Kuhmaulschuhe

Inhalt:
  1. Abschlußarbeiten
Hat schon mal jemand versucht, ein Paar Kuhmaulschuhe für unter 200 Euro zu kriegen ? Ich schon und ich kann Euch sagen, es ist mir nicht gelungen. Das einzige Modell, das ich im Internet für unter 100 Euro gefunden habe, wird, so der Anbieter, nicht mehr hergestellt. Ein weiteres Modell, welches für ca. 110 Euro zu haben sein sollte, sah zwar aus wie ein Gesundheitsschuh der 80er Jahre des 20. Jhdts, nicht jedoch wie das modische Schuhwerk Anfang des 16. Jhdts. Dann bin ich auf die Seite www.mittelalterschuhe.de von Patrick Seehaber gestoßen und habe mir gesagt, das kannst Du auch. Tja, und es hat geklappt. Wenn man einmal damit angefangen hat, ist es ganz einfach und nach einem Wochenende hat man ein Paar manierlicher, authentischer (da sag noch mal einer, die Larper machen nur Fantasy) und einzigartiger Schuhe.

Die Schuhe, die hier beschrieben werden, sind wendegenäht. Zwar kam man im 16. Jhdt dazu, Schuhe vermehrt über einem Leisten zu nähen, doch gibt es auch Funde von Kuhmaulschuhen, die wendegenäht sind (z.B. die Funde in Kempten vom Anfang des 16.Jhdts.: http://www.uni-bamberg.de/~ba5am1/artikel/zlin/shoes.htm ).

1. Werkzeug

Bevor wir zum Punkt "Was brauchen wir ?" kommen, möchte ich noch kurz das "Wo kriegen wir es her ?" besprechen. Fast alle Werkzeuge, die hier aufgelistet sind, kriegt man im Baumarkt ... allerdings für teures Geld. Viel sinvoller und billiger ist es, sich in seiner Gegend einen Schusterbedarf-Großhandel zu suchen (findet man z.B. indem man einfach einen Schuster fragt; in Osnabrück bietet sich die Firma Leder Brinkmann GmbH, in Bielefeld die Firma K. Michaelis an), dort sollte man die benötigten Werkzeuge für unter 10 Euro kriegen.

Was braucht man also:

  1. eine Ahle (am besten mit Holzgriff und auswechselbaren Spitzen), flach mit leicht gebogener Spitze
  2. zwei gebogene Schusternadeln
  3. eine kleine Zange
  4. ein Schustermesser oder einen scharfen Cutter
  5. starken Zwirn (Hanf oder Leinen)
  6. Pappe (zum Aufzeichnen der Schablonen)
  7. Tape
  8. eine alte Socke
  9. Stoffreste
  10. Kövulfix Lederkleber (nicht ganz "period" aber ein akzeptabeler Ersatz für Knochenleim)
  11. eine Bienenwachskerze
  12. Schuhspanner
2. Material

Das Leder bekommt Ihr ebenfalls beim Schusterbedarfs-Großhandel (hier kann man sich auch oftmals genau passende Stücke zurecht schneiden lassen, so daß der Verschnitt (und damit der Preis) sich im Rahmen hält. Ansonsten kriegt Ihr das Leder selbstverständlich bei dem Lederhändler Eures Vertrauens. Größenangaben können hier natürlich nicht gemacht werden. Diese hängen von der Größe Eures Fußes ab.

Man braucht:

  1. Oberleder: ein relativ steifes Glattleder (vorzugsweise Rind). Es kann ruhig etwas zu steif scheinen, da es vor dem Wenden gewässert und dadurch weicher wird.
  2. Innensohle: starkes Büffelleder (Gürtelleder ist hier gut geeignet). Es sollte allerdings noch immer etwas biegsam sein, da es nur die Innensohle darstellt und später mitgewendet werden muß.
  3. Sohle: richtig festes Sohlenleder
  4. Optional: zwei Schnallen 16 mm
3. Schnittmuster herstellen
Bevor man sich an das Leder macht, muß man zunächst einmal Schablonen für Sohle und Oberleder herstellen. Leider habe ich bis heute keine Schnittmuster für Kuhmaulschuhe gefunden, so daß hier nur der Selbstentwurf in Frage kam. Doch selbst mit Schnittmustern würde ich immer zum originären Entwurf raten, da man so die Gewähr hat, daß die Schuhe wirklich maßgeschneidert für den eigenen Fuß sind.

Fangen wir also mit der Sohle an:

Zunächst einmal stellt man seinen rechten Fuß auf ein Stück starker Pappe und zeichnet den Verlauf des Fußes mit einem Filzstift auf. Wichtig hierbei ist, daß man nur die Sohle, d.h. den Teil, der tatsächlich auf dem Boden aufliegt, anzeichnet. Dies bedeutet, daß man (insbes. an der Innenseite des Fußes) etwas unter dem Fuß zeichnen muß, da Euer Fuß sich hier nach außen hin vom Boden weghebt.
Eine einfachere, wenn auch schmuddeligere Methode ist es, Eure Fußsohle mit Farbe einzuschmieren und dann auf die Pappe zu "stempeln". Was Ihr bevorzugt, bleibt Euch überlassen, jedenfalls solltet Ihr danach einen relativ genauen Sohlenverlauf Eures Fußes vor Euch liegen haben (siehe Grafik 1: in blau eingezeichnet).

Ist dies geschehen, so wird der eigentliche spätere Sohlenverlauf angezeichnet. Die Verse wird etwas verlängert, der Bereich des inneren Mittelfußes wird etwas weniger eingeschnitten und, da ich hier Kuhmaulschuhe machen wollte, die typische entenschnabelförmige Spitze wird eingezeichnet (siehe Grafik 1: in schwarz eingezeichnet). Diese Form wird jetzt ausgeschnitten. Damit ist die Schablone für die Sohle fertig.


Grafik 1: Schablone Sohle (blau = angezeichneter Fußverlauf)

Bild 1: Der "Tape-Fuß"
Als nächstes müssen wir eine Schablone für das Oberleder fertigen. Dazu braucht man zunächst ein "Modell" des eigenen, rechten Fußes.
Hierfür zieht man sich die alte Socke an und umwickelt den so "umsockten" Fuß mit mehreren Lagen Tape. Dabei muß darauf geachtet werden, daß der Fuß in einer Position bleibt, als wenn er belastet würde (am Besten man stellt den Fuß beim Umtapen auf einen Tisch, belastet ihn und hebt ihn nur dann kurz an, wenn man das Tape unter der Fußsohle durchführen muß.
Hat man auf diese Weise 3-5 Schichten Tape gewickelt, so kann man die Tape-Socke VORSICHTIG über den Wrist aufschneiden und seinen Fuß herausschälen. Dieser Schnitt wird dann wieder mit Tape zugeklebt und die Socke mit alten Soffresten, Zeitungspapier, Watte o.Ä. ausgestopft. Schließlich wird auch noch die Beinöffnung zugeklebt.

Voila ! Ein Modell Eures Fußes, mit dem jetzt weitergearbeitet werden kann, ist fertig.

Nun wird der "Tape-Fuß" auf die Sohlenschablone gestellt und zwar so, wie später, wenn der Schuh fertig ist, auch der Fuß auf der Sohle sitzen soll. Der "Tape-Fuß" sollte ggfls. mit Klebeband fixiert werden.

Nun wird ein Stoffrest, der etwa doppelt so breit und anderthalb mal so lang sein muß wie die Sohle beginnend von der Spitze (bei Kuhmaulschuhen nicht unbedingt das passende Wort aber Ihr wißt schon, was ich meine) über den "Tape-Fuß" gezogen und auf der Unterseite der Sohle mit Klebeband fixiert. Der Stoff sollte dabei stramm gespannt sein. Da wo der Fuß anfängt ins Bein überzugehen schneidet man einen Schlitz in den Stoff und führt die beiden so entstandenen Streifen jeweils hinten um die Ferse (wobei der Stoff immer unter der Sohle festgeklebt wird) und klebt sie in dem Bereich, wo sie sich überlappen mit Alleskleber zusammen. Ist man damit fertig, sollte das Ganze aussehen wie ein Espandrillo. Jetzt wir mit einem Filzstift auf dem Stoff die Sohlenkante und der gewünschte Verlauf der Schuhoberkante eingezeichnet (um eine gleichmäßige Höhe zu erreichen, nimmt man am besten ein Klötzchen in der gewünschten Höhe, legt den Stift darauf und zeichnet ringsrum an; siehe Grafik 2). Die Schuhoberkante sollte i.ü. lieber etwas höher gesetzt werden als eigentlich geplant. Abschneiden kann man später immer noch etwas.
Schließlich wird auch der Sitz der späteren Oberleder-Stoßnaht (d.h. der Stelle, an der das Oberleder später zusammengenäht wird) eingezeichnet. Je nach Geschmack kann man diese Stoßnaht an der Ferse (das vereinfacht die spätere Verengung der Ferse gibt aber Probleme bei der Formgebung der Spitze) oder an der Fußinnenseite (scheint der authentische Sitz der Naht gewesen zu sein, jedenfalls läßt sich an einem Schuh (1.v.r.) auf dem Holzschnitt "Triumphzug des Kaisers Maximilian" (s. am Anfang der Seite) dieser Sitz der Stoßnaht erkennen).
Sind Stoßnaht, Ober- und Unterkante angezeichnet, wird der Stoff entlang der späteren Stoßnaht aufgeschnitten, entlang der Linien für Ober- und Unterkante zugeschnitten und auf ein Stück Pappe glatt aufgeklebt. Nachdem die Pappe entsprechend dem aufgeklebten Stoff ausgeschnitten wurde, hat man auch die Schablone für das Oberleder fertig (Diese sollte in etwa so Aussehen wie Grafik 3).


Grafik 2: Anzeichnen mittels "Klötzchen"


Grafik 3: Schablone Oberleder
(nicht maßstabsgetreu)
4. Präparieren der Einzelteile


Grafik 4: Vorlochen der Sohle
Mithilfe der Schablonen werden nun zunächst einmal die entsprechendenTeile auf da Leder aufgezeichnet und ausgeschnitten. Dabei sollte die glatte Seite des Leders immer die Außen-, die rauhe oder auch Fleischseite die Innenseite bilden. Beim Oberleder müssen an der Unterkante rundrum etwa 6 mm Saumzugabe gelassen werden, da der Schuh nach dem Wenden sonst zu eng werden kann. Außerdem sollte man an den Stoßkanten auf jeder Seite 10 mm zugeben, damit man nicht nach dem Zusammennähen merkt, daß die Sache zu kurz geworden ist.

Sodann nimmt man sich die Sohlen vor und zeichnet auf der Fleischseite (d.h. auf der späteren Innenseite des Schuhs) rundrum eine Linie mit ca. 6-8 mm Abstand zum Rand an. Auf dieser Linie werden jetzt die Nahtlöcher mit der angewinkelten Ahle vorgelocht. Die Löcher beginnen auf der Linie und enden auf der Kante etwa 2/3 der Lederstärke unterhalb der Fleischseite (siehe Grafik 4). Die Löcher sollten etwa 7 mm auseinander liegen, dies ergibt rund 4 Stiche auf 2 cm, was a) authentisch, b) so eng ist, daß der Schuh nach dem Vernähen die nötige Stabilität hat und c) andererseits auch so weit auseinander liegt, daß die Nähte nicht ausreißen. Am schnellsten geht es, wenn man die Einstichstellen alle mit einem Stift auf der zuvor angezeichneten Linie rundrum abträgt und danach komplett rundrum sticht.
Ist dies getan, so kann man mit dem Annähen des Oberleders anfangen.

5. Annähen des Schaftes

Jetzt werden Sohle und Oberleder "auf links" zusammengenäht.
Zunächst muß allerdings der Zwirn gewachst werden. Dazu zündet man die Bienenwachskerze an, läßt sie eine Weile brennen und zieht dann ein ausreichend langes Stück Zwirn durch das flüssige Wachs.
Als nächstes legt man das Oberleder Spitze auf Spitze an die Sohle und zeichnet die ersten Löcher (etwa 3 in jede Richtung) korrespondierend zu denen in der Sohle an. Die Löcher sollten auf einer Linie etwa soweit unter der angezeichneten Sohlenlinie liegen, wie der Lochausgang der Sohle unter dem Sohlenrand. Jetzt werden die ersten angezeichneten Löcher mit der Ahle durchstochen und mittels Sattlerstich vernäht.
Für den Sattlerstich wird an jedem Ende des Fadens eine Nadel befestigt. Dann werden an einer Stelle Sohle und Oberleder durch die vorgestochenen Löcher durchstochen und der Faden bis zur Hälfte seiner Länge durchgezogen. Dann wird der Faden über kreuz durch die

Grafik 5: Sattlerstich

Bild 2: Annähen des Oberleders
einzelnen Löcher gezogen (vgl. Grafik 5 u. Bild 2), der Faden muß dabei immer stramm festgezogen werden. Ist man beim letzten vorgestochenen Loch im Oberleder angekommen, so werden die nächsten 4-6 Löcher angezeichnet und vorgestochen. Dann wieder vernähen usw., bis man sich zum Ende des Oberleders vorgearbeitet hat. Dort werden die beiden Enden des Fadens verknotet und man beginnt wie gehabt von der Mitte in die andere Richtung.

Um im Fersenbereich ein "auslatschen" des Schuhs zu verhindern, näht man dort eine Fersenverstärkung mit ein. Diese besteht aus einem dreieckigen Stück aus dem gleichen Material wie das Oberleder, die einfach im Fersenbereich mit dem Oberleder zusammen an die Sohle angenäht wird (vgl. Bild 3).

Ist man auch in der anderen Richtung am Ende des Oberleders angekommen, wird die Stoßkante so zugeschnitten, daß beide Lederstreifen bündig voreinander stehen.

Um den Schuh an dieser Stelle noch zu stabilisieren, nähe ich noch ein paar Stiche über die Stoßkante drüber. Die Stoßkante selbst wird erst nach dem Wenden vernäht.

Jetzt icht auch der Zeitpunkt gekommen, um den entgültigen Verlauf der Oberkante festzulegen. Dazu wird wieder mit der oben beschriebenen "Klötzchen-Methode" gearbeitet. Die Kuhmaulschuhe des 16. Jhdts waren, wenn man den einschlägigen Holzstichen folgt, i.ü. an den Seiten eher niedrig und an der Verse wieder etwas höher geschnitten.

Nun wird der Schuh erst einmal ausgiebig gewässert. Eine halbe Stunde in KALTEM (auf keinem Fall heißes Wasser, da das Leder sonst schrumpft) Wasser ist Minimum. Dies ist aus zweierlei Gründen notwendig: Erstens macht es das Leder weicher und ermöglicht so, den Schuh zu wenden und zweitens kann das nasse Leder mithilfe eines Schuhspanners in Form gebracht werden.


Bild 3: Fersenverstärkung

Grafik 6: Stoßnaht
Ist der Schuh so richtig schön durchfeuchtet, wird er auf links gezogen. Hierzu ist ggfls etwas Kraftaufwand nötig. Die beiden Kuhmaulecken werden am besten mit einem abgerundeten Kochlöffelstiel o.Ä. ganz durchgedrückt. So, nun muß der kalte, feuchte Schuh zum ersten Mal angezogen werden (Muahaha !!). Unnötig zu sagen, daß Socken ggfls. vorher ausgezogen werden sollten. Ist der Fuß drinnen wird der Schuh (insbesondere die Schuhspitze in die entgültige Form gebracht werden. Ich habe bei meinen Kuhmaulschuhen die Ecken etwas runtergedrückt (siehe Bild am Ende), so daß der Fuß im Vorderteil mehr Halt hat. Wer will kann die Schuhe vorne jedoch auch insgesamt relativ steil ansteigen lassen. In diesem Falle würde ich aber später von innen Lederpolster in die Ecken setzen, damit der Fuß vorne nicht hin und her rutscht.
Ist die gewünschte Form gegeben, wird der Schuh auf einen Schuhspanner gespannt und für ca. 15 bis 20 Minuten im Backofen bei 50 Grad getrocknet. Länger sollte der Suh nicht im Rohr bleiben, da er sonst härter und damit unbequemer wird. Die kurze Zeit reicht auch vollkommen
aus, damit der Schuh die Form behält. Der Rest kann dann über Nacht auf der Heizung trocknen (Zeitungen einlegen, um Wasserflecken zu vermeiden).

Ist der Schuh trocken, kann man sich der Stoßnaht zuwenden:
Hierzu wird das Oberleder entlang der Stoßlinie mit der Ahle vorgestochen. Die Stiche sollten von der Außenseite bis etwa zur Mitte der Stoßkante geführt werden (siehe Grafik 6), da auf diese Weise die sichtbare Naht nach außen kommt und nicht auf der Innenseite des Schuhs am Fuß scheuern kann. Vernäht wird das ganze dann wie gehabt, indem von unten beginnend jeweils die zwei Enden des Zwirns über kreuz durch die Löcher geführt und am oberen Rand verknotet werden (Grafik 6).

6. Kleinarbeiten (Riemen, Ferse, Sohle)


Bild 4: Riemenbefestigung von außen ...
Da die Kuhmaulschuhe nur an den Zehen und an der Ferse halt bieten, sitzen sie extrem locker am Fuß sitzen (man fragt sich, wie die Landsknechte, die mit Schuhen ohne Riemen auf Holzschnitten abgebildet sind, gekämpft haben), ist das Einsetzen eines Riemens, welcher über den Spann führt, sehr empfehlenswert.

Dazu schneidet man sich zunächst vier Riemchen aus dem Material des Oberleders. Diese sollten 16 mm breit sein. Zwei der Riemchen sollten eine Länge von ca. 8 cm (die kurzen Stücke) haben, die anderen beiden sollten so lang sein, daß sie bequem von Sohlenhöhe zu Sohlenhöhe über den Spann passen abzüglich 2 cm.
Die kürzeren Stücke werden jetzt etwa 2 cm von einem Ende entfernt mit einem Loch versehen, die Schnallen eingesetzt und das Ende umgeklappt und vernäht. Die längeren Stücke werden an einer Seite zu einer Spitze geschnitten und dann gelocht.

Als nächstes schneidet man in das Oberleder des Schuhs an jeder Seite des Spanns jeweils einen Schlitz, durch die die korrespondierenden Riemen in den Schuh gesteckt werden (siehe Bild 4 und 5). Innen werden die Riemen mit einem Applikationsstich (siehe Grafik 8) auf (bzw. unter) das Oberleder genäht.

Um den Schuh oberhalb der Ferse zu verengen und so dem Fuß mehr Halt zu geben, sollte der Schuh in der Mitte der Ferse an der Oberkante keilförmig eingeschnitten und die Ausschnittkanten dann wieder mit einer Stoßnaht (siehe Grafik 6) vernäht werden. Der Ausschnitt sollte allerdings nicht zu breit sein, da ansonsten der Schuh nichtmehr paßt. 1 - 1,5 cm an der breitesten Stelle reichen vollkommen aus. Es empfiehlt sich i.ü. denn Einschnitt an der Oberkante wieder etwas zu verjüngen, da auf diese Weise die Oberkante des Oberleders im Fersenbereich etwas vom Fuß weg gewölbt wird und so ein potentielles Scheuern vermieden wird.


Bild 5: ... und von innen

Grafik 7: Ferseneinschnitt
Damit das Oberleder im Fersenbereich bei häufigem An- und Ausziehen nicht heruntergetreten wird und um der Ferse mehr halt zu geben, kann man in diesem Bereich auch noch eine weitere Verstärkung einbauen (siehe Bild 6).
Dazu schneidet man einfach aus dem Material des Oberleders ein Quadrat aus, welches "übers Eck" gefaltet und dann einfach über die Oberkante der Ferse gestülpt und dort durch das Oberleder festgenäht.

Grafik 8: Vernähen der Riemen

Bild 6: Fersenrandverstärkung
Schließlich sollte unter die Sohle noch eine weitere, stabilere und steifere Sohle angebracht werden. Hierzu schneidet man einfach ein passendes Stück starkes Sohlenleder aus (ordentlich Überstand lassen) und streicht es sowie die Innensohle mit Lederkleber (z.B. Kövulfix) ein. Ist der Kleber angetrocknet wird die Außensohle auf die Innensohle fest aufgedrückt. Dabei kommt es nicht auf die Dauer sondern auf den Anpreßdruck an, weshalb man die Sohle am besten auf einem eisernen Schusteramboß (gibts für kleines Geld im Baumarkt) ordentlich aufhämmert.(ganz besonders auf die Ränder und Ecken achten).

Die überstehenden Kanten der Außensohle werden dann mit einem Cutter abgeschnitten. Die Feinarbeit erledigt man mit dem Schleifaufsatz der Bohrmaschine.

7. abschließende Arbeiten

Schließlich können die Schuhe noch eingefärbt werden. Hierzu verwendet man am besten Lederbeize, die auf das angefeuchtete Leder aufgepinselt wird und wirklich prima einzieht.

Als letztes sollte die Sohle mit Leinölfirniß eingestrichen werden. Für das Oberleder kann man entweder Bienenöl (wenn man es noch irgendwo kriegt) oder ein ordentliches Lederfett (z.B. das gute BW-Fett) verwenden.

So, nun habt Ihr ein paar (fast) authentische Kuhmaulschuhe, die nicht mehr als 50 Euro gekostet haben.



Die fast fertigen Kuhmaulschuhe (vorm Färben)


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