Ausstellung von Blankwaffen befindet, lohnt sich eigentlich immer ein Besuch und der Erwerb des Museumskataloges. Der Katalog des Museums der Grafschaft Mark auf der Burg Altena ist zwar nicht gerade üppig im Bereich der Blankwaffen (28 s/w Bilder) aber da Altena im schönen Sauerland liegt, die Ausstellung auch insgesamt recht gut ist und der Katalog nur 5 DM kostet, lohnt der Besuch schon (zumindest wenn man gerade in der Gegend ist). Das unten beschriebene Prunkschwert ist i.ü. einem in diesem Katalog abgebildeten Schwert nachempfunden.
 
Georg Ortenburg, Waffen und Waffengebrauch im Zeitalter der Landsknechte
Vergriffenes Buch, welches jedoch in den meisten Unibibliotheken mit Fachbereich Geschichte stehen dürfte. Die Beschreibung der Blankwaffen ist eher dürftig, wenn auch sehr wissenschaftlich. Sehr interessant ist die Beschreibung der einzelnen Elemente (z.B. die verschiedenen Bügel) bei den Blankwaffen sowie die Abgrenzung der einzelnen Waffenarten. Ansonsten liegt der Schwerpunkt des Buches mehr auf die Entwicklung der Feuerwaffen sowie die Taktik der Landsknechtsheere (incl. Belagerung, Schanzwerk usw.).
 
Sydney Anglo, The Martial Arts of Renaissance Europe
Ein Buch, daß einerseits eine unglaubliche Menge höchst fachkundiger aber zumindest m.E. nach recht uninteressante Ausführungen (z.B. zur Entwicklung der Bebilderung von Fechtbüchern in der Zeit vom 15. bis 17. Jhdt.) enthält, andererseits auch ganz gut beschreibt, wie mit den entsprechenden Waffen umgegangen wurde. Teilweise enthält es auch ganz Brauchbare Abbildungen von Waffen und deren Tragweise. Es ist jedoch definitiv kein Fechtlehrbuch sondern zeigt nur die Entwicklung und die Verschiedenen Strömungen in der Kampfweise. Bei einem Preis von knapp unter 100 DM sicherlich keine unbedingt erforderliche Anschaffung, jedoch interessant für Leute, die tiefer in die Materie einsteigen wollen.
 
Ewart Oakeshott, European Weapons and Armour from the Renaissance to the Industrial Revolution
Ähnlich wie der Wendelin/Boheim aufgebaut aber weniger umfangreich. Dafür aber mit Fototeil. Sehr schön und umfangreich ist die Darstellung und Kategorisierung der verschiedenen Rapier-/Degenformen. Teilweise sind seine Ansichten zumindest fragwürdig (z.B. hinsichtlich der Verwendung des Zweihänders im Gevierthaufen). In einigen Punkten ist mir das Buch zu anglozentrisch, worunter der Umfang der Darstellung der (wohl wichtigeren, da insgesamt weit einfluß- und umfangreicheren) kontinentaleuropäischen Waffenentwicklung leidet. M.E. ist der Wendelin/Boheim empfehlenswerter aber für eine zweite Meinung ist der Oakeshott immer gut.. Gegenüber dem Wendelin/Boheim hat er den Vorteil, daß er zumindest über Amazon noch problemlos zu bekommen ist (wenn auch mit ca. vierwöchiger Lieferzeit).
 
Liliane und Fred Funcken, Historische Waffen und Rüstungen
Ein wirklich schönes Bilderbuch, wenn auch heute wohl nicht mehr hundertprozentig historisch korrekt. Auch wird nicht so sehr auf die einzelne Waffe eingegangen sondern eher auf das Gesamtbild der Krieger der Zeit. Man stelle sich sämtliche Farbtafeln der einschlägigen (Europa 800 - 1600 n.Chr.) Osprey-Bücher in einem Band zusammengefaßt vor, dann kommt man dem Funcken schon recht nahe. Da es noch dazu relativ billig ist, kann man zum Kauf nur raten, insbesondere, wenn man sich nur ein einziges Buch zum Thema kaufen will.

George Cameron Stone, A Glossary of the Construction, Decoration and Use of Arms and Armour in All Countries and in All Times
Zwar ein Standardwerk, m.E. jedoch nur eingeschränkt brauchbar. Die Abbildungen sind allesamt schwarz-weiß und von minderer Qualität (was daran liegen mag, daß das Buch (und damit die Abbildungen) von 1934 sind). Das Buch ist in Lexikonform aufgebaut, wobei die einzelnen Stichwörter zum Teil bebildert sind. Die Auswahl der Eintragungen ist recht asiaphil. Ärgerlichsten ist, daß bestimmte europäische Standardwaffen des 16. Jdts. (z.B. Katzbalger o. "Groszes Messer") gar keine Aufnahme fanden, während aus dem Asiatischen Raum jede Kleinigkeit umfangreich dargestellt wird. Ich benutze das Buch meistens als "Dictionary" zum Oakeshott, da die englischen Fachbegriffe sich oftmals nicht ohne weiteres ins Deutsche übersetzen lassen und sich im Stone idR zumindest eine kleine Abbildung zu den Begriffen findet, so daß man weiß, was gemeint ist.
 

 

2. Schwerter

Obgleich sich beim Schwerte schon in der Renaissance die Entwicklung zum bloßen Kostümbeiwerk andeutete (welche dann im Rokoko beim sogenannten Kostümdegen endete), hat diese Zeit doch eine Reihe von typischen und optisch sehr reizvollen Waffen hervorgebracht. Hier nun einige von ihnen mitsamt der Baubesonderheiten als LARP-Waffen:

Der Katzbalger

Der Katzbalger war die Standardsekundärwaffe der Landsknechte. Ein kurzes Stoßschwert mit einer S-förmigen Parierstange. Unklar ist, ob sich der Name von der Sitte, das Schwert in einer Scheide aus Katzenfell zu tragen oder aus der Tatsache herleitet, daß die Landsknechte mit diesem Schwert auch ihre privaten Zwistigkeiten austrugen.

Der Katzbalger ist ein kurzes, breites Schwert. Die Klingenlänge beträgt zwischen 60 und 70 cm die des Gehilzes incl. Knauf rund 15 cm (d.h. Eure Hand sollte bequem drum passen).

Die Klinge kann recht breit ausgeführt werden (ca. 6-7 cm). Dies ist zwar etwas breiter als beim Original, jedoch ist das Blatt eines Katzbalgers im Vergleich zu anderen Schwertern wirklich relativ breit und zum anderen wird die Klinge so optimal abgepolstert.

Die Parierstange besteht aus weißem Polsterwaffenschaumstoff. Dieser wird zunächst - wie auf dem Foto zu sehen in Form eines plattgedrückten S aus 10 mm Schaumstoff zugeschnitten (dabei sollten die beiden Enden des S jeweils mit den beiden mittleren Bögen verbunden bleiben, um der Parierstange mehr Stabilität zu verleihen. Der mittlere Teil des S hat die gleiche Form wie der Klingenquerschnitt und ein Loch in der Mitte, durch das später der Kernstab läuft.

Zum Zuschneiden der Parierstange verwende ich einen Heißschneider (so eine Art Laubsäge mit einem Draht anstelle des Sägeblattes, welcher mittels kurzgeschlossener Batterien erhitzt wird). Geschickte Elektronik-Bastler können sowas selber bauen, die anderen (wie ich) kaufen so einen Schneider für ca. 30 DM im Modellbaugeschäft. Der Heißschneider hat den Vorteil, daß man damit auch kleinste Innenkurven im Schaumstoff ordentlich schneiden kann.

Nun werden über und unter der 10 mm Matte 5 mm starke Stücke mit Pattex aufgeklebt, wobei die untere Schicht nicht durchgehend ist, sondern eine Aussparung in Form des Klingenquerschnitts besitzt (siehe Grafik). Das ganze wird jetzt noch rund in Form geschnitten, so daß die Parierstange aussieht wie ein dicker, gebogener Stahldraht (siehe Foto) und danach über den Kernstab auf die Klinge geschoben, wo er mit Pattex verklebt wird.

Als letztes wird noch der Knauf hergestellt. Dazu schneidet man 10 mm Polsterwaffenschaumstoff in Form. In der Mitte wird eine Aussparung für den Kernstab gelassen (siehe Grafik). Dann wird oben und unten 5 mm Polsterwaffenschaumstoff aufgeklebt und das Ganze in Form gebracht und verziert (z.B. mit einem Lötkolben).

Nun noch latexen und mit Coetrans versiegeln (näheres zum Thema Latex und Coetrans findet ihr in "Bruder Egberths kleiner Andacht" unter Mut/Streitkolben).

Parierstange: Schnitt (oben) und Foto (unten)
 

Knauf

 

 

Das Prunk- oder Reiterschwert

Das Prunk- oder Reiterschwert ist der Klinge nach ein normales Langschwert (d.h. es hat eine Klingenbreite von über 3 cm). Das Gefäß ist jedoch schon voll ausgebildet mit Finger-, Griff -, Terz- und Quartbügel. Insofern bildet es die Übergangsform zum Degen, von dem es sich durch die breitere Klinge unterscheidet. Das hier beschriebene Polsterschwert ist i.ü. einem Schwert von 1590 nachempfunden, welches man im Museum der Burg Altena finden kann.

Die Klinge wird gebaut wie bei jedem anderen Schwert auch. Die Klingenlänge sollte nicht zu lang sein. Im Gegensatz zu Degen und Rapieren hatten solche Schwerter nur eine Gesamtlänge von 1,00 -1,15 m.

Das letzte Stück, ca. 4 cm von der Stelle an der später die Parierstange sitzt, wird jedoch nicht mehr geschärft, sondern um ca. 1 cm verjüngt. Sie bildet später die Fehlschärfe. Die Kanten an dieser Stelle werden leicht gebrochen, damit dort im Kampf bequem der Zeigefinger ruhen kann.

Der schwierigste Teil des Baus bildet die Anfertigung des Gefäßes. Hier müssen zunächst zwei Abwicklungen angefertigt werden (siehe Grafik). Zunächst werden Zeichnungen von beiden Abwicklungen angefertigt, die dann ausgeschnitten werden, um die Abmessungen auszuloten. Der Ring um die Klinge zwischen B und C hat dabei einen Innenausschnitt in Form der zugeschnittenen Klinge. Um diesen Ausschnitt herum wird ein Kranz von 5-10 mm stehen gelassen. Die unteren Enden der Fingerbügel werden in der Planung zunächst soweit herunter gezogen, daß sie bei B und C bis an die Klinge heranreichen. Der paßgenaue Zuschnitt erfolgt erst, wenn die Abwicklungen tatsächlich aus Polstermatten ausgeschnitten sind, da die Fingerbügel dann so abgeschnitten werden müssen, daß sie genau auf den Kranz um die Klinge bei B und C passen. Auch der Terz- und der Quartbügel werden zunächst recht lang gelassen. Der genaue Zuschnitt erfolgt später.
Sind beide Abwicklungen aus Papier oder Karton ausgeschnitten, wird das Ganze erst einmal probeweise zusammengesetzt. Dabei kommen liegen die Stellen mit gleichen Buchstaben aufeinander. Jetzt wird die Länge des Terz- und Quartbügels bestimmt. Beide müssen nach A hin so lang gelassen werden, daß sich, wenn sie auf Höhe von A auf den Griffbügel stoßen, ein schöner, ausreichend breit gewölbter Korb ergibt (siehe Foto).

Ist die Länge bestimmt und die Bügel zugeschnitten werden die Abwicklungen auf weißen Polsterwaffenschaumstoff übertragen.
Angefangen wird mit Terz- und Quartbügel. Diese werden aus 10 mm weißem Polsterwaffenschaumstoff ausgeschnitten. Auf den Kranz um die Klinge werden jetzt noch zwei Kränze (ohne die daraus laufenden Bügel) aus 5 mm Schaumstoff oberhalb und unterhalb des Klingendurchbruchs aufgeklebt, so daß sich der Ring um die Klinge von den Bügeln abhebt. Diese Kränze werden von der Klinge weg abgeschrägt (siehe Foto). Ist diese Abwicklung fertig, wird sie über die Klinge bis zum Beginn der Fehlschärfe geschoben und dort festgeklebt.

Jetzt wird die Abwicklung des Griffbügels mit der Parierstange und den Fingerbügeln aus 10 mm Posterwaffenschaumstoff ausgeschnitten. Dabei wird der Durchbruch für den Kernstab zwar schon ein-, nicht aber ausgeschnitten. Auf diese Abwicklung wird jetzt auf ein entsprechendes Stück 5 mm Polsterwaffenschaumstoff geklebt und bündig abgeschnitten, so daß die Abwicklung aus einem Sandwich 5 mm/10 mm/5 mm besteht. Erst jetzt wird der Durchbruch für den Kernstab vollends ausgeschnitten und aus dem Sandwich gedrückt. Nun die Abwicklung über den Kernstab schieben und auf der Oberseite der Klinge aufkleben. Die Fingerbügel müssen jetzt so zugeschnitten werden, daß sie paßgenau auf der Wulst am Ende der Fehlschärfe aufliegen (siehe Grafik). Nun werden noch die beiden Enden des Terz- und des Quartbügels (in der Grafik mit A bezeichnet) auf Höhe von A an den Griffbügel geklebt (auch hier muß noch etwas zugeschnitten werden). Jetzt ist das Gefäß fast fertig. Nun noch die Kanten sämtliche Bügel abschrägen (siehe Foto) und einen Knauf herstellen (dem Grunde nach wie beim Katzbalger). Fertig ist der Rohling und es kann mit der Vorbereitungs zum Latexen begonnen werden.

Die Arabesken auf dem Gefäß sind i.ü. Latexabgüsse. Einfach ein paar verschiedene blattförmige Stempel aus Fimo kneten und im Backofen härten und dann nach Geschmack in einen neuen Streifen Fimo drücken. Zwischen den eingedrückten Blättern nun die Ranken einritzen und das Ganze wieder brennen. In diese Form kann nun Latex gegossen werden (in mehreren Schichten, da sich sonst an der Form Bläschen bilden). Die fertigen Arabesken werden vor dem vorletzten Latexen (mit eingefärbtem Latex) ohne Klebstoff (nicht notwendig, da Latex auf Latex haftet) an die entsprechenden Stellen des Gefäßes gepappt und dann mit übergelatext.

Abwicklung Parierstange/Griffbügel/Fingerbügel

 

Abwicklung Terz- und Quartbügel

 

 

 

Montage der Fingerbügel im Bereich B und C

 

 

Die Schiavona


Bild 1: Gesamtansicht

Die Schiavona entwickelte sich Ende des 16. Jhdts. vor allem in der Republik Venedig aus den Schwertern slawischer Söldner (slawisches Schwert = Spada Schiavona). Ihr besonderes Kennzeichen ist einerseits der markante, sich aus vielen flachen Eisenbändern gebildete Griffkorb und andererseits der Messingknauf in der Form eines stilisierten Katzenkopfes. Die Schiavonaform war so erfolgreich, daß solche Schwerter bis ins 18. und vereinzelt sogar bis ins 19.Jhdt. hinein hergestellt wurden.

Die Klinge der Polsterschiavona wird in der üblichen Weise hergestellt (siehe Verweis ganz am Anfang). Die Klinge sollte bei einer Gesamtlänge von ca. 105-110 cm etwa 90 cm lang und 5 cm breit sein.

Hat man die Klinge fertiggestellt, wendet man sich dem Griffkorb zu:

Zunächst werden aus 5 mm dickem PVC/schlagzäh (kriegt man im Konstoff- oder technischen Großhandel) die beiden Kerne für Parierstange/Faustbügel (auf Grafik 1 weiß eingezeichnet) und Fingerbügel (Grafik 3) ausgesägt. Die jeweiligen Aussparungen für den Kernstab sollten so groß sein, daß sie relativ stramm um den Kernstab passen.

Der Bereich des Parierstangen-/Faustbügelkerns, der sich um dem Loch für den Kernstab befindet, entspricht dem Klingenquerschnitt. Die davon abgehenden Streifen haben eine Breite von ca. 5 mm. Die Gesamtlänge von der Spitze bis zum "Knick" der Parierstange beträgt ca. 31,5 cm.

Der Kern der Fingerbügel hat ebenfalls eine Breite von 5 mm, die Querstrebe sogar von 7 mm. Die sonstigen Abmessungen ergeben sich aus Grafik 3. Um den Durchlaß für den Kernstab sollten jeweils mindestens 5 mm "Material" liegen. Links und rechts des Schwertes schließt der Fingerbügelkern (bis auf die Stelle an der der eigentliche Bügelkern beginnt) gerade mit dem Faustbügel-/Parierstangenkern ab.

Beide Abwicklungen werden nun in den auf 70 Grad vorgeheizten Backofen gelegt und darin ca. 7 min liegen gelassen. Danach sind sie so weich, daß man sie in jede gewünschte Form biegen kann. Nach dem Erkalten behalten die Teile diese Form.
Der Parierstangen-/Faustbügelkern wird, wenn er weich ist in die Form, welche auf Grafik 2 zu sehen ist, gebogen. Danach wird der Kern erst einmal über den Kernstab in seine vorbestimmte Lage geschoben (aber auf gar keinen Fall jetzt schon festkleben. Jetzt holt man den (hoffentlich mittlerweilen) weichen Fingerbügelkern aus dem Ofen und biegt ihn in die aus Grafik 3 ersichtliche Form. Wichtig ist dabei, daß die Schlaufe am oberen Ende breit genug für Euren Daumen ist (dabei bedenken, daß dieser Daumenbügel später noch mit 3 mm Schaumstoff gepolstert wird) und zwischen dem Daumenbügel und dem Kernstab noch soviel Platz bleibt, daß auch, wenn später das bezogene Griffholz über den Kernstab gesteckt ist, noch genug Platz für Zeige- und Mittelfinger bleibt. Kleinere Änderungen der Biegung können auch nach dem Erkalten noch mit mithilfe eines Feuerzeuges bewerkstelligt werden. Dabei macht es nichts, wenn die Kanten des Kernes etwas anschmoren, aber Vorsicht: Der Kern soll nicht Feuer fangen sondern lediglich erwärmt werden und das Erwärmen mit dem Feuerzeug sollte nie in der Nähe der Klinge erfolgen, da sonst die Gefahr besteht, daß ihr Euch Dellen in den Polsterschaumstoff an der Klinge brennt.

Sind die PVC-Kerne zurechtgebogen, werden die einzelnen Kerne wieder vom Kernstab heruntergezogen und man macht sich zunächst an die Polsterung des Parierstangen-/Fausbügelkernes und damit verbunden an die Fertigung der Bänder, die später den eigentlichen Griffkorb bilden.
Zunächst wird die unterste Schicht mit den Abwicklungen für die Bänder, die hinterher den Korb bilden, aufgezeichnet und aus 5 mm Polsterwaffenschaumstoff ausgeschnitten. Wenn Ihr die Vergrößerung von Grafik 1 kopiert und auf die richtige Größe bringt (der Polsterstreifen, auf dem später der Kern liegen soll, ist genau 15 mm breit), habt Ihr eine manierliche Schablone. Als nächstes wird die mittlere Polsterschicht (in Grafik 1 schwarz eingezeichnet) ebenfalls aus 5 mm Polsterwaffenschaumstoff ausgeschnitten. Diese besteht im wesentlichen lediglich aus einem 5 mm (an der Spitze 10 mm) breiten Schaumstoffrand um den Kern. Die Bänder, die den Griffkorb bilden, befinden sich lediglich an der unteren/äußeren Schicht (s.o.). Am besten ist es, wenn man den mittleren Streifen aufzeichnet, dann mithilfe des Parierstangen-/Faustbügelkernes als Schablone die Aussparung für den Kern ausschneidet und erst danach mit etwas Zugabe außen um die Form schneidet.


Bild 2: Außenseite Griffkorb (anklicken zum Vergr.)

Grafik 1: Abwicklung Griffkorb (anklicken zum Vergr.)

Bild 3: Inneseite Griffkorb (anklicken zum Vergr.)

Grafik 2: Biegeform Fausbügelkern

Dann klebt man mit Pattex die mittlere Schicht um den Kernstab und dann die unterste Schicht mit den Korbbändern darunter. Erst dann schneidet man die Außenlinie bündig zur untersten Schicht ab, so daß das Ganze aussieht wie auf Grafik 5 (dabei aber aufpassen, daß man nicht in die Korbbänder schneidet oder diese sogar abtrennt). Dann schneidet man in die untere Schicht ein Loch für den Kernstab und schiebt das Ganze über den Kernstab von oben auf die Klinge. In die untere Schicht wird jetzt noch mithilfe der Klinge als Schablone eine Aussparung in Form des Klingenquerschnitts geschnitten, so daß der Griffkorb wie eine Kappe über die Klinge gestülpt werden kann (siehe Grafik 5). Hier sollte man ziemlich schnell arbeiten, damit die Verklebung der unteren und mittleren Schicht (bzw. des Kerns) noch nicht richtig fest angezogen hat und der Schaumstoff, der für die Aussparung entfernt werden muß, noch einigermaßen sauber bgezupft werden kann.
Als letztes klebt man als "Deckel" noch eine Lage 5 mm Polsterwaffenschaumstoff von oben drauf. Hier geht man wieder so vor, daß man den "Deckel" zunächst großzügig vorschneidet, aufklebt und erst dann plan abschneidet (auch hier wieder auf die Unversehrtheit der Korbbänder achten).

 

Jetzt werden noch die Enden der Korbbänder an ihrem jeweiligen Endpunkt verklebt. Die Lage dieser Endpunkte entnehmt ihr am besten der Vergrößerung der Grafik 1 (einfach anklicken), wo diese jeweils mit korrespondierenden Buchstaben gekennzeichnet sind (A auf A, B auf B usw.). Dabei kann es sein, daß die Enden der Bänder noch leicht zugeschnitten werden müssen.Als letztes werden noch sämtliche Kanten bis auf die Kanten der Korbbänder, welche auf der Korbinnenseite liegen, gebrochen (siehe Bild 2 und 3).

Ist das geschehen, ist der obere Teil des Griffkorbes fertig und wird über den Kernstab geschoben und von oben auf die Klinge geklebtman kann sich der Polsterung der Fingerbügel zuwenden.
Der Daumenbügel wird einfach mit 3 mm Polsterwaffenschaumstoff umwickelt. Das gleiche gilt für die beiden eigentlichen Fingerbügel (die beiden 7 cm langen Enden des "Z"s). Die Mittelstrebe wird von vorn und von hinten mit 5 mm Polsterwaffenschaumstoff beklebt und die Kanten abgerundet. Der Teil mit dem Loch für den Kernstab wird nicht ummantelt. Dieser verschwindet später in der oberen Polsterschicht der Parierstange.

Ist der Fingerbügelkern komplett ummantelt, wird er ebenfalls von oben über den Kernstab geschoben und die Querstrebe durch den Korb nach unten geführt. Dann wird in die obere Schicht der Parierstangenpolsterung eine Aussparung für das ungepolsterte Ende der Fingerbügelkonstruktion geschnitten, der Teil der Polsterung herausgezupft und das Ende des Bügels mit Pattex auf den Parierstangenkern geklebt.

Als letztes werden noch die beiden Bänder aus 5 mm Polsterwaffenschaumstoff ausgeschnitten und eingefügt, welche die Fingerbügel mit dem Korb verbinden.


Grafik 3: Abwicklung Fingerbügelkern

Grafik 4: Biegeform Fingerbügelkern

Grafik 5: Polsterung der Parierstange

Diese sind auf der Vergrößerung von Bild 2 (einfach anklicken) als A und B markiert und werden einfach stumpf mit Pattex wie auf Bild 2 zu sehen auf der einen Seite an die Fingerbügel und an der anderen Seite an den Korb bzw. an das andere Band geklebt.

Als nächstes wird der Knauf in der typischen Katzenkopfform (sie Bild 2 und 3) hergestellt. Dazu schneidet man einfach die Form aus 10 mm Polsterwaffenschaumstoff aus, schneidet unten eine Aussparung für den Kernstab hinein (der Kernstab sollte mindestens 2 cm in den Knauf hineinragen und vor ihm sollten sich dann immer noch 1,5 cm Schaumstoff befinden, was zu einer Mindestlänge des Knaufs von 3,5 cm führt) und klebt oben und unten "Deckel" aus 5 mm Polsterschaumstoff auf. Danach werden rundrum die Kanten gebrochen und der Knauf ist fertig.

Das nun folgende Latexen ist bereits andernorts erschöpfend beschrieben. Ich verweise hier nur auf die Seite "Bruder Egberths kleine Andacht" unter "Mut" und dort unter "Stereitkolben", wobei ich mittlerweile dünnere Latexschichten verwende (2 mal klar, 2 mal anthrazit, 1 mal dunkel abgetönte Farbe streichen und einmal hell abgetönte Farbe rollen).

Wer möchte kann auf der Mitte des Knaufs noch eine Verzierung anbringen. Diese gießt man am besten aus Latex in einer Fimo-Form. Als Positiv eignen sich hier z.B. hübsch verzierte Knöpfe, die einfach in die Fimo-Masse hinein gedrückt werden. (Der Latex-Abguß sollte aber erst relativ spät, vor dem Aufbringen der vorletzten Latex-Schicht aufgeheftet (Latex haftet auf Latex, Kleber braucht es dafür nicht) werden, da sonst sämtliche Details beim Latexen übergejaucht werden.

Als allerletztes wird der Griff hergestellt. Viele Leute umwickeln den Kernstab erst mit Schaumstoff und dann mit Leder. Da ich a) ein Freund harter und b) individueller Griffe bin, stelle ich die Griffe aus Holz her. Ein solcher Griff besteht aus zwei zurecht gesägten Scheiben aus 5 mm Sperrholz und zwei Leisten aus 10 mm Was-grad-da-ist-Holz. Der Aufbau ist im wesentlichen der gleiche, wie der Knauf, nur halt in Holz und mit durchgehender Aussparung.
Die Kanten werden schließlich noch mit einer Raspel abgerundet und in die entgültige Form gebracht. Danach wird das Ganze noch mit einer braunen oder grauen, ca. 3-4 mm starken Schmuckkordel (gibts im Bastelgeschäft) umwickelt. Auf diese Weise lassen sich hervorragend die bei den Originalen üblichen Griffwicklungen aus miteinander verdrehtem Draht darstellen.

Ist das Griffholz über den Kernstab und der Kauf oben drüber geklebt, ist die Schiavona fertig. Der Bau eines solchen Schwertes gehört sicherlich nicht zu den einfachsten Sachen, die man mit Schaumstoff und Latex machen kann, dafür erhält man aber auch eine wirklich außergewöhnliche (und wegen der Finger-/Daumenbügel und der Kernstäbe in der Parierstange und in den Fingerbügeln auch hervorragend zu führende) Waffe, die im Handel erworben sicherlich nicht unter 200-300 EUR kosten würde.


Grafik 6: Griffaufbau

 

 

 

Der Bidenhänder

Der Bidenhänder ist wohl die Waffe, die klassischerweise mit Landsknechten assoziiert wird. Dabei war sie in den Landsknechtshaufen des ausgehenden 15. und 16. Jahrhunderts gar nicht so häufig anzutreffen. Lediglich die sogenannten Doppelsöldner (d.h. Soldaten, die den doppelten Sold eines normalen Landsknechts bekamen) benutzten ihn. Sie bildeten die Front und die Nachhut in der gevierten Ordnung. Ihre Aufgabe war es mit ihren Bidenhändern und Hellebarden Lücken in die gegnerische Lanzenfront zu schlagen, in die dann der restliche Haufen hineindrücken und so die gegnerische Formation sprengen konnte. Ob, wie von einigen Autoren geschrieben wird, die Bidenhänder tatsächlich dazu benutzt wurden, die Pikenschäfte des Gegners zu durchschlagen, soll hier nicht beurteilt werden. Jedenfalls wurde der Klinge nicht nur aus reiner Zierde eine geflammte Form gegeben sondern auch zur Verbesserung der Schneidewirkung, was dafür spricht, daß zumindest theoretisch die Möglichkeit des Durchschlagens der Schäfte beabsichtigt war.

Ein Bidenhänder ist wirklich einfach zu bauen, da er halt nichts anderes als ein klassisches, wenn auch recht großes, Schwert ist. Die Klinge mit Parierhaken und Ricasso (Fehlschärfe zwischen Parierstange und Parierhaken) wird in Sandwichbauweise gebaut. Evtl. empfiehlt es sich, anstelle des üblichen 10 x 12 mm Kernstabes einen etwas dickeren (12 x 15 mm) zu nehmen, da die Waffe ansonsten ein bißchen schwabbelt (was aber auch nicht sooo tragisch ist).

Soll die Klinge geflammt sein, so empfiehlt es sich, zunächst mit Hilfe eines Kurvenlineals eine Welle auf etwas stärkere Pappe zu zeichnen und diese dann auszuschneiden.

Mit dieser Schablone ist der Wellenschliff dann einfach aufzuzeichnen. Entgegen den Abbildungen in einschlägigen P&P-Supplementen (Rondrakamm; sic !) sind bei einer geflammten Klinge die gegenüberliegenden Wellen zueinander versetzt gewesen, da keiner Waffen mit Sollbruchstellen haben wollte.

Die Parierstange wird ebenso gemacht wie die Klinge. Da sie sehr lang ist, empfiehlt es sich, sie zusätzlich mit Leder oder polyesterharzgetränkter Glasfasermatte zu verstärken (siehe Grafik), die über und unter dem Kernstab aufgebracht wird.

Unter die Parierstange wird noch ein Faustschutzbügel aus einer Lage 5 und einer Lage 10 mm Polsterwaffenschaumstoff (einfach eine Lage 10 mm und eine Lage 5 mm Schaumstoff zusammenkleben und einen entsprechend großen Ring ausschneiden, dessen Kanten dann noch gebrochen werden) geklebt.

Danach kann der Rohling gelatext und anschließend mit Coetrans überzogen werden. Ist der Bidenhänder fertig wird aus dünnem Leder noch eine Tülle für die Fehlschärfe ausgeschnitten, aufgeklebt und mit Lederband oder einem Schnürsenkel verzurrt (siehe Foto).

Im Nahkampf sollte man den Bidenhänder i.ü. nicht wie ein normales Schwert (also vor dem Körper, Hände übereinander am Griff und mit der Spitze nach oben) führen sondern im Talhoffer-Stil, d.h. Spitze nach oben oder unten, eine Hand am Knauf, die andere am Ricasso. Das ist einerseits realistisch (wenn man nicht gerade heranstürmt, um eine Bresche zu schlagen) und andererseits ist dieser "Sensen-Stil" im Nahkampf auch enorm praktisch, da er verhindert, daß man vom Gegner unterlaufen wird.
Mehr zum Talhoffer-Fechtstil findet man unter:

http://freepages.pavilion.net/users/hadesign/pagethree.html
http://www.aemma.org/onlineResources/thalhoffer/contents.htm

Grafik 1: Schnitt durch die Parierstange mit Leder- oder Glasfasereinlage (rot)

 

Bidenhänder mit S-förmiger Parierstange

Vorbild

Parierstangen mit Kern

Gerade bei den langen Parierstangen von Bidenhändern war es bislang immer schade, daß sie auch mit einer Einlage aus Gürtelleder immer etwas schwabbelig waren. Auf diese Weise konnten einerseits gewisse Fechtbewegungen, die einen Griff an der Parierstange voraussetzen, nicht durchgeführt werden und andererseits gerade die für den Anfang des 16. Jhdts. typischen schmalen Parierstangen (eigentlich nur runde Stahlstangen) waren mit der ursprünglichen Bauweise nicht machbar.

Das war allerdings nur so lange der Fall, bis ich schlagzähes PVC (kriegt man im Kunststoffhandel oder im technischen Großhandel, z.B Karmann&Ellerbrock in Bielefeld), welchen ich in Rohrform bislang immer nur bei kurzen Schlagwaffen einsetzte, in Plattenform entdeckte. Das Material ist in der Dicke von 5 mm noch etwas flexibel, jedoch absolut bruchfest. Wenn man einen Stab aus solchem PVC mehrmals hin und her "briegt" schmilzt der Stab irgendwann durch. Brechen bzw.

Splittern tut er dabei allerdings nicht, so daß das Material für unseren Zweck ideal ist..
Die Kosten des PVCs sind ziemlich gering. Wenn man nett fragt, kriegt man evtl. sogar Reststücke geschenkt, die für einen Parierstangenkern ausreichen.

Aber nun zur Ausführung:

Als erstes muß man die Parierstange planen. Dabei gilt es folgendes zu berücksichtigen:

  1. Der PVC-Kern sollte mindestens 10 mm breit sein, damit er stabil genug ist.
  2. Der Kern sollte mit mindestens 5 mm Schaumstoff rundrum gepolstert sein.
  3. Die Mindestbreite der Parierstange beträgt daher 20 mm (5 + 10 + 5).
  4. Da die echten Parierstangen runde Stahlstäbe waren, muß die Dicke der Polsterparierstange ebenfalls 20 mm betragen.

Zunächst legt man die Form fest, welche die Parierstange haben soll. Dies ist bei Bidenhändern des 16. Jhdts. regelmäßig entweder die S-Form (in etwa wie ein Katzbalger; siehe Grafik 2 und Photo oben), die gerade Form (siehe Photo unten) oder - insbes. in der 2. Hälfte des 16. Jhdts. eine nach unten gekrümmte Form (siehe Photo ganz oben).

Grafik 2: Kern (hellgrau) einer S-förmigen Parierstange mit umschließender Polsterung (dunkelgrau)

Original ... (oben u. unten)

... und Fälschung
Hierbei kann man - je nach Geschmack oder Vorbild - jeweils noch einen oder zwei Parierringe/-scheiben mit ansetzen.
Dann wird zunächst eine Zeichnung der späteren Parierstange in der Draufsicht angefertigt (die Stange sollte dabei immer mindestens 2 cm dick sein, s.o.). Hierbei muß der Durchlaß für den Kernstab sowie der Querschnitt der Klinge berücksichtigt werden (vgl. Grafik 2 für eine S-förmige Parierstange). Dann wird auf dieser Zeichnung nach innen jeweils ein Abstand von 5 mm von der Außenlinie angezeichnet, auf diese Weise erhält man die Form des Parierstangenkerns. Diese Form wird ausgeschnitten, mit wasserlöslichem Kleber auf die PVC-Platte (Stärke 5 mm) aufgeklebt und der Kern dann mit Decoupier-, Stich oder notfalls Laubsäge ausgesägt (die ausgeschnittene Zeichnung kann dann einfach mit Wasser vom Kern abgelöst werden). Danach wird der Außenumriß auf 5 mm Polsterwaffenschaumstoff aufgezeichnet, ausgeschnitten und dann mit der Aussparung für den Kern versehen. Der Kern wird dabei als Schablone benutzt, an dem mit einem Cutter entlang gefahren wird.

Jetzt einfach den Kern in die Aussparung kleben und die Mittelschicht ist fertig. Oberhalb (zum Griff hin) dieser Schicht wird jetzt einfach eine Schicht aus 5 mm, unterhalb (zur Klinge hin) aus 10 mm Polsterwaffenschaumstoff mit Pattex aufgeklebt und bündig zugeschnitten (die Aussparung für den Kernstab nicht vergessen); siehe Grafik 3. Ist dieser Rohbau fertig, kann man sich an die entgültige Gestaltung machen, z.B. den Kernstab rund schneiden, mit Verzierungen versehen o.ä..
Jetzt wird die fertige Parierstange über den Kernstab geschoben und von oben auf die Klinge geklebt. Fertig.

Holzgriffe

Auf vielen Holschnitten mit Bidenhändern sieht man hübsch gedrechselte Griffe. Auch bei Zweihändersäbeln, den sogenannten "Groszen Messern", finden sich Holzgriffe (die allerdings eher kantig sind und den Griffen von heutigen Brotmessern gleichen). Diese sehen nicht nur gut aus, sie sind auch extrem griffig. Für einen Polsterbidenhänder sind solche Griffhölzer relativ einfach herzustellen:


Grafik 3: Vertikale Ummantelung des Parierstangenkerns und Befestigung am Kernstab (Explosionszeichnung)

Holzgriff aus Möbelsäule

Für die runden Bidenhändergriffe besorgt man sich im Baumarkt eine Möbelsäule aus Buchenholz in der richtigen Länge, die man sich von jemandem mit einer Kreissäge (im Zweifel ein Schreiner) der Länge nach in der Mitte aufsägen läßt. In jede der beiden Hälften wird mit einem Fräsvorsatz für die Bohrmaschiene unter Zuhilfenahme eines Bohrständers nun ein Kanal gefräßt, dessen Breite der Breite und dessen Tiefe der halben Dicke des Kernstabes entspricht. Werden die beiden Hälften jetzt wieder zusammengeklebt, kann man die Säule einfach auf den Kernstab schieben und dort festkleben.
Für Griffe von "Groszen Messern" nimmt man anstelle einer Möbelsäule einfach eine entsprechende Kiefernleiste, die halb so dick ist, wie der geplante Griff. Hier müssen nur zwei entsprechend lange Stücke abgeschnitten, ein Kanal wie oben beschrieben hineingefräßt, die Teile aufeinander geklebt und dann das fertige Griffholz auf den Kernstab geschoben werden.

 

 

3. Degen / Rapiere

Der Degen entwickelte sich im 15. Jhdt. aus dem Schwert, als es aufgrund der Verbreitung der Vollplattenrüstungen notwendig wurde, entweder mit großer Wucht zuzuschlagen oder aber in die Rüstungsritzen einzudringen, um im Kampf Wirkung zu erzielen. Der Degen und sein ziviler Verwandter, das Rapier (welches idR. keinen zweischneidigen Klingenquerschnitt hat, sondern öfter einen drei- oder mehrschneidigen und damit eher einer Stange als einer Klinge gleicht) übertrafen insbesondere im 16. Jhdt. die klassischen Langschwerter in ihrer Länge bei weitem. Längen zwischen 1,10 m und 1,20 m waren keine Seltenheit.

Die Klingenbauweise beim Degen unterscheidet sich gravierend von der anderer Klingenwaffen. Zunächst verwendet man hier keinen GfK-Stab als Kern sondern eine Reitgerte. Diese bekommt ihr beim Reitsportgeschäft Eures Vertrauens für 10-20 DM (Dressurgerte verlangen, eine Springgerte mag zu kurz sein) erstehen. Da der Kernstab flexibel ist und ein Degen auch eleganter und nicht so dick wie eine normales Schwert sein soll, bedient man sich hier nicht wie üblich einer dreischichtigen, sondern nur einer zweischichtigen Bauweise. Hierzu zeichnet man zunächst die Klingenform (ohne Parierstange) auf eine 10 mm Matte aus weißem Polsterwaffenschaumstoff und schneidet diese aus. Jetzt zeichnet man auf die Klingenhälfte eine Mittellinie von der Spitze bis zum Anfang der Klinge.

Als nächstes wird die Reitgerte auf die Gewünschte Länge gebracht. Die Spitze der Gerte sollte dabei weniger Abstand zur Spitze haben als gewöhnlich. 2 cm reichen vollkommen aus. Der Kernstab wird auch nicht wie üblich mit Klebeband umwickelt, da er schon eine Textilummantelung haben sollte. Lediglich um die Spitze wird, wie auf der ersten Grafik zu sehen, eine Tülle aus Glasfasermatte (gibts im Baumarkt in der Abteilung für Autozubehör) geklebt.

Jetzt wird die Kernstablänge auf der Matte aufgezeichnet (Länge ohne das überstehende Ende der Glasfasertülle) und mit einem Lötkolben ein Kanal längs der Mittellinie eingeschmolzen, der so breit und tief ist, daß die Gerte etwa zur Hälfte darin verschwindet (siehe Grafik 2). Nun wird auf ein zweites Stück 10 mm Polsterwaffenschaumstoff eine Linie gezeichnet (der Abstand zum Rand der Matte muß mindestens so groß sein wie die halbe Klingenbreite plus etwas Zugabe), die genauso lang ist, wie der Abstand Klingenende/Kernstabspitze und ebenfalls ein Kanal eingeschmolzen.

Nun wird die Gerte mit reichlich Pattex in die Vertiefung der ersten zugeschnittenen Matte geklebt. Ist das getrocknet, wird diese mitsamt dem Kernstab sowie die zweite Matte mit Pattex eingestrichen und nach dem Antrocknen zusammengefügt. Die zweite Matte muß jetzt nur noch bündig zugeschnitten und dann der Klinge die gewünschte Schneide verpaßt werden (mit Teppichmesser oder Heißschneider; Glätten kann man es hernach noch mit einem Bügeleisen (auf Stufe 2) - aber bitte ein altes verwenden, das Bügeleisen ist danach nämlich versaut fürs Leben).

Der Griff wird genauso gemacht wie beim Prunk- oder Reiterschwert. Insofern verweise ich der Einfachheit halber nach oben.

Als "Griffband" eignet sich im übrigen hervorragend silberne, goldene, braune (Bronze) oder graue (Eisen) Schmuckkordel aus dem Bastelgeschäft. Hiermit läßt sich hervorragend die damals bei Degen häufig anzutreffende Griffumwicklung mit Draht nachbilden. Außerdem liegt ein so bearbeiteter Griff ganz wunderbar in der Hand.

Da die Klinge (wie beim echten Degen auch) flexibel bleibt, ist es fast unmöglich hiermit etwas anderes als einen anderen Degen zu parieren. Aber das wäre wohl auch ziemlich unrealistisch. Andererseits dürfte es aufgrund der Flexibilität und der Ummantelung sowie der Tülle des Kernstabes auch möglich und erlaubt sein, mit solch einem Degen zu stechen, was zu wunderbaren Degenduellen führen kann (ich geh schon mal das "Z" üben :-).

1. Degenspitze (Kern)

 

2. Klingenaufbau

Glockendegen (rechtes Foto), wie sie im 16. Jhdt. vor allem in Spanien in Mode kamen, baut man im wesentlichen wie alle anderen Degen auch. Allerdings haben Glockendegen üblicherweise recht lange Parierstangen, die man mit einem Kern aus schlagzähem PVC (s.u. bei Parierdolchen) versehen sollte. Die Glocke selbst besteht aus einem Schaumstoffball (aus dem Spielwarenhandel) mit ca. 10 cm Durchmesser. Nach dem
Durchmesser der Kugel richtet sich auch die Schärfung der Klinge, denn diese endet entsprechend dem halben Durchmesser der Kugel unter dem Griff. Die Kugel wird halbiert und soweit ausgehöhlt (mit Messer und Feuerzeug - VORSICHT !), daß am oberen Rand ca. 1 cm und am boden ca. 2 cm Material stehen bleiben (siehe Grafik 3). Dabei sollte man sich bemühen, die Innenfläche relativ glatt hinzukriegen. Ist dies geschehen schneidet man unten in die Glocke einen 3 X 2 cm großen Durchbruch für die Degenklinge und in der Flucht mit der Klinge zwei Aussparungen von ca. 2 (Höhe) X 1,5 cm (Breite) in den oberen Rand (hierdurch verläuft später die Parierstange). Das Innere der Kugel wird jetzt mit Polyesterharz eingestrichen, damit sie formstabil bleibt. Da dies die Oberfläche der innenseite der Glocke aber recht hart macht, sollte man sie mit Samtstoff verkleiden (da das später ein widerliches Gefummel würde, macht man das, BEVOR die Glocke mit Klinge und Parierstangen verklebt wird).

3. Glockendegen (Griffaufbau)

Jetzt wenden wir uns den Parierstangen zu. Hierzu schneidet man aus 5 mm PVC/schlagzäh (gibts im technischen Großhandel) zwei Stäbe von 1 cm Breite und je 6 cm Länge aus. Diese Stäbe bilden den Kern der Parierstange. Jetzt werden zwei Streifen von 7 X 2 cm aus 5 mm Polsterwaffenschaumstoff geschnitten, die die mittlere Schicht der Parierstangen bilden (je nach Degendesign, kann bei einem dieser Streifen auch der Faustbügel gleich mit ausgeschnitten werden (siehe Fotos), dieser erhält jedoch keinen Kern sondern wird in massivem Schaumstoff ausgeführt. Um zu gewährleisten, daß der Degen später auch gut um die Hand paßt, sollte die Form jedoch zuerst mit einem Papp-Dummi "ausgetestet werden.). In die Streifen werden jetzt Aussparungen für die Kernstäbe geschnitten, jedoch so, daß die PVC-Kerne ca. 7 mm überstehen (siehe Grafik 3). Nun werden die Kernstäbe eingeklebt und die Parierstangen werden durch aufkleben einer weiteren 5 mm Schicht aus Polsterwaffenschaumstoff jeweils über bzw. unter der mittleren Schicht komplettiert (die Parierstangen sollten jetzt schon in ihre entgültige Form - z.B. rund schneiden -gebracht werden. Später ist dies nur noch unter großen Schwierigkeiten möglich). Die Kerne sollten nun aus beiden Parierstangen ca. 7 mm herausragen. Für diese "Zapfen" schneidet man nun in die Fehlschärfe der Klinge eine entsprechende Nut (siehe Grafik 3) und klebt die Parierstangen beiderseits der Klinge an. Nun kann die Glocke von unten über die Klinge geschoben und am unteren Ende sowie an den Durchführungen der beiden Parierstangen verklebt werden. Nun kann der Korb noch je nach Gusto verziert werden. Besonders gut eignen sich hier aus Latex gegossenen Arabesken (näheres hierzu s. oben beim "Reiterschwert"), wobei es besonders gut aussieht, wenn der Korb wirklich dicht von diesen überzogen ist (was aber auch eine Heidenarbeit ist; aber was tut man nicht alles um ein wirkliches Prunkstück zu erstellen).
Hat man den Korb mit Samt ausgeschlagen sollte man den Samt vor dem Latexen allerdings mit Tesa-Krepp abkleben, damit er nicht von Latexspritzern und fehlgegangenen Pinselstrichen verunstaltet wird. Nachdem der degen gelatext und versiegelt (mit COETRANS) ist, muß man allerdings entlang der mit Tesa-Krepp verklebten Fläche mit einem Cutter entlangschneiden, damit man nicht den Überzug auch über die abgeklebte Fläche hinaus abzieht.

 

 

4. Stangenwaffen

Im LARP ist Stangenwaffe mehr oder weniger gleichbedeutend mit Hellebarde, da die am meisten verbreitete Stangenwaffe des 16. Jhdt.., der Langspieß, einerseits wegen seiner Länge von rund 4 m und andererseits aufgrund der Tatsache, daß im LARP bis auf wenige Ausnahmen mit einer Waffe nicht gestochen werden darf, fürs LARP nicht umzusetzen ist (das gleiche gilt auch für Sturmgabeln, -sensen, Ahlspieße, Partisanen u.ä.). Die anderen Stangenwaffen dieser Zeit sind entweder Abwandlungen der Hellebarde (der Roßschinder, auch italienische Hellebarde genannt; um eine solche handelt es sich bei der Waffe auf den Fotos) oder können aufgrund ihrer Blattform genauso gebaut und benutzt werden (z.B. Gleve, Couse).

Eine Hellebarde ist im Prinzip nichts anderes als eine lange Axt und genauso wird sie auch gebaut. Daher verweise ich wegen der grundsätzlichen Bauweise auf die Anleitung auf der Seite "Bruder Egberths kleiner Andacht" (unter Mut/Axt) und werde hier nur die Unterschiede zum Bau einer gewöhnlichen Axt behandeln.

Der erste Unterschied liegt im Kernstab. Während ich bei Äxten Kernstäbe aus 16 mm PVC-Rohr (rot/schlagzäh) mit 12 mm Buchenholzkern verwende, benutze ich für lange Stangenwaffen GfK-Kerne, da das Ganze ansonsten eine zu schwabbelige Angelegenheit wird. Die hier abgebildete Hellebarde hat einen 14 mm GfK-Rundstab als Kern. Mittlerweile bietet der LARP-Zubehörhandel auch 16 mm Rundstäbe mit einer Länge von 2 m an, so daß ich heute die letzteren bevorzuge. Diese machen die Waffe einerseits starrer und haben andererseits den Vorteil, daß ein Standard-Isolierrohr auch schon nach einer Schicht Tape um den Kernstab paßt (bei 14 mm Stäben mußten die fehlenden 2 mm mit Tape draufgewickelt werden, was eine Arbeit für jemanden ist, der Vater und Mutter erschlagen hat.

Ansonsten besteht ein weiter unterschied darin, daß die Hellebarde im Gegensatz zur Axt eine Spitze hat. Der Kernstab wird also nur bis zu einem Punkt unterhalb der Spitze geführt. Wo dieser Punkt liegt, hängt vom Blattdesign ab. Je schmaler die Spitze ist, desto weiter entfernt von der Spitze endet der Kernstab, damit sich um ihn herum noch eine ausreichende Polsterung aus Schaumstoff befindet. Auf diese Weise ist es auch nicht gefährlich, wenn der Gegner aus Versehen einmal mit der Spitze getroffen wird.

Bei langen Ausläufern, die nicht vom Kernstab unterfüttert sind (wie lange Spitzen oder Reißhaken), sollten diese anstelle des Glasfasermatteninlays ein solches aus Gürtelleder bekommen, um ein Abreißen im Kampf zu verhindern.

Obwohl diese Waffen primär für den Stich konzipiert waren, ist darauf zu achten, daß im LARP mit ihnen nur geschlagen wird. Also das Blatt neben den Gegner bringen und dann nach innen auf den Gegner zu ziehen. Auch ohne Stich dürften Hellebarden, wenn sie von mehreren Leuten geführt werden, das effektivste sein, was man im LARP findet, und jedem Schildwall den Garaus machen.





Rohling: mittlere Schicht mit bereits aufgesetzten Lederplatten

Kursächsische Gleve, 2. Hälfte 16. Jhdt.


Drei Hellebarden: (v.l.n.r.) deutsch 2. Hälfte 15. Jhdt., franz. "Goyard" Anf. 15. Jhdt., schweiz. zweite Hälfte 14. Jhdt.

Italienische Hellebarde, 1. Hälfte 16. Jhdt.
   

 

 

5. Waffenhalter

Das senkrechte Tragen des Schwertes am Waffengürtel kam bereits im 14. Jhdt. aus der Mode, als damit begonnen wurde die Schwertscheide mit Schnallen und Haken in einem Winkel am Gürtel zu tragen. Anfang des 16. Jhdt.. kamen aus Italien kommend Taschen in Mode, in denen die Schwertscheide ruhte. Um die Mitte des 16. Jhdt. bestehen diese Taschen aus 3-6 schmalen Riemen, die geschnallt sind und am Gürtel hängen. Ein schmaler Riemen oder eine Kette läuft von der Vorderseite der Tasche zur Mitte des Leibriemens, um das Schwert am Schlenkern zu hindern.

Für das LARP-Schwert schneidet man die Tasche aus einem Stück Gürtelleder aus (siehe Grafik) und vernietet die Laschen am unteren Ende. Hierzu aber auf jeden Fall eine gute Lochzange verwenden (ca. 30 DM). Die gehen durch wie Butter. Mit billigen Zangen hat man keinen Spaß, da die Nach dem ersten Loch stumpf sind (ich spreche aus Erfahrung).

Für die Tragweise am Hüftgürtel sollte oben an der Tasche ebenfalls eine Lasche angenietet werden, durch den der Gürtel gezogen wird. Bei der Befestigung an einem Schultergurt können die Riemen direkt angenietet werden. Diese Tragweise wird von Frankreich ausgehend zwar erst Mitte des 17. Jhdt. Mode. Im LARP ist diese Tragweise jedoch unerhört praktisch, da man so das Schwert jederzeit abnehmen kann, wenn man sich setzen oder durch enge Durchgänge (an denen man sonst regelmäßig hängen bleibt) gehen möchte und das ohne permanent mit gezogener Waffe rumzulaufen.

In jedem Fall wird aber von der Vorderseite der Tasche, kurz über der Schwertlasche eine Kette (aus dem Baumarkt) zur Mitte des Tragegurts geführt.

 

 

5. Parierdolche

Seit dem beginnenden 16. Jhdt. erlangte im Zuge des Siegeszuges des Degens/Rapieres der Linkshand- oder Parierdolch beim Fechten zunehmende Bedeutung. Mit der rechten Hand führte der Fechter den Degen, mit der linken, zur Abwehr oder zum Einfangen der gegnerischen Klinge, den Dolch. Zu diesem Zweck waren die Parierstangen meist sehr ausladend und teilweise abwärts gebogen. Der spanische Linkshanddolch besitzt zusätzlich zwischen der sehr langen und geraden Parierstange und dem Knauf ein gerundetes, dreieckiges Stichblatt.
Oftmals wiederholten sich im Linkshanddolch die Gestaltungselemente des dazugehörigen Degens, so daß beide zusammen eine sogenannte Garnitur bilden.

Den Bau beginnt man mit der Herstellung des Kernstabes. Hierzu verwende ich 5 mm PVC/schlagzäh, welches man im technischen Großhandel erhält. Dieses Material ist annahernd unkaputtbar, insbesondere splittert es nicht. Lediglich, wenn es mehrmals schnell hin und her gebrochen wird, schmilzt es an der Bruchstelle.
Da mit dem Dolch auch tatsächlich pariert werden soll, wird der Kern so ausgeschnitten, daß er einem Kreuz gleicht (siehe Grafik 1). Dieses Kreuz hat eine Gesamtlänge von ca. 43 cm, der Querbalken ist ca. 18 cm lang. Der Kern hat durchgehend eine Breite von 1 cm, lediglich der Griffbereich wird auf einer länge von 12 cm dabei oval ausgeführt, damit er. wenn er später umwickelt wird, eine handschmeichelnde Form hat. 1,5 cm über dem Griffbereich ist der Kernstab jedoch wieder gerade und nur 1 cm dick. Hier wird später der Knauf und der obere Teil des Stichblattes aufgesteckt (siehe Grafik 2). Auch zwischen dem ovalen Griffbereich und dem Querbalken ist der Kern auf einer Länge von 1 cm wieder gerade und nur 1 cm dick, da hier noch die Polsterung der Parierstange anstößt (siehe Grafik 1).

Als nächstes wird die mittlere Schicht der Polsterung ungefähr entsprechen der rechten Grafik aus 5 mm starkem Polsterwaffenschaumstoff ausgeschnitten. Klinge und Parierstange werden dabei in einem Stück ausgeschnitten. Die Klinge sollte dabei an der breitesten Stelle eine Breite von ca. 5 cm haben und ca. 34,5 cm lang sein, damit der Kernstab durchgehend gut gepolstert ist. Die Parierstange hat eine Gesamtbreite von 21 cm und eine Dicke von 2 cm, d.h. dort, wo der Kernstab in der Parierstange liegt, ist er mit einer Dicke von 5 mm gepolstert.
In die Mittelschicht wird nun die Aussparung für den Kern geschnitten und dieser mit Pattex eingeklebt. Das ganze sollte jetzt aussehen, wie auf Grafik 1 zu sehen.
Von oben und unten auf diese Mittelschicht wird jetzt jeweils noch eine Schicht 5 mm Polsterwaffenschaumstoff aufgeklebt. Einfach die grob ausgeschnittene Matte und die Mittelschicht mit Pattex einstreichen, antrocknen lassen, zusammenpressen und dann mit einem Cutter genau entlang der Mittelschicht zuschneiden (Der Griffbereich wird sebstverständlich nicht mit einer Schicht Schaumstoff bedeckt. Dieser bleibt einstweilen frei). Ist das dreilagige Sandwitch fertig, kann man sich ans Zuschneiden der Klinge und der Parierstange machen. Ich schneide die Parierstange idR zu einem Sechskantstab und brenne dann mit einem Lötkolben schräge Vertiefungen ein, welche um die ganze Parierstange herumlaufen und dann im nächsten Arbeitsgang unter Zuhilfenahme eines Feuerzeuges abgerundet werden (die Kanten der Vertiefung werden kurz mit der Flamme eines Feuerzeuges erhitzt und dann mit dem Daumen rundgeformt. Dabei aber darauf achten, daß der


Garnitur

Grafik 1: "Schnittmuster" Kernstab und Mittelschicht

Grafik 2: Dolchknauf (unterer Teil)

Schaumstoff nicht weggebrannt wird. Die Form gibt allein der Daumen (der dafür allerdings etwas schwielig und daher hitzebeständig sein sollte :-). Sagt nicht, ich hätte Euch nicht gewarnt. Außerdem sollte man dabei immer nur Stückchenweise vorgehen, da der Schaumstoff relativ schnell wieder abkühlt. Am Besten, Ihr übt dies zunächst an einem Schaumstoffrest.).

Jetzt wenden wir uns der Parierscheibe zu. Dazu wird zunächst aus 5 mm Polsterwaffenschaumstoff ein 3 cm durchmessender Kreis ausgeschnitten (funktioniers am besten mit einem Heißschneider). Genau in die Mitte dieses Kreises schneidet man einen 5 X 10 mm großen Schlitz, durch den später der Kernstab gesteckt wird.
Nun wird die eigentliche Parierscheibe entsprechend Grafik 3 ausgeschnitten. Dieses Teil bildet die Innenfläche der Parierscheibe. Die obere Schicht der Parierscheibe wird noch nicht vollständig ausgeschnitten. Lediglich der Kreis bis zu der Stelle, an der die eigentliche Scheibe ansetzt wird ausgeschnitten. Der Rest wird als Rechteck von 10,5

X ca. 24 cm ausgeschnitten (ist also 4 cm länger als die Innenfläche) , so daß das ganze aussieht, wie ein langgezogenes Rechteck, an dessen einer Schmalseite in der Mitte ein Knubbel mit einem Schlitz angefügt ist. Die drei Teile werden dann zusammengeklebt, wobei NUR die runde Fläche, welche später am Knauf sitzt, mit Pattex eingestrichen wird, und zwar in der Reihenfolge "dreieckiges" Teil, "rechteckiges" Teil, rundes Teil. Jetzt wird es etwas hakelig: Die Parierscheibe wird erst einmal auf den Kern gesteckt (NICHT geklebt). Nun wird die Parierscheibe so gebogen, daß die untere Kante des schon dreieckig geschnittenen Stücks genau 5 mm über der Unterkante der Parierstange zum Liegen kommt und dort mit ein paar Tropfen Pattex fixiert. Die Oberseite des drei- und die Unterseite des rechteckigen Teils werden nun mit Pattex eingestrichen, welches man antrocknen läßt. Dann wird die (rechteckige) Außenfläche vom Knauf aus glatt gegen die (dreieckige) Innenfläche gedrückt. Dabei werden von der Parierstange aus die letzten paar Zentimeter jedoch noch nicht angedrückt, da die Außenseite wahrscheinlich noch ein paar Milimeter zu lang sein wird und die Unterkante je

Grafik 3: Parierscheibe (obere Schicht)
nach Gestaltung der Parierstange auch noch profiliert werden muß. Jetzt wird die Parierstange erst einmal wieder abgenommen (nun wißt Ihr, warum die Fixierung an der Parierstange nur mit ein paar Tropfen Pattex erfolgen sollte). Dabei sollte sie ihre gebogene Form beibehalten. Dann werden auch die letzten Zentimeter des unteren Randes der Parierscheibe zusammengedrückt und der untere Rand so in Form geschnitten, daß er sich der Parierstange anpaßt. Jetzt

kann auch der über das Dreieck der unteren Schicht überstehende Teil der oberen Schicht abgeschnitten werden. Die Parierscheibe ist jetzt im Wesentlichen fertig. Wer will kann sie noch verziehren z.B. mit einem eingebrannten Rillenmuster wie auf den Fotos oder mit in Latex gegossenen Ornamenten (wie das geht, ist oben beim Reiterschwert beschrieben).
Danach kann die Parierscheibe entgültig an der Parierstange und am Knauf festgeklebt werden. Nun muß nur noch der Knauf je nach Gusto fertiggestellt werden (in dem Beispiel auf den Fotos habe ich einfach einen weiteren Kreis aus 5 mm Schaumstoff mit 4 cm Durchmesser, dessen Kante abgerundet und mit schrägen Einschnitten versehen wurde, gefolgt von einem weiteren Kreis aus 10 mm Schaumstoff mit 3 cm Durchmesser, welcher zu einer Kuppel abgerundet wurde, aufgeklebt.
Danach kann das ganze gelatext und mit COETRANS versiegelt werden.

Im Bereich des Griffs habe ich i.ü. auf beide Seiten des Kernstabs noch Stücke aus 5 mm Schaumstoff aufgeklebt, die jeweils von der Mitte nach beiden Seiten hin und zu den Enden abgerundet wurden. Nachdem der gesamte Griff dann mit braunem Schmuckband eng umwickelt wurde, erhielt ich einen Griff, der zum einen extrem handschmeichelnd ist und zum andern fast genauso wie ein originaler mit geflochtenem Eisendraht umwickelter Griff aussieht.

 

6. Cinquedea

In der zweiten Hälfte des 15. Jhdts. entstand in Norditalien als Nachahmung altrömischer Dolche die Cinquedea (übersetzt: "fünf Finger", nach der Breite der Klinge). Diese Waffe hatte eine breite, dreieckige Klinge, die über ihre ganze Länge durch Hohlkehlen (entweder 2+3 oder gar 2+3+5, je nach Länge der Klinge) gegliedert war. Ein weiteres Merkmal war der im Wesentlichen halbrunde Knauf, bei dem das Griffholz bis weit in diesen hineinragte und von einem Metallband abgeschlossen wurde. Diese Cinquedeas waren idR reich verziert und die Parierstange sowie das Knaufband üppig mit Intarsien oder Gravierungen ausgeschmückt.

Der Bau einer Cinquedea läuft grundsätzlich wie der Bau eines gewöhnlichen Dolches

(s.o. Parierdolch) ab, wobei ich auch hier einen Kern aus 5 mm PVC/schlagzäh verwende, Dabei muß allerdings kein Kern für die Parierstange mit integriert werden. Die wesentlichen Besonderheiten sind die Hohlkehlen und die Verzierungen:

Zunächst einmal wird aus 5 mm Polsterwaffenschaumstoff drei mal die Form der Klinge mit Parierstange ausgeschnitten. In eine dieser Schichten schneidet man einen 10 mm breiten Schlitz für den Kernstab. Dies wird die mittlere Schicht.
Auf den beiden anderen Teilen zeichnet man zunächst die Form der Hohlkehlen auf und schneidet sie aus. Die ausgeschnittenen Teile verwendet man nun als Schablone, um die späteren Böden der Hohlkehlen aus 3 mm Polsterwaffenschaumstoff auszuschneiden (am besten numerieren, damit man weiß, wo welcher Boden später hin kommt). Nun werden die beiden 5 mm Teile mit den Ausschnitten auf beide Seiten der Mittelschicht geklebt. Die Böden der Hohlkehlen aus dem 3 mm Schaumstoff werden dann in die Aussparungen eingeklebt (siehe Grafik 1 und 2).
Entlang der Längskanten der Hohlkehlen werden nun kleine Dreikantprofile, welche man aus Polsterwaffenschaumstoff schneidet, geklebt (siehe Grafik 1 u. 2).

Wird die Klinge nun später gelatext, so wird sich die schräge Kante automatisch abrunden und man erhält schöne, gleichmäßige Hohlkehlen.

Die Verzierungen werden einfach mit Farben der Firma Citadel (gibts im Spielwaren- oder Spieleladen) auf die entsprechenden Stellen aufgemalt. Die leichten Erhöhungen durch den Farbauftrag geben den Effekt von Intarsien sehr schön wieder. Wichtig ist hierbei jedoch, daß die Waffe auf jeden Fall ein Finish aus COETRANS oder Latex-Top-Coat (z.B. bei der LARP-Armoury zu bekommen) erhält, damit die Verzierungen weder brüchig noch abgerieben werden.

Der Holzgriff wird genauso gemacht, wie bei einem "Groszen Messer". Allerdings wird der Kernstab nicht durch das Griffholz geführt und das Holz idR etwas aufwendiger zugesägt und -geschliffen (siehe rechtes Photo).

Der Knauf besteht aus einem Streifen 10 mm Polsterwaffenschaumstoff, welcher entsprechend U-förmig zugeschnitten und nach dem Latexen genau wie die Parierstange mit Verzierungen versehen wird (siehe rechtes Photo).

Auf diese Weise erhält man eine nicht unbedingt praktische aber auf jeden Fall dekorative Waffe.

 


Grafik 1: Explosionszeichnung einer Cinquedea-Klinge


Grafik 2: Schnitt durch eine Cinquedea-Klinge

 

 

7. Schilde

Obwohl die Zeit der großen Schilde wie Normannenschilde oder Turmschilde aufgrund der perfektionierten Rüstung vorbei war, wurden auch im 16. Jhdt.noch Schilde verwandt. Dies waren jedoch vor allem kleine Fechtschilde, die allerdings sowohl in der Form als auch mit ihren Zusatzeinrichtungen extrem durchdacht und für ihren Zweck optimiert waren - die Klinge des Gegners zu fangen, zu binden ung wenn möglich zu brechen.
Eine Ausnahme hiervon bildeten die Schilde der Spanischen Roundtartschiere, die von der Größe her in die Nähe (wenn auch noch immer etwas kleiner) der früheren Schilde kamen.

Hier sollen einige mitsamt ihrer "larpigen" Umsetzung vorgestellt werden.

 

Der Buckler


Bild 1: verzierter Buckler

Buckler sind schnell gemacht und bei Duellen durchaus nicht ohne Nutzen, obwohl der effektive Umgang damit naturgemäß etwas mehr Übung voraussetzt als der mit einem scheunentorgroßen Normannenschild.

Zunächst besorgt man sich im technischen Großhandel ein ca. 25 cm X 25 cm großes und 5 mm starkes Stück PVC/schlagzäh. Aus diesem schneidet man einen ca. 22 cm breiten Kreis aus. In der Mitte dieses Kreises wird ein Loch mit ca. 12 cm Durchmesser geschnitten. An dieser Stelle muß man sich überlegen, ob der Griff in den Kern integriert werden soll. In diesem Fall läßt man in der Mitte des Lochs einen ca. 2 cm breiten Steg stehen (siehe Grafik 1). Wenn man den eher klassischen Schildgriff mit zwei Lederriemen bevorzugt (siehe Bild 2), werden an den entsprechenden Stellen vier Löcher in den Kern gebohrt und von vorn durch diese Löcher vier Rundkopfschrauben mit Unterlegscheibe gesteckt. Dann sägt man aus einer 1 cm

starken Leiste vier Klötzchen mirt den Abmessungen 2 cm X 2 cm ausgesägt und jeweils in der Mitte mit einer Bohrung im Durchmesser der Schrauben versehen. Diese Klötzchen werden auf der späteren Rückseite auf die Schrauben geschoben, damit man später eine feste Grundlage für die Verschraubung der Lederstreifen hat (siehe Grafik 4).

Nun nimmt man den Kern als Schablone und schneidet in ein Stück 5 mm starken Polsterwaffenschaumstoff ein Loch, in welches der Kern genau rein paßt. Allerdings muß das Loch gewählt sein, daß rundrum überlall noch mindestens 5 cm Schaumstoff stehen bleibt. Dieser Ring wird bei dem fertigen Buckler die Mittelschicht (siehe Grafik 2 und 3).

Jetzt wendet man sich der Vorderseite zu:
Aus 10 mm Polsterwaffenschaumstoff schneidet man einen Kreis, dessen Durchmesser 8 cm größer als der des Kerns ist. Auf diese klebt man mit Patttex mittig den Kern auf. Iat dies geschehen, wird bündig mit dem Kern ein Loch in die Mitte geschnitten (siehe Grafik 3)

Als nächstes wird der mittlere Ring um den Kern geklebt. Hierbei werden zunächst nur die Schaumstoffflächen mit Pattex eingestrichen, den man anbinden läßt. Auf keinen Fall darf man das bei den Seiten des Innenrings, also dort, wo der Schaumstoff an das PVC stößt, auch so machen. Ansonsten krigt man den Ring nicht mehr über den Kern geschoben. diese Stelle wird erst unmittelbar vor der Montage dick mit Pattex eingeschmiert.
Ist der Mittelring aufgeklebt, wird er rundrum entlang des Randes der vorderen Schicht bündig zugeschnitten.

Als letztes wird die Rückseite aus 10 mm Polsterwaffenschaumstoff aufgeklebt. Dies ist bei der Riemen-Variante etwas hakeliger, da hier auf der Rückseite die Schrauben mit den Klötzchen rausschauen. Am besten man drückt den Kern zunächst auf den Schaumstoff, so daß die Schrauben den Schaumstoff eindellen (aber darauf achten, daß die Dellen nicht so liegen, daß der Schaumstoff später irgendwo vor dem Rand des Schildes endet). Diese Dellen werden dann ausgeschnitten, die Klötzchen von den Schrauben gezogen, der Schumstoff drübergeschoben und aufgeklebt (einen Bereich um die Schrauben nicht mit Kleber bestreichen, damit man anschließend die Aussparungen für die Klötzchen gut einschneiden und herausziehen kann), die Klötzchen als Schablone benutzt, um Aussparungen für sie zu schneiden (siehe Grafik 4) und die Klötzchen dort versenken. Schließlich wird auch in dieser Schicht das Mittelloch aus- und dann der Außenumriß bündig abgeschnitten.

Nun kommt der Buckel dran: Dazu wird ein ca. 16 cm großer Schaumstoffball halbiert


Grafik 1: Schnittmuster Bucklerkern


Bild 2: Buckler von hinten (ohne integrierten Griff)


Grafik 2: Polsterung des Kerns


Grafik 3: Schnitt durch Buckler (mit integriertem Griff)

und innen mit Messer und (vorsichtig) Feuerzeug ausgehöhlt. Dabei sollte am Rand rundrum ca. 2 cm Schaumstoff stehenbleiben, in der Kuppel etwas mehr (siehe Grafik 3). Zur Probe sollte man den Buckel über das Loch im Schild setzen und um den Griff greifen. Die Hand muß dabei genug Platz in der Aushöhlung des Buckels finden.

Der Buckel wird nun mittig auf die Vorderseite des Schildes über das Loch geklebt. Idealerweise sollte die Aushöhlung einigermaßen bündig mit dem Lochrand abschließen. Die INNENseite des Buckels wird danach mit Polyesterharz ausgepinselt und erhält auf diese Weise ebenfalls einen "Kern". Da dieser "Kern" zur Hand hin aber ziemlich rauh sein wird, kleidet man die gesamte "Handkuhle" des Bucklers mit Leder aus (siehe Grafik 3).

Als letztes werden die Ränder des Bucklers noch mit einem Kutter, Feuerzeug und Bügeleisen abgerundet und das ganze Ding verziert.


Grafik 4: Verschraubung der Griffriemen

Als Verzierung eignen sich verschiedene Ringe aus 3 mm Polsterwaffenschaumstoff (der läß sich auch noch ganz gut den Rundungen des Schildes und des Buckels anformen - siehe Bild 1).
Ebenfalls empfehlenswert ist ein Ring entlang der Außenseite des Bucklers (siehe Bild 2) um den "tellerartigen" Eindruck noch zu verstärken.

So, nun viel Spaß beim Bau des Bucklers.

Getragen wurde ein Buckler i.ü. (insbes. von jugendlichen Rabauken) an einer Lederschlaufe über dem Griff des schräg an der Seite hängenden Schwertes/Rapiers. Das war dann quasi das Renaissance-Pendant zum Pistolenholster mit Colt im Wilden Westen.


 

Die Fechttartsche


Bild 1: Pariertartsche nach den Zeugbüchern Kaiser Maximilians

Als Fechttartsche wurde ab dem 16. Jhdt. ein kleiner viereckiger Schild bezeichnet, der oftmals geschwungen und mit einer Anzahl Pariereinrichtungen versehen war. Etwas größer als ein Buckler zeigte sich diese Form des Fausschildes beim Fechten aufgrund ihrer besonderen Form mit dem ausgeprägten Mittelgrad und den teilweise hochgewölbten Seiten als besonders praktisch, um die Klinge des Gegners einzufangen und zu dirigieren. Üblicherweise wurde die Fechttartsche wie der Buckler an einem einzigen Griff in der Mitte gehalten. Teilweise hatte sie jedoch auch eine Armschlaufe/Griff-Kombination. In diesem Fall sind die Übergänge zum Parierarm (eine Art armlanger Panzerhandschuh mit spitzer Klinge vorn heraus) fließend.
Als Kern verwendet man hier, wie auch beim Buckler, 5 mm PVC/schlagzäh (kriegt man im Kunstoff- oder technischen Großhandel, z.B. Kahmann & Ellerbrock in Bielefeld). Hieraus sägt man sich ein Stück entsprechend Grafik 1 zurecht. Die benötigte Größe des Kerns kann, je nach Vorbild oder Gestaltungswunsch variieren. Die Angaben in der Grafik beziehen

sich auf eine 40 X 40 cm große, einfache Pariertartsche.

Dieser PVC-Kern wird nun etwa 10 Minuten bei 50-60 Grad in den Backofen gelegt. Danach sollte es weich wie Gummi sein (wenn es das nicht ist, nochmal rein und die Temperatur höher stellen).
Jetzt heißt es, schnell zu arbeiten: Der Kern wird, solange er noch weich ist entsprechend Grafik 2 in Form gebogen. Als Biegehilfen eignen sich große Pappröhren (kann man, wenn man nett fragt in Läden, die Wahren in Papier einschlagen, geschenkt kriegen. Darauf ist nämlich das Packpapier aufgerollt). Einfach zwei Rollen über und eine dazwischen unter den Kern, dann das Ganze zusammendrücken, bis die gewünschte Form erreicht ist, dann ein paar Minuten warten, bis der Kern so erkaltet ist, daß er seine Form nicht mehr verliert. Durch die Pappröhren werden die Biegungen auch einigermaßen parallel.
Die beiden Laschen in der Mitte bleiben allerdings gerade. Durch die Biegung des Restes stoßen sie aneinander und bilden so den Griff (siehe Grafik 2). Die Wölbung in der Mitte muß so stark sein, daß die Hand, wenn wenn sie den Griff umfaßt, noch Spiel zum Dach der Wölbung hat (immerhin wird das Ganze ja noch gepolstert). Hier sollte man mit einem Streifen 10 mm Polsterwaffenschaumstoff testen, ob es paßt, und wenn nicht, den Kern noch mal in den Ofen stecken und die Biegung noch einmal und diesmal etwas stärker machen.

Ist der Kern fertig gebogen und erkaltet, wird er wie der Buckler (s.o.) mit weißem Polsterwaffenschaumstoff verkleidet. Aufgrund der etwas heiklen Form sollte man im Gegensatz zu diesem allerdings zuerst die vordere Schicht aus 10 mm Polsterwaffenschaumstoff aufkleben (einfach mit viel Überstand an den Seiten abmessen und dann auf den Kern abrollen. Danach schneidet man dieAußenkante der Vorderfront aufForm d.h. mit 5 cm Abstand zum Kern und montiert dann wie beim Buckler die restlichen Schichten.

Der Griff wird bei der rückwärtigen Polsterschicht selbstverständlich ausgespart. Das so


Grafik 1: Sägemuster für den Kern (die schwarzen Striche bezeichnen Einschnitte)


Grafik 2: Biegeform des Kernes


Bild 2: Pariertartsche (Ansicht von hinten)


Bild 3: Pariertartsche bei DiGrasso

ausgesparte Teil wird dann in den entstehenden Schlitz in der Polsterung hinter dem Griff eingepaßt.

Nach dem Latexen und dem Aufbringen des Waffenlacks kann der Griff noch mit Leder umwickelt werden. Zur Stabilisierung empfiehlt es sich jedoch, längs über den Griff vorne und hinten eine dünne Holzleiste zu kleben.

Fertig.

Der Laternenschild


Bild 1: Laternenschild von vorn

Der Laternenschild war ein grundsätzlich ein Parierschild mit verschiedenen Klingenfängern und -brechern, der um einen Plattenhandschuh gebaut war. Seinen Namen hat er von einer kleinen Laterne, die mit einem Kläppchen versehen und dafür gedacht war, den Gegner in einem nächtlichen Kampf zu blenden. Er war, den bis heute überdauerten Exemplaren zufolge, schon im 16. Jhdt. extrem selten. Ob dieser Schild wirklich praktisch war oder ob die Lampe im Gefecht nicht doch eher sofort ausging, kann zumindest bezweifelt werden. Jedenfalls war er wie viele andere Dinge auch (in Streitkolben oder Schilde eingebaute Pistolen) Ausdruck der Verspieltheit der Renaissance und des Dranges alles Machbare tatsächlich herzustellen.

Abgesehen von der Laterne hat ein Schild mit diversen Parierklingen jedoch tatsächlich gewisse Vorteile, die sich sogar im LARP umsetzen lassen. So ist es aufgrund der 90 Grad-Anordnung der Parierklingen wirklich möglich, die Klinge des Gegners einzufangen und -klemmen, um dann mit der eigenen Waffe durch die so gelähmte Abwehr zu dringen.

Die Laterne eignet sich zumindest, um in stockdunkler Nacht sicher zum Klo zu finden. Zum "Blenden" eignet sie sich nicht.

Für den Schild benötigt man:

  1. einen kleinen Plastik-Mülleimer, Typ "Oskars Mülltonne". Der Deckel sollte ungefähr einen Durchmesser von 35 cm haben.
  2. einen linken Schweißerhandschuh aus dem Baumarkt (Linkshänder benötigen einen rechten Handschuh aber da die Dinger sowieso nur paarweise verkauft werden, dürfte das nicht das Problem sein)
  3. eine Platte 5 mm PVC/schlagzäh für den Griff und die Kerne der Parierklingen
  4. einen mittelgroßen Schaumstoffball. Durchmesser ca. 16 cm
  5. eine 5 mm und eine 10 mm dicke Matte aus Polsterwaffenschaumstoff
  6. 7 M5 Schrauben mit Muttern und Unterlegscheiben
  7. ein stabile Papprolle (Klo- oder Küchenpapierrolle reicht)
  8. Pattex, Polyesterharz, Latex, Farbe und ggfls. Latex-Schutzlack

Als erstes wird der umgebogene Rand abgeschnitten und ein trapezförmiger Einschnitt von 6 cm Tiefe und 10 cm (innen) bzw. 12 cm (außen) Breite eingeschnitten. Auch das Loch für die Laterne wird eingeschnitten wie auf Grafik 1 zu sehen. Alle Schnittkanten werden dann mit einer Feile und Schmirgelpapier abgerundet.

Als nächstes werden der Griff und die Kerne der Parierklingen aus 5 mm PVC/schlagzäh ausgesägt. Der Griff (siehe Grafik 1) sollte dabei so gestaltet werden, daß er bündig mit der Kante des ausgesägten Trapezes abschließt und man mit deer Hand gut in den Ausschnitt hinein- und den Griff umgreifen kann. Die Klingenkerne haben eine Breite von 2 cm und eine Länge von 45 cm (die lange Klinge unterhalb des Griffs) bzw. 25 cm (die kurze Klinge, welche aus dem Schildbuckel herausragt).

Diese Kerne bzw. der Griff werden nun gebohrt und, wie auf Grafik 1 zu sehen, mit dem Schildkern verschraubt. Dabei liegen die Muttern innen und der halbrunde Kopf der Schraube außen. Um ein ausbrechen der Schrauben zu verhindern verwendet man bei der Verschraubung möglichst große Unterlegscheiben. Der Mitteldorn (der später aus dem Buckel ragt) wird zusätzlich noch mit Polyesterharz vergossen.
Auch die Löcher für den Armriemen werden gebohrt und wie auch beim Buckler (s.o.) die Klötzchen aus 10 mm Sperrholz aufgeschraubt.

Nun werden die Klingen wie Dolche mit 5 mm dickem, weißem Polsterwaffenschaumstoff gestaltet (näheres siehe oben unter Parierdolche). Ist das getan, wird zunächst die Vorderseite des Schildes mit 1 cm Polsterwaffenschaumstoff verkleidet. Dabei schneidet man den Schaumstoff zunächst grob mit reichlich Überstand aus und schneidet in die Mitte eine Aussparung für die Mittelklinge. Danach schmiert man die gesamte Vorderfläche des Schildes sowie die Rückseite der Verkleidung dünn mit Pattex ein, läßt das Ganze antrocknen und schiebt dann die Verkleidung über die Klinge, wobei man die Verkleidung, von innen nach außen arbeitend, festdrückt (am Besten geht das mit streifenden Bewegungen), bis die Verkleidung gleichmäßig überall klebt.
Ist das geschehen wird der Schild in Form geschnitten, wobei der Rand (ausgenommen an der Stelle, wo der trapezförmige Einschnitt mit dem Griff sitzt) rundherum ca. 5 cm über den Kern



Grafik 1: Kern


Bild 2: Detailaufnahme des Panzerhandschuhs


Bild 3: Detailaufnahme der Laterne



Bild 4: Ansicht von hinten

überstehen soll. Auch das Loch für die Laterne wird ausgeschnitten, wobei man darauf achten sollte, daß die Wände des Lochs einigermaßen senkrecht sind).
Ist die Vorderseite aufgeklebt, macht man das gleiche mit der Rückseite, was allerdings wegen der konkaven Innenwölbung etwas kniffliger ist. Am Besten geht es, wenn man hier in zwei Stufen arbeitet, d.h. erst den inneren Teil des Schildes und den mittleren Teil der Rückpolsterung mit Pattex einschmieren, antrocknen lassen und aufkleben, dann den äußeren Rand usw.
Hat man dies hinter sich, wird die Rückseite bündig zur Vorderseite abgeschnitten. Wer will, kann den Schildrand noch, wie beim Buckler (s.o.) oder auf Bild 2 zu sehen, abrunden.

Der Buckel besteht aus einem halbierten Softball, in welchen ein Schlitz für die Klinge geschnitten wurde (dabei reicht wirklich ein Schlitz, der Rest drückt sich dann schon von allein um die Klinge). Dieser wird dann über die Klinge geschoben und auf die Vorderseite des Schildes geklebt.

Auf der Rückseite wird nun noch die Laterne angeklebt. Diese besteht aus einer aufgeschnittenen Klo- oder Küchenpapierrolle, die mit 5 mm Polsterschaumstoff umklebt


Grafik 2: Panzerung des Handschuhs

und von der dann so aufgeschnitten wird, daß sie sich an die Innenpolsterung anfügt (siehe Bild 3). Das Dach besteht aus einem Kreis, aus dem ein Kreissegment ausgeschnitten wird und die Kanten wieder verklebt werden (Prinzip "Chinesenhut"). Wer die Laterne tatsächlich in Betrieb nehmen will (etwa mittels Knicklichtern), sollte das Innere mit Chromspray silbern ansprühen, von innen eine durchsichtige Plastikfolie vor das Loch kleben und die Bodenplatte abnehmbar gestalten.
Die Vorderseite kann man noch nach Belieben mit diversen "Parierhilfen", wie Brechringen o.Ä. versehen, die im LARP jedoch nur dekorativen Charakter haben. Auf keinen Fall sollte man jedoch das runde Deckelchen für das Laternenloch vergessen.

Schließlich braucht man noch einen Panzerhandschuh. Als Basis dient hierzu ein Paar Schweißerhandschuhe aus dem Baumarkt. Von diesen braucht man natürlich nur einen, nämlich den linken (bzw. bei Linkshändern den rechten). Da man für die Panzerung mindestens 5 mm Polsterwaffenschaumstoff nehmen sollte (immerhin pariert man ggfls. ja auch mal mit


Bild 5: Zeichnung eines erhaltenen Laternenschildes

der Hand) wurde hier ein einfacher Panzerfäustling als Vorlage genommen. Die einzelnen Panzerstücke werden entsprechend Grafik 2 aus 5 mm Polsterwaffenschaumstoff ausgeschnitten, mittels Lötkolben verziert und von hinten nach vorne leicht überlappend (d.h. die vorderen Stücke lappen über die jeweils hinteren) auf den Handschuh aufgeklebt.
Ist der Handschuh "gepanzert" steckt man die Hand hinein, umgreift den Griff und klebt den Handschuh in den Schild. Ist der Kleber getrocknet, kann man die Hand aus dem Handschuh ziehen.

Jetzt muß der Schild und die Handschuhpanzerung (aufpassen, daß möglichtst wenig auf das Leder kommt) nur noch gelatext und mit Waffenlack versiegelt werden und fertig ist ein Blickfang und praktischer Begleiter für jeden "Dungeoncrawler" und Streuner in finsteren Gassen.

 

So, das wars, viel Spaß beim Bauen von Waffen, wie es sie nicht hundertfach auf jedem Con gibt.


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