Helden und Schufte


Schufte ...

Maurice de Busack
In Oschenheim das personifizierte Böse. Wenzinger Adeliger, der im Zuge seiner Revolte gegen den König von Wenzingen im Jahre 997 n.W.Z. (nach Wenzinger Zeitrechnung) Oschenheim annektierte und den gefangenen Markgrafen Johann von der Oschenfurth, den Vater des jetzigen Markgrafen, hinrichten ließ. Der Bruder des jetzigen Markgrafen fiel in dem Befreiungskrieg um Oschenheim. In Oschenheim Stadt setzt de Busack einen zu ihm übergelaufenen oschenheimer Kleinadeligen, Georg von Zinsberg, als Verwalter ein. In der Zeit der busackischen Besetzung erlebte Oschenheim eine Schreckenszeit in der die freiheitsliebenden Oschenheimer wie Sklaven behandelt wurden und willkürliche Morde, Enteignungen und Gewalttaten an der Tagesordnung waren.

Durch die heldenhaften Taten der Oschenheimer Bürgerwehr, die den Kern der späteren Oschenheimer Landsknechte darstellt, wurde im Jahre 998 n.W.Z. zunächst die Stadt Oschenheim und ein Jahr später die gesamte Markgrafschaft befreit. De Busack überlebte und floh in seine Wenzinger Heimat, wo ihm aufgrund der Tatsache, daß er immerhin zum Wenzinger Hochadel gehörte, vom Wenzinger König nicht weiter nachgestellt wurde.

Georg von Zinsberg
Georg von Zinsberg, genannt "Wenzenknecht", wurde 952 n.W.Z. als oschenheimer Kleinadeliger geboren. Im Busackenkrieg schlug er sich auf die Seite Maurice de Busacks und wurde 997 n.W.Z. von diesem nach der Annexion Oschenheims als Verwalter in Oschenheim (Stadt) eingesetzt. Hier führte der hündische Zinsberg ein schreckliches Regiment und setzte die Anordnungen seines Herren de Busack mit enormen Eifer um (jedoch nicht ohne selbst noch ein paar Repressalien hinzu zu erfinden, die insbesondere seinem eigenen Geldbeutel dienlich waren). Unterstützt wurde er hierbei von einer Schar Oschenheimer Beamter, die nicht nach Sinn und Zweck von Befehlen fragten, welche sie auszuführen hatten, solange diese nur von der "Obrigkeit" kamen.

Nachdem die Oschenheimer Bürgerwehr unter Veit Stoßberg die Stadt Oschenheim im Jahre 998 n.W.Z. erstürmt hatte, versuchte Zinsberg zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn Randolf zu fliehen. Dabei wurde er aber von den Landsknechten der Bürgerwehr Stoßbergs ergriffen. Zinsberg, dem der Standesdünkel der bei der Schlacht um Oschenheim (Stadt) "anwesenden" Wenzinger Ritter und Adeliger wohl bekannt war und wußte, daß diese bei Zahlung eines Lösegeldes sein Leben schonen würden, verlangte, diesen überstellt zu werden, da es für ihn, als einem Mann von Stand, unzumutbar sei, von Bürgern und Bauern gefangen gehalten zu werden. Diese Bitte hatte letztendlich seinen Tod zur Folge, seine Frau und sein Sohn wurden jedoch freigelassen.

Randolf von Zinsberg
Sohn Georg von Zinsbergs, geboren 971 n.W.Z. der im Jahre 998 n.W.Z. unter Schimpf und Schande mit seiner Mutter Oschenheim Stadt verlassen mußte, als dieses von den Truppen Stoßbergs genommen wurde. War dabei, als sein Vater von Stoßberg, der zwar der Anführer der Oschenheimer Bürgerwehr aber immer noch ein Gemeiner war, persönlich erschossen wurde.
Diese Schmach konnte er bis heute nicht vergessen. Da der jetzige Markgraf sich seines Erachtens mit dem Pöbel gemein macht und nur durch diesen an den Platz seines Vaters rückte, ist Aymarus sein bevorzugtes Haßobjekt. Randolf läßt nichts unversucht, um durch Intrigen und Anschläge eines Tages Markgraf anstelle des Markgrafen zu werden.
Sein letzter Schachzug war der sogenannte "Hochstetten-Komplott", bei dem es um die Ermordung mehrerer Gäste des Markgrafen ging, was aber im Wesentlichen vereitelt werden konnte.

Frhr. Freimar von Hochstetten
Von Hochstetten wurde als Sohn von Oswald und Juliane zu Hochstetten geboren und wuchs zusammen mit drei weiteren Geschwistern in Oschenheim auf. Als ältester Sohn wurde er in die Geheimnisse der Kaufmannskunst eingewiesen und zeigte ein großes Geschick beim Organisieren von Handelszügen und bei der Verwaltung einiger, kleinerer, väterlicher Kontore. Insbesondere seine Fähigkeiten im Außenhandel ließen ihn dem damaligen Markgrafen Johann von der Oschenfurth auffallen, der ihm die Verwaltung seiner Güter übertrug. Während des Krieges begleitete er die markgräfliche Familie ins Exil. Nach ihrer Rückkehr wurde er von dem neuen Markgrafen Aymarus in seinem Amt bestätigt. Freimar wurde vor einem Jahr, als Dank für treue Dienste, in den Adelsstand erhoben.
Freimar war eher den Knaben als den Mägden zugetan und so verliebte er sich in den Trommlerjungen der markgräflichen Garde, den er mit guten Worten und Geld zu gewissen Dienstbarkeiten überredete.

Von dieser Passion erfuhr Randolf von Zinsberg und drohte von Hochstetten damit, seine Gelüste publik zu machen, wenn dieser nicht einerseits mit gefälschten Schreiben von Aymarus mehrere Adelige zu einem bestimmten Zeitpunkt zum Gasthof "Zum Alten Söldner" lockt, den Markgrafen mit einem gefälschten Schreiben ebenfalls veranlaßt, an diesem Tag an diesem Ort zu sein und dort Aymarus zu bestimmten, im Schreiben mitgeteilten Zeiten, von den anderen weglockt.
Hochstetten, der fürchtet, daß seine Eltern einen solchen Skandal nicht überleben würden, tat wie ihm geheißen, mußte jedoch erkennen, daß es sich hierbei um ein geschickt eingefädeltes Mordkomplott handelte, bei dem Aymarus verdächtig gemacht werden sollte. Nach dem Tod des ursprünglichen Attentäters, versuchte von Hochstetten, der erkannte, daß er bereits durch sein Tun zum Mittäter geworden war, das blutige Werk zu vollenden, um seine Haut zu retten. Dies mißlang jedoch und bei seiner Flucht kam er ums Leben.

 

... und Helden

Veit Stoßberg
Stoßberg wurde als Sohn von Friedenreich und Trudel Stoßberg, zwei einfachen Krämern aus Aar im Jahre 950 n.W.Z. geboren. Mit 16 Jahren trat er als einfacher Spießer in die Dienste des damaligen Markgrafen Johann. Nach der Gefangennahme Johanns und der damit verbundenen Zerschlagung der markgräflichen Truppen wollte Veit jedoch nicht zusehen, wie sein Oschenheim von de Busack und seinen Knechten ausgebeutet wurde, sondern organisierte aus freiheitsliebenden Bauern und Bürgern die Oschenheimer Land- und Bürgerwehr und schlug sich auf die Seite der Königlich Wenzinger Truppen.

Nach mehreren Schlachten und Gefechten standen die Truppen des Wenzinger Königs im Jahre 998 n.W.Z. vor den Toren Oschenheims. Bei den Angriffen auf die Stadt gelang es, einen Teil der Wehranlage zu erstürmen. Als aber der Gegenangriff kam und die verdutzten Königlich Wenzinger Ritter bemerkten, daß die Stadtgarde sie hier tatsächlich töten und nicht, wie es bei Ritters üblich ist, gefangennehmen und gegen Lösegeld wieder freilassen wollte, bekamen sie es mit der Angst zu tun und flohen. Lediglich die Bürgerwehr hielt unter gewaltigen Verlusten die Stellung und konnte den Gegenangriff letztlich zurückschlagen, wodurch die Rückeroberung Oschenheims eingeläutet wurde.
Bei dem anschließenden Kampf in den Straßen der Stadt wurde Georg von Zinsberg und seine Familie, die gerade die umkämpfte Stadt verlassen wollten, in die Hände der Bürgerwehr und wurden vor Stoßberg gebracht. Von Zinsberg verlangte von Stoßberg abschätzig, an "Leute von Stand" überstellt zu werden, da es für ihn unzumutbar sei, von "Bauerntölpeln und Krämersöhnen" gefangen gehalten zu werden, wohlwissend, daß die Wenzinger Ritter ihm als Standesgenossen gegen ein Lösegeld freien Abzug gewähren würden. Stoßberg fragte darauf, ob von Zinsberg, wenn er schon nicht "den Arsch in der Hose hätte", sich für seine Verbrechen am Oschenheimer Volk vor eben diesem zu verantworten, bereit wäre zu einem Wettlauf zum Lager der Königlichen. Der sehnige von Zinsberg erklärte sich mit einem Blick auf die massige Figur Stoßbergs sofort bereit dazu und rannte los. Wahrscheinlich hätte er allerdings warten sollen, bis Stoßberg ihm erklärt hätte, gegen wen er um die Wette laufen sollte, denn dieser nahm eine Arquebuse und schoß von Zinsberg mit den Worten "Leider verloren !" wie einen Hasen ab. Die Frau und den Sohn Zinsbergs ließ er allerdings gehen, verbot ihnen jedoch, jemals wieder einen Fuß nach Oschenheim zu setzen.

Die Geschehnisse bei der Belagerung von Oschenheim werden in dem Landsknechtslied "Der Veit Stoßberg führt uns an" wiedergegeben:

1. Der Veit Stoßberg führt uns an
heija, taho und taho
||: Der die Schlacht gewann
Landsknecht vor Oschenheim
3. Zinsenberg dem Wenzenknecht
heija, taho und taho
||: Dem sprach der Stoßberg Recht
Landsknecht vor Oschenheim
2. Als die Nacht am Himmel stund
heija, taho und taho
||: Trommel und Pfeif wart kundt
Landsknecht vor Oschenheim
4. Alle Blümlein stunden rot
heija, taho und taho
||: Heissa, wie schneit der Tod
Landsknecht vor Oschenheim
5. Und der Euch dies Liedlein sang
heija, taho und taho
||: Wird ein Landsknecht genannt
Landsknecht vor Oschenheim

Als sich der Befreiungskrieg 999 n.W.Z. dem Ende zu neigte und sich nur noch die stark befestigte Grenzwacht Bärenklamm in der Hand eines Wenzinger Ritters, der mit De Busack im Bunde war, und dessen Mannen befand, schlug Stoßberg im Kriegsrat des Wenzinger Königs die Bärenklamm zu stürmen. Der Kriegsrat hielt die Grenzwacht allerdings für uneinnehmbar und überlegte statt dessen den Krieg derart zu beenden, daß dem Ritter, der die Bärenklamm besetzt hielt, diese und das sie umgebende Umland zum Lehen zu geben und ihn dadurch wieder auf die Seite der Königstreuen zu bringen. Für Stoßberg war es jedoch unerträglich, einen Teil seines geliebten Oschenheims in den Klauen fremder Herrschaften zu wissen, und so zog er gegen den Willen des Wenzinger Königs mit der Bürgerwehr gegen die Bärenklamm. Um seinen Männern Mut zu geben, holte er das gewaltige Horn Herrn Tillmanns aus dessen Grab. Hiermit blies Stoßberg in einer regnerischen Nacht zum Sturm auf die Bärenklamm. Beseelt von diesem Klang und nicht auf die Verluste achtend brach die Bürgerwehr mitten durch das Haupttor. Der Ritter und seine Kriegsknechte wurden bei der Erstürmung allesamt entweder erschlagen oder von den Zinnen der Grenzwacht geworfen.

Auch von diesem heldenhaften Sturm kündet ein Oschenheimer Landsknechtslied:

1. Die Glocken stürmten vom Bärenturm,
der Regen durchrauschte die Straßen
||: und durch die Glocken und durch den Sturm
erschallte des Urhorns Blasen.
4. Die Grenzwacht hoch am Berge lag;
sie zogen hinauf in Waffen.
||: Auf rammte der Schmied mit einem Schlag
das Tor, das er fronend erschaffen.
2. Das Büffelhorn, das so lange geruht,
Veit Stoßberg nahm's aus der Lade.
||: Das alte Horn, das schreit nach Blut
und wimmerte: Gott genade!
5. Dem Ritter fuhr ein Schlag ins Gesicht
und ein Spaten zwischen die Rippen.
||: Er brachte das Schwert aus der Scheide nicht
und nicht den Fluch von den Lippen.
3. Ja, Gnade dir Gott, du Ritterschaft,
der Bauer stand auf im Lande.
||: Und tausendjährige Bauernkraft
macht Schild und Schärpe zuschande.
6. Auf rauschte die Flamme mit aller Kraft,
brach Balken und Bogen und Bande.
||: Ja, gnade dir Gott, du Ritterschaft,
der Bauer stand auf im Lande.

Zwar suchte der Wenzinger König Stoßberg für dessen befehlswidriges Handeln zur Rechenschaft zu ziehen, doch ließ er von seinen Nachstellungen ab, als Stoßberg mit Teilen der Land- und Bürgerwehr in den Sold des zurückgekehrten Sohn des alten Markgrafen, Aymarus von der Oschenfurth, trat. Seit diesem Tage wurden die Soldaten Stoßbergs Landsknechte genannt, da sie ihrem Land in seiner schwersten Stunde treu gedient haben. Seither steht in Oschenheim permanent ein Fähnlein (400 Mann) Landsknechte unter Waffen. Hinzu kommen die Besatzungen der vier Grenzfesten, so daß Oschenheim ein stehendes Heer von rund 1000 Mann aufweist.
In Erinnerung an den Befreiungskrieg, in welchem Stoßberg lediglich den Rang eines Wenzinger Feldwaibels inne hatte (die Hauptleute waren allesamt von Stand), behielt er diesen Rang bei. Die Oschenheimer Landsknechte haben folglich keinen Hauptmann oder Obristen; dessen Funktion wird von dem Feldwaibel eingenommen.

Stoßberg diente dem jetzigen Markgrafen noch ein ganzes Jahr, dann kehrte er nach Hause zu seiner Frau und seiner Tochter zurück und kaufte sich von dem großzügigen Entlassungsgeld, welches der Markgraf ihm für die Verdienste um die Markgrafschaft zuwandte, einen kleinen Gasthof in der Nähe von Aar, wo er auch heute noch mit seiner Familie lebt.

 


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