Minnekunst und Bardensang
Die Legende von der Wasserfrau
Der Herr Tilman und der Eber
Von einem Landsknecht, der daneben schoß
Ein Oschenheimer Landsknecht redet drei Worte mit seinem Hauptmann
Drei Oschenheimer Landsknechte beten mit einem Mönch um Geld
Bozephalus will einen Oschenheimer Landsknecht holen lassen
Die Legende von der Wasserfrau
Man erzählt sich das damals im Jahre 520, als der Weiersbach über die Ufer trat, ein Bauer
der gerade dabei war sein kleines Feld vor den Toren Oschenheims zu bestellen plötzlich von der
aufkommenden Flut überrascht wurde. Er konnte sich selbst retten, doch mußte mit ansehen
wie sein kleines Feld von Steckrüben, das sein einziges Lebensauskommen war, von den Fluten überschwemmt
wurde. Er weinte bitterliche Tränen, da er nun vor dem Aus stand. Als er so da saß und über
den Verlust seines Feldes trauerte, sah er eine wunderschöne Frau mitten aus den Fluten aufsteigen.
Ihr Haar war wasserblau und ihre Haut alabasterweis. Um ihre Schultern schlang sich Tang wie Geschmeide
und ihre Haut glänzte wässern in der Sonne. Sie sah den Bauern in seinen zerschlissenen
Beinkleidern und seinem schmutzigen Hemd, wie er dasaß und trauerte. Der Bauer erschrak über
ihren Anblick und wollt schon die Flucht ergreifen, als sie mit ihrer glockenhellen Stimme fragte:
"Mensch warum trauerst Du?",
"Na sieh doch, der Weiersbach ist über die Ufer getreten und hat mein Feld weggeschwemmt. Wie soll
ich nun meine Familie ernähren?",
"Ich bin über die Ufer getreten weil ihr zu nahe an ihm gebaut habt. Die Wassergeister konnten nicht
mehr schlafen und der große Vater befahl mir über die Ufer zu treten.",
"Aber wir wußten doch nicht das wir Euch stören und was hab ich damit zu tun?",
"Nun das mag sein, und dein Schicksal rührt mich. Geh zu Deinem Herrn und sag ihm er soll die Stadt
weiter vom Ufer weg bauen, dann will ich nicht mehr über die Ufer treten."
Sagte es und verschwand.
Nun saß der arme Bauer da. Wie sollte er den dem Herrn von der Oschenfurth sagen er solle die Stadt
verlegen. Und als er noch so da saß und überlegte, ertönte ein Horn und er sah wie der
Herr Tilman von der Oschenfurth und sein Gefolge angeritten kam. Er stand auf und verbeugte sich tief
vor seinem Herrn. Tilman zügelte sein Pferd und sah auf den Bauer herunter.
"Guten Morgen guter Mann. Ist auch Euer Feld der Überschwemmung zum Opfer gefallen?",
"Ja mein Herr das ist es, doch ich weiß auch warum.",
"So weißt Du das?",
"Ja mein Herr die Wasserfrau sagte es mir.",
"Die Wasserfrau?",
"Ja Herr. Sie kam aus den Fluten, grad als ich hier saß und meinen Verlust beweinte. Und sie sagte
wir sollten die Stadt nach hinten verlegen und der Fluß würde nie mehr über die Ufer treten."
Nun war der Herr Tilman ein sehr kluger Mann und er glaubte an die alten Geschichten und Legenden über
die Wassergeister und die alten Naturgötter und so befahl er die Verlegung der Stadtgrenzen. Nachdem
dies geschehen war und der Bauer wieder am Fluß stand und so auf das Wasser hinaus sah, da tauchte
wieder die Wasserfrau auf und hatte einen Beutel in der Hand.
"Du hast getan was ich sagte und so will ich Dich belohnen. Dieser Beutel Gold soll Dir gehören."
Und so war der Bauer und seine Familie gerettet und der Weiersbach trat nie wieder über die Ufer.
Der Herr Tilman und der Eber
Einst wütete ein gar riesiger Eber in einem Wald nah bei Uffenheim. Er tötete so manchen Bauern
und verwüstete so manches Feld. So machte sich der Herr Tilman auf den Eber zu töten. Er kam,
nur bewaffnet mit seinem Schwert, in den Wald in dem der Eber hausen sollte. Doch als er da so ging
schlossen sich plötzlich die Bäume hinter ihm und er ward gefangen in dem dunklen Hain. Der
Herr Tilman jedoch ging weiter, fest entschlossen sein Land von diesem Monster zu befreien. Er drang immer
tiefer in den Wald und plötzlich schlangen sich die Efeuranken und Wurzeln um seine Füße
und er stürzte. Als er aufschaute sah einen alten Mann auf einem Baumstumpf sitzen der ihn anblickte.
"Was machst Du hier Mensch mit deinem Schwert in meinem Wald?",
"Ich bin auf der Suche nach einem Eber, der mein Land verwüstet und meine Bauern tötet.",
"So und was willst Du tun wenn Du ihn gefunden hast?",
"Ihn töten werde ich.",
"Ha! Du kleiner Mensch willst den großen Eber töten? Was aber wenn Du dabei selbst ums Leben
kommst?",
"Das ist mir egal, wenn ich so mein Volk retten kann und mein Land von diesem Unheil befreien kann dann
war es den Preis wert."
Davon war der alte Mann so gerührt das er dem guten Herrn Tilman einen Jagdspieß gab mit dem
er den Eber töten konnte. Und so geschah es das der gute Herr Tilman den bösen Eber bezwang
und den Spieß kann man heut noch im Gut derer von Oschenfurth besichtigen.
Von einem Landsknecht, der daneben schoß
Auf ihrem Weg nach Dietz kam das Oschenheimer Landsknechtsfähnlein
auch durch Nimrod, und bei dem Dorf wollten die Hauptleute nach ihrer
Gewohnheit die Schützen um ein Wenzinger Markstück schießen
lassen. Sie machten darum an einem Scheunentor mit Kreide einen
Kreis. Nun waren die Schützen nicht alle gleich gut, wie sich denken
läßt; vor allem ein junger, starker und wohlgeputzter Knecht, der
eigentlich ein Schneider war, ließ sich übel an - übler als alle
die andern in dem Haufen, denn er verfehlte nicht nur die Tür oder den
Kreis daran, sondern auch die ganze Scheune schier um eines Schrittes
Breite. Darüber ward der Hauptmann zornig und sprach zu dem Schreiber,
der eines jeden Treffer vermerkte: "Streich den Hudler ganz aus!" Der
Knecht aber erwischte die Hand des Schreibers und sagte: "Nichts wird
ausgestrichen!" Sprach der Hauptmann: "Was soll man denn mit dir
Bengel machen? Wie willst du einen Menschen treffen, wenn dir die
große Scheune noch zu klein ist?"
"Wohlan", sagte der Landsknecht, "dem ist so: Die andern haben alle
auf dieselbe Stelle geschossen und hätten nur die getroffen, die durch
die Tür gekommen wären. Nun ist's aber unmöglich, daß sie alle am
gleichen Ort angreifen, und was sich da hintenherum gezeigt hätte, das
hätte ich getroffen." Da lachte der Hauptmann und ließ ihn bleiben.
Ein Oschenheimer Landsknecht redet drei Worte mit seinem Hauptmann
Ein einfacher Oschenheimer Landsknecht litt großen Hunger, wiewohl
Proviant genug im Lager war, denn er hatte kein Geld, um sich etwas zu
kaufen. So trieb ihn die Not dazu, daß er vor den Hauptmann zu kommen
begehrte, in der Hoffnung, er würde ihm etwas vorschießen. Es hatte
aber der Hauptmann etliche vornehme Leute zu Gast geladen, weshalb die
Trabanten ihn nicht vorlassen wollten. Als er nun ohne Unterlaß bat,
man sollte ihn doch vor den Hauptmann lassen, er hätte nicht mehr als
drei Worte mit ihm zu reden, war da auch ein nasser Bruder unter den
Trabanten, den es wunderte, was er mit drei Worten ausrichten wollte,
und sagte dem Hauptmann schließlich, wie die Rede sich zugetragen
hatte. Der Hauptmann mitsamt seinen Gästen, die auch wohl bezecht
waren, sprachen: "Laß ihn herein, und redet er mehr als drei Worte, so
wollen wir ihn in Eisen schlagen lassen!" Also ward er in den Saal vor
den Hauptmann gelassen, der ihn fragte: "Was begehst du, das du mit
drei Worten ausrichten willst ?" Antwortete der Oschenheimer
Landsknecht: "Geld oder Abschied!" Da lachten der Hauptmann und alle
seine Gäste, und der Hauptmann schoß ihm einen Monat Sold vor bis zum
Zahltag.
Drei Oschenheimer Landsknechte beten mit einem Mönch um Geld
In einem kalten Winter hat es sich begeben, daß drei fromme
Oschenheimer Landsknechte wenig oder gar keine Zehrung hatten und mit
schlechten Kleidern übers Feld zogen, einen Herrn zu suchen. Da ist
ihnen hoch zu Roß der Schaffner oder Kellerer eines reichen
Hilariusitenklosters begegnet; der hatte auf seinem Pferd am
Sattelbogen einen Sack hängen, worin er etliches Geld, wohl
vierhundert Wenzinger Markstücke, führte. Die guten Brüder haben ihn
um des Eynen und aller guten Gesellen willen um eine Zehrung
angesprochen, damit sie weiterkämen. Der Schaffner hat ihnen
geantwortet, er habe bei seinem Eid kein Geld und führe nur Briefe in
dem Sack. Da ist ihm der eine Knecht in den Zaum gefallen, die anderen
zwei haben ihn vom Pferd geholt, das Pferd an einen Baum gebunden und
gesagt: "Dieweil uns der Eyne also zusammengeführt hat, daß wir alle
vier kein Geld haben, so wollen wir niederknien und den Eynen bitten,
daß er uns eine Zehrung beschert." Also hat sich der Schaffner
zwischen sie gekniet. Als sie ein kurzes Gebet gesprochen hatten, sind
sie aufgestanden, haben den Sack vom Sattelbogen genommen und
hineingeschaut. Da haben sie vierhundert Mark in dem Sack
gefunden. Der gute Schaffner hat sich sehr beklagt. Er wollte ihnen
ein Trinkgeld geben und sagte, er habe das Geld schon vorher im Sack
gehabt, aber die guten Brüder haben es nicht glauben wollen und
sprachen zu ihm: "Nein, du Schalk, du willst uns um das Geld
bescheißen!" Sie haben das Geld gezählt, da waren es vierhundert
Mark. Also haben sie ihm seinen Teil, nämlich hundert Mark, gegeben,
haben die dreihundert Mark behalten und dem Eynen für die Gabe
gedankt.
Bozephalus will einen Oschenheimer Landsknecht holen lassen
Ein so seltsames Tier ist der Oschenheimer Landsknecht, daß ihm auch der
Bozephalus nicht abgewinnen kann, sondern ihn fürchten muß. Davon hört eine
Historie! Zu einer Zeit schickte der Bozephalus einen Diener aus, der
sollte sehen, wo doch die Oschenheimer Landsknechte wären, da keiner mehr
zu ihm kam, und sollte schauen, daß er einen mitbringe. Der Diener zog aus
und kam in eines Hahns Gestalt in den "Roten Stier", wo er sich hinter den
Ofen setzte und den Landsknechten zusah, wie sie zechten. Als nun die
Landsknechte voll waren, fingen sie an, Kannen und Gläser zu zerschlagen und
alles zu verwüsten was auf dem Tisch stand, und vollführten solch einen
Rumor, daß sich der Hexer hinter dem Ofen fürchtete. Letztlich fing einer
hinter dem Tisch an: "Potz tausend Sack voll Enten! Wohlauf wir wollen den
Hahn hinter dem Ofen rupfen, die Federn an die Hüte stecken und danach den
Hahn fressen!" Als das der Hexer hörte, fuhr er zur Stube hinaus, lief dem
Bozephalus zu und zeigte seinem Meister an, daß kein böseres Tier auf Erden
sei als der Oschenheimer Landsknecht. Wenn danach ein Oschenheimer
Landsknecht zur Hölle kam, schloß man alle Türen und Tore vor ihm
zu; er hätte sonst alle Hexer und Daemonen verjagt.
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