Kuhmaulschuhe |
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Bevor man sich an das Leder macht, muß man zunächst
einmal Schablonen für Sohle und Oberleder herstellen. Leider
habe ich bis heute keine Schnittmuster für Kuhmaulschuhe
gefunden, so daß hier nur der Selbstentwurf in Frage kam.
Doch selbst mit Schnittmustern würde ich immer zum originären
Entwurf raten, da man so die Gewähr hat, daß die Schuhe
wirklich maßgeschneidert für den eigenen Fuß
sind. Fangen wir also mit der Sohle an:
Zunächst einmal stellt man seinen rechten Fuß auf
ein Stück starker Pappe und zeichnet den Verlauf des Fußes
mit einem Filzstift auf. Wichtig hierbei ist, daß man nur
die Sohle, d.h. den Teil, der tatsächlich auf dem Boden aufliegt,
anzeichnet. Dies bedeutet, daß man (insbes. an der Innenseite
des Fußes) etwas unter dem Fuß zeichnen muß,
da Euer Fuß sich hier nach außen hin vom Boden weghebt.
Ist dies geschehen, so wird der eigentliche spätere Sohlenverlauf angezeichnet. Die Verse wird etwas verlängert, der Bereich des inneren Mittelfußes wird etwas weniger eingeschnitten und, da ich hier Kuhmaulschuhe machen wollte, die typische entenschnabelförmige Spitze wird eingezeichnet (siehe Grafik 1: in schwarz eingezeichnet). Diese Form wird jetzt ausgeschnitten. Damit ist die Schablone für die Sohle fertig.
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![]() Grafik 1: Schablone Sohle (blau = angezeichneter Fußverlauf) |
![]() Bild 1: Der "Tape-Fuß" |
Als nächstes müssen wir eine Schablone für das
Oberleder fertigen. Dazu braucht man zunächst ein "Modell"
des eigenen, rechten Fußes. Hierfür zieht man sich die alte Socke an und umwickelt den so "umsockten" Fuß mit mehreren Lagen Tape. Dabei muß darauf geachtet werden, daß der Fuß in einer Position bleibt, als wenn er belastet würde (am Besten man stellt den Fuß beim Umtapen auf einen Tisch, belastet ihn und hebt ihn nur dann kurz an, wenn man das Tape unter der Fußsohle durchführen muß. Hat man auf diese Weise 3-5 Schichten Tape gewickelt, so kann man die Tape-Socke VORSICHTIG über den Wrist aufschneiden und seinen Fuß herausschälen. Dieser Schnitt wird dann wieder mit Tape zugeklebt und die Socke mit alten Soffresten, Zeitungspapier, Watte o.Ä. ausgestopft. Schließlich wird auch noch die Beinöffnung zugeklebt. Voila ! Ein Modell Eures Fußes, mit dem jetzt weitergearbeitet werden kann, ist fertig.
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Nun wird der "Tape-Fuß" auf die Sohlenschablone
gestellt und zwar so, wie später, wenn der Schuh fertig ist,
auch der Fuß auf der Sohle sitzen soll. Der "Tape-Fuß"
sollte ggfls. mit Klebeband fixiert werden.
Nun wird ein Stoffrest, der etwa doppelt so breit und anderthalb
mal so lang sein muß wie die Sohle beginnend von der Spitze
(bei Kuhmaulschuhen nicht unbedingt das passende Wort aber Ihr
wißt schon, was ich meine) über den "Tape-Fuß"
gezogen und auf der Unterseite der Sohle mit Klebeband fixiert.
Der Stoff sollte dabei stramm gespannt sein. Da wo der Fuß
anfängt ins Bein überzugehen schneidet man einen Schlitz
in den Stoff und führt die beiden so entstandenen Streifen
jeweils hinten um die Ferse (wobei der Stoff immer unter der Sohle
festgeklebt wird) und klebt sie in dem Bereich, wo sie sich überlappen
mit Alleskleber zusammen. Ist man damit fertig, sollte das Ganze
aussehen wie ein Espandrillo. Jetzt wir mit einem Filzstift auf
dem Stoff die Sohlenkante und der gewünschte Verlauf der
Schuhoberkante eingezeichnet (um eine gleichmäßige
Höhe zu erreichen, nimmt man am besten ein Klötzchen
in der gewünschten Höhe, legt den Stift darauf und zeichnet
ringsrum an; siehe Grafik 2). Die Schuhoberkante sollte i.ü.
lieber etwas höher gesetzt werden als eigentlich geplant.
Abschneiden kann man später immer noch etwas.
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![]() Grafik 2: Anzeichnen mittels "Klötzchen" |
![]() (nicht maßstabsgetreu) |
![]() Grafik 4: Vorlochen der Sohle |
Mithilfe der Schablonen werden nun zunächst einmal die entsprechendenTeile
auf da Leder aufgezeichnet und ausgeschnitten. Dabei sollte die
glatte Seite des Leders immer die Außen-, die rauhe oder
auch Fleischseite die Innenseite bilden. Beim Oberleder müssen
an der Unterkante rundrum etwa 6 mm Saumzugabe gelassen werden,
da der Schuh nach dem Wenden sonst zu eng werden kann. Außerdem
sollte man an den Stoßkanten auf jeder Seite 10 mm
zugeben, damit man nicht nach dem Zusammennähen merkt, daß
die Sache zu kurz geworden ist.
Sodann nimmt man sich die Sohlen vor und zeichnet auf der Fleischseite
(d.h. auf der späteren Innenseite des Schuhs) rundrum eine
Linie mit ca. 6-8 mm Abstand zum Rand an. Auf dieser Linie
werden jetzt die Nahtlöcher mit der angewinkelten Ahle vorgelocht.
Die Löcher beginnen auf der Linie und enden auf der Kante
etwa 2/3 der Lederstärke unterhalb der Fleischseite (siehe
Grafik 4). Die Löcher sollten etwa 7 mm auseinander
liegen, dies ergibt rund 4 Stiche auf 2 cm, was a) authentisch,
b) so eng ist, daß der Schuh nach dem Vernähen die
nötige Stabilität hat und c) andererseits auch so weit
auseinander liegt, daß die Nähte nicht ausreißen.
Am schnellsten geht es, wenn man die Einstichstellen alle mit
einem Stift auf der zuvor angezeichneten Linie rundrum abträgt
und danach komplett rundrum sticht.
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| Jetzt werden Sohle und Oberleder "auf links"
zusammengenäht. Zunächst muß allerdings der Zwirn gewachst werden. Dazu zündet man die Bienenwachskerze an, läßt sie eine Weile brennen und zieht dann ein ausreichend langes Stück Zwirn durch das flüssige Wachs. Als nächstes legt man das Oberleder Spitze auf Spitze an die Sohle und zeichnet die ersten Löcher (etwa 3 in jede Richtung) korrespondierend zu denen in der Sohle an. Die Löcher sollten auf einer Linie etwa soweit unter der angezeichneten Sohlenlinie liegen, wie der Lochausgang der Sohle unter dem Sohlenrand. Jetzt werden die ersten angezeichneten Löcher mit der Ahle durchstochen und mittels Sattlerstich vernäht. Für den Sattlerstich wird an jedem Ende des Fadens eine Nadel befestigt. Dann werden an einer Stelle Sohle und Oberleder durch die vorgestochenen Löcher durchstochen und der Faden bis zur Hälfte seiner Länge durchgezogen. Dann wird der Faden über kreuz durch die |
![]() Grafik 5: Sattlerstich |
![]() Bild 2: Annähen des Oberleders |
einzelnen Löcher gezogen (vgl. Grafik 5 u. Bild 2), der
Faden muß dabei immer stramm festgezogen werden. Ist man
beim letzten vorgestochenen Loch im Oberleder angekommen, so werden
die nächsten 4-6 Löcher angezeichnet und vorgestochen.
Dann wieder vernähen usw., bis man sich zum Ende des Oberleders
vorgearbeitet hat. Dort werden die beiden Enden des Fadens verknotet
und man beginnt wie gehabt von der Mitte in die andere Richtung. Um im Fersenbereich ein "auslatschen" des Schuhs zu verhindern, näht man dort eine Fersenverstärkung mit ein. Diese besteht aus einem dreieckigen Stück aus dem gleichen Material wie das Oberleder, die einfach im Fersenbereich mit dem Oberleder zusammen an die Sohle angenäht wird (vgl. Bild 3). Ist man auch in der anderen Richtung am Ende des Oberleders angekommen, wird die Stoßkante so zugeschnitten, daß beide Lederstreifen bündig voreinander stehen.
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Um den Schuh an dieser Stelle noch zu stabilisieren, nähe
ich noch ein paar Stiche über die Stoßkante drüber.
Die Stoßkante selbst wird erst nach dem Wenden vernäht. Jetzt icht auch der Zeitpunkt gekommen, um den entgültigen Verlauf der Oberkante festzulegen. Dazu wird wieder mit der oben beschriebenen "Klötzchen-Methode" gearbeitet. Die Kuhmaulschuhe des 16. Jhdts waren, wenn man den einschlägigen Holzstichen folgt, i.ü. an den Seiten eher niedrig und an der Verse wieder etwas höher geschnitten. Nun wird der Schuh erst einmal ausgiebig gewässert. Eine halbe Stunde in KALTEM (auf keinem Fall heißes Wasser, da das Leder sonst schrumpft) Wasser ist Minimum. Dies ist aus zweierlei Gründen notwendig: Erstens macht es das Leder weicher und ermöglicht so, den Schuh zu wenden und zweitens kann das nasse Leder mithilfe eines Schuhspanners in Form gebracht werden.
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![]() Bild 3: Fersenverstärkung |
![]() Grafik 6: Stoßnaht |
Ist der Schuh so richtig schön durchfeuchtet,
wird er auf links gezogen. Hierzu ist ggfls etwas Kraftaufwand nötig.
Die beiden Kuhmaulecken werden am besten mit einem abgerundeten
Kochlöffelstiel o.Ä. ganz durchgedrückt. So, nun
muß der kalte, feuchte Schuh zum ersten Mal angezogen werden
(Muahaha !!). Unnötig zu sagen, daß Socken ggfls. vorher
ausgezogen werden sollten. Ist der Fuß drinnen wird der Schuh
(insbesondere die Schuhspitze in die entgültige Form gebracht
werden. Ich habe bei meinen Kuhmaulschuhen die Ecken etwas runtergedrückt
(siehe Bild am Ende), so daß der Fuß im Vorderteil mehr
Halt hat. Wer will kann die Schuhe vorne jedoch auch insgesamt relativ
steil ansteigen lassen. In diesem Falle würde ich aber später
von innen Lederpolster in die Ecken setzen, damit der Fuß
vorne nicht hin und her rutscht. Ist die gewünschte Form gegeben, wird der Schuh auf einen Schuhspanner gespannt und für ca. 15 bis 20 Minuten im Backofen bei 50 Grad getrocknet. Länger sollte der Suh nicht im Rohr bleiben, da er sonst härter und damit unbequemer wird. Die kurze Zeit reicht auch vollkommen |
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aus, damit der Schuh die Form behält. Der Rest kann dann
über Nacht auf der Heizung trocknen (Zeitungen einlegen,
um Wasserflecken zu vermeiden).
Ist der Schuh trocken, kann man sich der Stoßnaht zuwenden:
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![]() Bild 4: Riemenbefestigung von außen ... |
Da die Kuhmaulschuhe nur an den Zehen und an der Ferse halt bieten,
sitzen sie extrem locker am Fuß sitzen (man fragt sich,
wie die Landsknechte, die mit Schuhen ohne Riemen auf Holzschnitten
abgebildet sind, gekämpft haben), ist das Einsetzen eines
Riemens, welcher über den Spann führt, sehr empfehlenswert.
Dazu schneidet man sich zunächst vier Riemchen aus dem Material
des Oberleders. Diese sollten 16 mm breit sein. Zwei der
Riemchen sollten eine Länge von ca. 8 cm (die kurzen
Stücke) haben, die anderen beiden sollten so lang sein, daß
sie bequem von Sohlenhöhe zu Sohlenhöhe über den
Spann passen abzüglich 2 cm.
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Als nächstes schneidet man in das Oberleder des Schuhs an
jeder Seite des Spanns jeweils einen Schlitz, durch die die korrespondierenden
Riemen in den Schuh gesteckt werden (siehe Bild 4 und 5). Innen
werden die Riemen mit einem Applikationsstich (siehe Grafik 8)
auf (bzw. unter) das Oberleder genäht. Um den Schuh oberhalb der Ferse zu verengen und so dem Fuß mehr Halt zu geben, sollte der Schuh in der Mitte der Ferse an der Oberkante keilförmig eingeschnitten und die Ausschnittkanten dann wieder mit einer Stoßnaht (siehe Grafik 6) vernäht werden. Der Ausschnitt sollte allerdings nicht zu breit sein, da ansonsten der Schuh nichtmehr paßt. 1 - 1,5 cm an der breitesten Stelle reichen vollkommen aus. Es empfiehlt sich i.ü. denn Einschnitt an der Oberkante wieder etwas zu verjüngen, da auf diese Weise die Oberkante des Oberleders im Fersenbereich etwas vom Fuß weg gewölbt wird und so ein potentielles Scheuern vermieden wird.
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![]() Bild 5: ... und von innen |
![]() Grafik 7: Ferseneinschnitt |
Damit das Oberleder im Fersenbereich bei häufigem
An- und Ausziehen nicht heruntergetreten wird und um der Ferse mehr
halt zu geben, kann man in diesem Bereich auch noch eine weitere
Verstärkung einbauen (siehe Bild 6). Dazu schneidet man einfach aus dem Material des Oberleders ein Quadrat aus, welches "übers Eck" gefaltet und dann einfach über die Oberkante der Ferse gestülpt und dort durch das Oberleder festgenäht. |
![]() Grafik 8: Vernähen der Riemen |
![]() Bild 6: Fersenrandverstärkung |
Schließlich sollte unter die Sohle noch eine weitere, stabilere
und steifere Sohle angebracht werden. Hierzu schneidet man einfach
ein passendes Stück starkes Sohlenleder aus (ordentlich Überstand
lassen) und streicht es sowie die Innensohle mit Lederkleber (z.B.
Kövulfix) ein. Ist der Kleber angetrocknet wird die Außensohle
auf die Innensohle fest aufgedrückt. Dabei kommt es nicht
auf die Dauer sondern auf den Anpreßdruck an, weshalb man
die Sohle am besten auf einem eisernen Schusteramboß (gibts
für kleines Geld im Baumarkt) ordentlich aufhämmert.(ganz
besonders auf die Ränder und Ecken achten). Die überstehenden Kanten der Außensohle werden dann mit einem Cutter abgeschnitten. Die Feinarbeit erledigt man mit dem Schleifaufsatz der Bohrmaschine.
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Schließlich können die Schuhe noch eingefärbt
werden. Hierzu verwendet man am besten Lederbeize, die auf das
angefeuchtete Leder aufgepinselt wird und wirklich prima einzieht. Als letztes sollte die Sohle mit Leinölfirniß eingestrichen werden. Für das Oberleder kann man entweder Bienenöl (wenn man es noch irgendwo kriegt) oder ein ordentliches Lederfett (z.B. das gute BW-Fett) verwenden. So, nun habt Ihr ein paar (fast) authentische Kuhmaulschuhe, die nicht mehr als 50 Euro gekostet haben.
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