Legenden von regionalen HeiligenNeben dem Heiligen Ceridon, dem heiligen Hilarius und dessen sechs Jüngern kennt die Ceridische Kirche noch ungezählte Heilige von geringerer Bedeutung. Auch die Oschenheimer verehren einige regionale Persönlichkeiten, die sich um das Ceridentum verdient gemacht haben. |
Die Legende vom heiligen SwidbertSwidberts Aufbruch Es war zu der Zeit, als wir noch dem Wenziger Könige die Gefolgschaft schuldeten und obendrein nach der alten Manier dem Eynen huldigten und nach den Lehren Ceridons und aller Propheten lebten, mit Ausnahme des Letzten. In jenen Tagen lebte in einer Klause im Walde hinter Tondorf nach der Habichtklamm hin ein frommer Klausner mit Namen Swidbert. Der hatte den weltlichen Dingen entsagt und lebte allein im Walde von den Beeren und Pilzen und dem, was ihm die frommen Pilger brachten, die auf dem Wege nach Friedland zum heiligen Berge die Habichtklamm durchschreiten wollten. An jenem Tage, von dem ich berichten will, wachte der Klausner Swidbert vom Schrei eines wilden Hahnes auf.. Als er sich noch den Schlaf aus den Augen rieb, vermeinte er eine Stimme zu hören, die ih rief: "Swidbert, wach auf! Du mußt nach Tondorf gehen." Verwundert blickte er sich um, doch da war nur der Hahn, der vor seinem Fensterstein auf und ab stolzierte. Als Swidbert sich angekleidet hatte, und sein kärgliches Klausnerfrühstück aß, gewahrte er das Hämmern eines Spechts, der an seinen Türpfosten nach Art der Spechte klopfte. Wieder hörte er eine Stimme rufen "Säume nicht, Swidbert, gehorche und brich auf!" Verwundert blickte er umher, doch da war niemand als der Specht, der auch alsbald entfleuchte, als Swidbert sein Mahl beendete. Swidbert gab nichts darum und meinte, ihm sei das lange Klausnerleben zu Kopfe gestiegen und er beschloss, noch eifriger und länger zum Einen zu beten, nach der Weise und mit Beistand aller Propheten, die man zu der Zeit in Oschenheim kannte. Als Swidbert vor seine Hütte trat, gewahrte er einen edlen Kranich, der unverwandt auf der Lichtung vor der Klause stand und abermals vermeinte er eine Stimme zu hören, die ihn mahnte: "Eile, Swidbert, nach Tondorf!" So sprach Swidbert zu sich: "wohlan, man kann nie wissen, was die Zeichen bedeuten, was mag es schaden, wenn ich ein Stück weit auf der Straße nach Tondorf gehe?". Und so kam es, daß Swidbert gen Tondorf wanderte. Als er ein Stück weit gekommen war, kam er an einen Rosenstrauch und abermals meinte er eine Stimme zu hören, die ihn zur Eile gemahnte. Da besah er sich den Rosenbusch genau und erkannte, daß in dessen Zweigen eine weiße Taube saß und ihn anblickte, als wolle sie ihn antreiben. Noch zwei weitere Male wiederfuhr im Gleiches, und er gewahrte beide Male niemanden, der zu ihm hätte sprechen können, sondern nur eine Eule zum einen Male und einen Adler zum Anderen. Swidbert beobachtet die Vögel Als nun Swidbert aus dem Wald diesseits der Habichtklamm auf das Feld kam und schon die Dächer von Tondorf sehen konnte, erblickte er auf dem Felde einen Wanderfalken mit gebrochenem Flügel, der mühsam versuchte, sich in die Luft zu erheben. Wie der wunde Vogel noch sich mühte, stießen aus der Luft drei Bussarde hernieder und mit ihnen drei Geier und auch noch drei Elstern. Doch als sich die grimmigen Vögel auf den Falken stürzen wollten, hörte Swidbert abermals den Schrei des Hahns und der Adler warf sich zwischen die Elstern und Geier und hielt sie von dem Falken fern. Da merkte Swidbert, daß auch Taube, Kranich, Specht und Eule ihm gefolgt waren und sich nun anschickten, den wehrlosen Falken vor dem Gesindel zu bewahren. Nun sind dies keine Tiere, die so wehrhaft wären, daß sie gegen einen Bussard viel vermöchten, doch waren sie darob nicht weniger mutig, zwischen den Angreifern und ihrer Beute einherzuflattern, um sie von ihrem Opfer abzubringen, während der Adler einen der Räuber nach dem Anderen besiegte und verjagte. Vor allem der Specht lockte ein ums andere Mal einen Bussard oder Geier aus dem Getümmel, wo sich dem Adler dann Gelegenheit bot, den Strolch mit seinen Krallen zu züchtigen. Als der Adler alle bis auf den letzten Bussard in die Flucht schlug, stürzte sich jener, wie er Gelegenheit bekam, hinterrücks auf den Kranich zu und es wäre diesem wohl schlecht ergangen, wenn nicht der Hahn sich in den Weg geworfen und den Angriff mit seinem Sporn und Schnabel abgewehrt hätte. Als die hinterhältigen Angreifer allesamt in die Flucht geschlagen worden waren, Nahm der Adler den flügellahmen Wanderfalken behutsam in seine Klauen und sie alle flogen von dannen. All das sah Swidbert mit Verwunderung an und er sprach zu sich. "Noch nie sah ich eine so merkwürdige Kameradschaft von Federvieh. Was mir dieses Bildnis wohl bedeuten mag." Doch er konnte sich keinen Reim darauf machen. Swidbert rettet den Pilger Als Swidbert noch auf der Landstraße stand und über sein Erlebnis nachsann, erhob sich von Tondorf her ein lautes Geschrei und Getöse. Und als er sich's näher besah, merkte er, wie die Bürger von Tondorf unter lautem Gejohle einen Mann vor das Dorf trieben, der das einfache Gewand eines Pilgersmannes trug. Sie schimpften ihn einen Frevler und Ketzer und sie schlugen ihn mit seinem eigenen Pilgerstab und traten ihn, bis ihm die Sinne schwanden und er im Staube liegen blieb. "Was schlagt Ihr einen Pilger? Was hat der Mann euch nur getan?" fragte Swidbert die Meute. "Scher Dich um dein eigenes Los, Einsiedler", sprach der Rädelsführer, "sonst soll es Dir wie diesem gehen, der wider den Eynen und die Propheten gelästert hat und frevlerische Reden führte." und sie kehrten in ihr Dorf zurück und ließen den Pilger im Staube liegen. "Was er auch für Reden geführt haben mag, es ist allemal nicht Recht, ihn ohne Besinnung und blutend im Staub liegen zu lassen," dachte sich Swidbert, "ich will ihn in meine Klause mitnehmen und ihn pflegen, bis er seine Pilgerreise aus eigener Kraft fortsetzen kann." Und so nahm Swidbert den Besinnungslosen auf und trug ihn unter großen Mühen zu seiner Klause. Als er mit seiner Last endlich in seiner Hütte im Walde ankam, legte er den immer noch Besinnungslosen auf sein Bett, salbte und verband seine Wunden und flößte ihm Quellwasser und Grütze von wildem Getreide ein, bis er wieder zu sich kam. Da dankte ihm jener für seine Barmherzigkeit und sprach "Ich komme aus Friedland und heiße Pretorius." Swidbert wird bekehrt und schwört, Oschenheim zu Missionieren Als Swidbert ihn fragte, wie er die Bürger von Tondorf so gegen sich aufgebracht hatte, sprach Pretorius: "Ich will Dir von Hilarius erzählen, meinem Lehrer, der ein Prophet des Eynen war." Und Pretorius berichtete von Hilarius und seinen Taten und Lehren, von dem Prozeß des Cadorus und den sieben Manifesten. Von den sieben Tugenden und den neun Versuchungen sprach er und vom Wirken seiner fünf Gefährten, den Jüngern des Hilarius. Und Swidbert erkannte, was den Leuten von Tondorf verborgen blieb. Und Swidbert pflegte ihn weiter, und gab ihm von seiner kärglichen Klausnerspeise stets zuerst zu essen, bis Pretorius satt war und erst dann nahm er sich selbst, was übrig war. So lebten sie sieben Wochen zusammen in der Klause und Pretorius lehrte Swidbert viel über den wahren Glauben. Und als die Zeit vorüber war und Pretorius endlich wieder stark genug für die Pilgerstraße war, sprach Swidbert: "Kehre nun heim nach Friedland, und ich will Dir nachfolgen, bis ich den heiligen Berg und die Stätten und Zeugnisse des Wirkens Deines Meisters Hilarius mit eigenen Augen gesehen habe und wenn dies vollbracht ist, magst Du weiter durch Friedland und Lyrien wandern oder zu den Welschen ziehen und sehen, ob Du ihnen nicht ihren Drachengötzen ausreden kannst. Sorge Dich nicht um Oschenheim, denn ich will nicht eher ruhen und der Eyne möge mich nicht vor die Waage rufen, bevor ich nicht mein schönes Oschenheim und soviel von Wenzingen, als ich vermag, von der Wahrhaftigkeit des Propheten Hilarius überzeugt habe und dort alle aufrechten Ceriden nach den sieben Manifesten leben. So will ich denn das vierte Manifest erfüllen. Das schwöre ich, bei der Erleuchtung des Hilarius. Denn der Eine weilet unter uns." Und der heilige Pretorius sprach: "Zu allen Zeiten." Swidbert predigt den Tondorfern Als Swidbert nach seiner Reise zum heiligen Berge wieder nach Oschenheim zurückkehrte, kam er zunächst nach Tondorf, wo er den Heiligen Pretorius getroffen hatte und sagte zu sich "So will ich denn versuchen, den Menschen von Tondorf das Wort des Heiligen Hilarius zu predigen."Und so stellte sich Swidbert auf den Markt von Tondorf und sprach den ganzen Tag bis zum Abend über Hilarius und die Manifeste. Und manch ein Tondorfer lachte über ihn und manch einer hörte ihm zu. Doch der Pfarrer lief zum Büttel und gemeinsam kamen sie am Abend in Swidberts Herberge und hießen ihn einen Ketzer und Frevler und befahlen ihm, seine Reden zu unterlassen und sich von Tondorf hinfort zu machen. Doch Swidbert ließ sich nicht beirren und trat am nächsten Tag wieder auf den Marktplatz und predigte den Tondorfern. Da schlug ihn der Büttel in Eisen und warf ihn in eine kalte Zelle und Swidbert lag dort neun Tage und neun Nächte bei wenig Wasser und Brot. Doch am siebten Tag erschien ein Falke am Gitter des Zellenfensters und sprach: "Fasse Mut, mein Bruder! Du weißt ja, dass ich eine ganz vorzügliche Liebe zu dir trage. Fürchte dich nicht, ich werde dir beistehen. Jetzt übt die Natur ihre Rechte über dich aus, damit du dich in deiner Schwäche demütigst. Dann aber, wenn es zum Kampfe kommt, wird dir die Gnade Kraft geben, und der Eyne wird dir zu Hilfe kommen. Ich werde dich ganz besonders seiner Sorgfalt empfehlen als mein vielgeliebter Bruder, den ich vor allen anderen liebe." Und am zehnten Tag kam der Pfarrer von Tondorf und fragte Swidbert, ob er seine frevlerischen Reden widerrufen wolle. Doch Swidbert gab ihm nur zur Antwort: "Ich habe geschworen, nicht zu ruhen oder vor die Seelenwaage zu treten, solange nicht alle aufrechten Ceriden in Oschenheim nach den sieben Manifesten leben. So will ich das vierte Manifest erfüllen." Da schlug der Pfarrer die Türe zu und Swidbert lag sieben Tage und sieben Nächte ohne jede Speise und ohne jeden Trunk in der kalten und nassen Zelle. Und in der siebten Nacht kamen der Büttel und der Pfarrer um Swidberts Leichnam zu holen, da sie dachten, daß er nach all der Zeit der Entbehrung in der kargen Zelle sicherlich verdurstet sein müsse. Doch Swidbert war nicht tot. Da sprach der Pfarrer: "Wahrlich, Du bist vom Eynen gesegnet, der Deinen Schwur gehört haben muß, denn sonst wärest Du sicherlich hier verdurstet. Das nehme ich als Zeichen der Wahrhaftigkeit Deiner Reden. Ich bin nicht wert, länger Pfarrer dieser Gemeinde zu sein. Nimm Du dieses Amt an." Und Swidbert sprach: "Gehe Du und pilgere zum heiligen Berge und handle nach den Manifesten bis dass Deine Schuld gesühnt ist und kehre dann hierher zurück. Und ich will nur so lange Pfarrer hier in Tondorf sein, bis Du zurückkehrst, denn ich habe noch an anderen Orten zu predigen." Und als Swidbert sieben Monate Pfarrer in Tondorf gewesen war, kehrte der alte Pfarrer aus Friedland zurück und Swidbert zog weiter. Tondorf aber war die erste Gemeinde in Oschenheim, in der man nach Hilarii Lehren lebte. Swidbert kommt nach Diez Auf seinen Reisen zog der heilige Swidbert auch durch Diez, das damals noch nicht zu Oschenheim gehörte. Wie Swidbert sich nun aber den Diezer Toren näherte, hatten die Diezer Leute schon von dem Reisenden gehört, der Hilarii Wort verkündete und weil nur wenige von ihnen auch nur den Lehren Ceridons und der alten Propheten folgten und viele unter ihnen waren, die noch dem Zei-Glauben anhingen, schlugen sie ihm kurzerhand das Stadttor von Diez so fest vor der Nase zu, daß es ihm vor die Stirn schlug. Swidbert erzürnte und predigte ihnen mit lauter Stimme. Und obgleich er vor den Toren stand und sprach, konnten doch alle Männer, Frauen und Kinder von Diez hören, wie er ihnen von den Manifesten und den Taten der Heiligen berichtete. Doch sie waren verstockt und öffneten ihm nicht das Tor. Und so zog er von dannen, nachdem er Ihnen gepredigt hatte und nur wenige in Diez nahmen die Saat seiner Worte auf. Doch seitdem sagt man den Diezern nach, daß sie mit einer flachen Stirn zur Welt kommen, womit der Eyne sie an das siebte Manifest gemahnt. |
Die Legende vom Heilige MaternusSo will ich nun niederschreiben, ob meines eigenen Ohres vernommen, jene Geschichten die uns seit alters her bekannt sind, über den Heiligen Maternus. Den die Taten der Heiligen zu sammeln und für die Nachwelt in gelehrter Form niederzuschreiben, auf dass jene durch sie teilhaftig werden an der Weisheit des Eynen, denn ist der einzig und wahre Gott, ist würdig und recht und einzig und wahr. So sind jene Geschichten niedergeschrieben im siebenten Jahre unseres Daseins als würdige Abtei des wahren und rechten Glaubens im dreiunddreißigsten Jahre nach der Erleuchtung des Hilarius. Denn welch Jahr kann würdiger und rechter sein zur Niederlegung jener Wahrheiten, welche uns über den Heiligen Maternus bekannt sind, als jenes siebente Jahr wo doch jeder der des wahren und einzigen Glaubens teilhaftig ist, erkennen muss welch heilige Zahl die Sieben doch ist. Sind doch sieben der Manifeste uns eigen und teilhaftig und sieben die Zahl der höchsten Heiligen. So kann kein anderes Jahr als dieses, dass einzig und rechte sein um jene Tat zu vollbringen und so wollen wir zum Lobe des Eynen und zur Andacht an den Heiligen Maternus am siebenten Tage, des siebenten Monats im siebenten Jahr unseres Daseins mit diesem Werk beginnen. Appolonius Der Eyne weylet unter uns! Von der Herkunft des Heiligen Maternus, welcher war schlicht von Stand und Statur, erlernte in der Stadt am Fuße des Berges, welcher uns bekant ist unter dem Namen Königskrone, das Handwerk des Schneiders. Sein Vater, welcher genannt ward Heinrich, war ein Meister dieses Könnens und seine Mutter, welche genannt war Hanna, war eine Frau von großer Güte und Sanftheit. Maternus ward ihnen geboren in der Blüte ihres Lebens und wuchs auf in trauter Einheit und im wahren Glauben an den Eynen. Den er ist der einzig und wahre Gott. Seine Eltern, welche waren fürchtige Leute vor dem Eynen und teilhaftig der Manifeste, erzogen ihn als einen rechten Ceriden und als die Zeit gekommen war, da Maternus das Alter eines Mannes erreicht hatte und sich entscheiden sollte, welches dem Eynen gefällige Handwerk er erlernen möge, so entschied er aus ganzen Stücken und frohem Herzen, seinem Vater zu folgen und sein Lehrling zu werden. So siehe mit welcher Freude er schon in diesen Jahren den Manifesten folgte, denn stehet nicht geschrieben im sechsten Manifeste des einzig und wahren Glaubens: "Gehorche Deinem Oberen wie Du dem Eynen gehorchen musst, denn Er ist der Herr der Herren" und so gehorchte er seinem Vater wie er dem Eynen gehorchte und erwies sich als wahrer und treuer Ceride. Wie Maternus den Mantel weggab Zur Zeit als Maternus seine Lehre beendet hatte und unterwegs war als wandernder Geselle der Schneiderszunft, kam er in ein Gebiet, welches stöhnte unter dem Joche eines Adelmannes. Er sah die Bauern gebückt auf dem Felde arbeiten, doch nicht gebückt ob der harten und dem Eynen gefälligen Arbeit, sondern gebückt ob des Joches der Steuern und gebückt ob der Schläge welche der Adelmanne zur Strafe ansetzte. So wanderte Maternus durch jenes Gebiet und ihm wurde schwer ums Herz, ward er doch erzogen im Sinne der Manifeste und hieß es nicht im fünften Manifeste: "Beschütze Deine Begünstigten so wie auch der Eyne Dich beschützet, denn der Starke hat die Pflicht, den Schwachen zu schirmen" Doch sah er hier weder Schutz noch Schirm, sondern nur Ausbeute und ein schweres Joch. So im Gedanken kam er in ein Dorf in dem gerade die Steuern eingetrieben wurden. Bedacht darauf nicht den Zorn des Adelmannes zu erregen verhielt sich Maternus ruhig, denn obwohl groß im Herzen und im Geist, ward er doch schlicht an Statur. Doch der Adelmanne, welcher eine wahre Freud an schönen Kleidern hatte, mit welchen er sich gar prächtig schmückte, erblickte den Schneidergesellen und erkannte an seiner Kleidung und an dem Zeichen seiner Zunft direkt in ihm jenen der er war. Er befahl seinen Soldaten Maternus zu packen und zu sich zu bringen. "Welch Zoll hat er gezahlt um auf unserem Lande zu gehen?", frage der Adelmanne und Maternus erwiderte: "Keinen Zoll Herr, denn ich bin auf Walz und Pilgerfahrt und wandele mit dem Schutze des Eynen." Das entzürnte den Adelmann und er befahl Maternus für ihn einen Mantel zu machen aus feinster Wolle und ihm binne drei Tagesfrist zu liefern, sonst würde es ihm schlecht ergehen. Er sei auf diesem Land der Herr und wenn Maternus auf die Manifeste poche, so solle er ihm gehorchen. So sprach der Adelmanne und ritt fort.Maternus empfing also den Stoff des Adelmannes, welcher von gar wunderbarer Machart ward, aus feinster Wolle gesponnen und in einem dunklen Blau gefärbt, und begab sich an die Arbeit. Während er den Mantel nun schnitt und nähte, ward er untergebracht bei einer braven Bauersfamilie welche ihm Schutz und Schirm bot. So nähte Maternus die drei Tage und Nächte hindurch und als die Frist verstrichen ward, hatte er einen Mantel einem Fürsten würdig genäht. So machte er sich am Morgen auf um den Mantel als Zoll abzugeben. Es war ein kalter Morgen im Januar und es lag Schnee und herrschte eisiger Frost. Auf halben Wege zwischen Dorf und Burg, erblickte er einen halbnackten Bettler am Straßenrand, welcher mitleidsvoll um Almosen bat. Maternus sah ihn und in seinem Herz, welches ward voll Güte und Wärme, entfachte sich die Flamme des Mitleids und er ging auf den Bettler zu. Dieser war gar arm anzusehen und Maternus überlegte welche Gabe er ihm geben könne. Kurzentschlossen hüllte er den Bettler in den wärmenden Umhange des Adelmannes, gab ihm sein halbes Geld und seine Flasche mit gewürztem Wein und machte sich weiter auf den Weg zur Burg. Als der Adelmanne ihn mit leeren Händen sah und hörte was er mit seinem Tuche und Mantel gemacht hatte da entbrannte er vor Zorn, wütete wie ein Riese durch seine Burg, zog sein Schwert und erschlug den braven Maternus Der Eyne aber sah auch diese Tat, so wie er alle Taten sieht und so erschien er Maternus in der Stunde seines Todes und sprach zu ihm: "Höre Maternus ich bin Dein einzig wahrer Gott und ich sah deine Tat welche du treulich meiner Manifeste getan hast und ich sah auch die Tat jenes Adelmannes und werde sie nicht ungesühnt lassen, den ich bin der Richter der Welt." Dies sprach der Eyne und als Maternus starb, stand ein Lächeln auf seinen Lippen. Der Adelmanne jedoch, immer noch trunken von Wut und bar jeden Verstandes, wütete weiter. Und er war so blind vor Wut, ob dieses einen Mantels, das er Weib und Kind erschlug, die herbei geeilt waren um den Grund der Wüterei zu erfahren. Als er endlich zur Besinnung kam und sich kniend im Blute seiner Lieben fand, überkam den Adelmann große Bitterkeit und er schrie und verfluchte den Eynen das er ihn so geblendet hatte. Und auch dies hörte der Eyne und es erzürnte ihn. Mit einem Fingerstreich seiner göttlichen Macht lies er einen Blitz hernieder fahren und die Erde erbeben. Das feste Haus des Adelmannes erzitterte ob der schieren Wut des Eynen und begrub jenen unter sich. Als man begann den Schutt und die Trümmer beiseite zu räumen, und wahrlich dies geschah in Freude ward doch das Joch vom Lande genommen, so fand man auch Maternus. Doch nicht zertrümmert und zerquetscht war der Leib des Heiligen, nein frei von jedwedem Staube lag er gehüllt in ein heiliges Licht inmitten der Trümmer und die Körper des unschuldigen Kindes und des Weibes lagen ebenfalls versehrt von der Wucht der Steine, gleich ob sie schlafen würden und nur die Wunden des Schwertes zeugten, einem Mahnmal gleich, von ihrem Tod. Der Körper des Adelmannes jedoch war zerquetscht und zertrümmert und sein Gesicht ward verbrannt und entstellt. |
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