Wie werde ich ein Oschenheimer?
(und was macht die Oschenheimer aus?)
Dieser Text soll dazu dienen, Spielern, die sich mit dem
Gedanken tragen, mit Ihren Charakteren Oschenheim zu besuchen oder gar
einen oschenheimer Charakter zu entwickeln, unser Szenario vorzustellen.
Wir sind der Ansicht, daß sich Oschenheim in einigen Punkten deutlich
vom &Üuml;blichen in der deutschen LARP-Szene unterscheidet. Sicher, das
behauptet jede zweite Orga von ihrem Szenario. In Oschenheim gelten
jedoch in der Tat einige Besonderheiten, die dazu führen, daß Anhänger
von High-Fantasy-Spielen sich in Oschenheim unter Umständen nicht so
recht wohlfühlen.
Wenn mächtige Zauberer und epische Schlachten für Dich
unbedingt zum LARP dazugehören, und Charakterentwicklung sich für Dich
in der Hauptsache auf das Erspielen neuer Fertigkeiten beläuft, dann
solltest Du Dir Spiele mit einem anderen Hintergrund suchen, denn Du
wirst als Oschenheimer keinen Spaß haben. Und darum dreht sich das Ganze
doch schließlich.
Die folgenden Ausführungen gelten übrigens im Wesentlichen
nur für wirkliche oschenheimer Charaktere. Reisende aus anderen Ländern
der Mittellande sind natürlich gerne gesehen, wenn sie unsere grundsätzliche
Spieleinstellung teilen (siehe unter Spieleinstellung).
Bisher hatten wir von stedinger Geza bis friedländischem Ritter schon
alle möglichen Landsleute auf unseren Cons und wir glauben es hat ihnen
Spaß gemacht. Selbst als Magier oder als Angehöriger einer Fantasyrasse
kann man auf oschenheimer Cons Spaß haben, wenn man bereit ist, den
Charakter den oschenheimer Besonderheiten entsprechend zu spielen (mehr
dazu unter Oschenheimer Besonderheiten).
Was wir sind und was wir nicht sind
Wir Oschis sind allesamt LARPer, die irgendwann einmal feststellten,
daß wir mal was anderes machen wollten. Nicht, daß wir fantasy-feindlich
sind, wir halten es nur für sehr erfrischend, wenn auf dem großen Beet
der Fantasy-LARP-Szene mal ein kleines Pflänzchen in Gestalt eines Landes
wächst, in dem es nur Menschen gibt, Magie streng verboten ist und welches
an eine für die Fantasy-Norm unübliche Zeit angelehnt ist.
Diese Zeit ist ungefähr das 16. Jhdt. in Deutschland (naja, eigentlich
so ca. 1470 bis 1617 und Deutschland ist es auch nicht immer, aber unser
Schwerpunkt liegt schon auf der deutschen Reformationszeit), was sich
insbesondere in der Mode, dem Landesaufbau und den Waffen zeigt. Dabei
sind wir aber nicht päpstlicher als der Papst. Egal, was andere von
uns sagen: WIR MACHEN KEIN REENACTMENT ! Hauptsache es fügt sich in
den oschenheimer Rahmen ein. Gerade bei Anfängern drücken wir alle Augen
zu, wenn sie sich nur Mühe geben. Ihnen stehen wir gerne mit Rat und
Tat zur Seite, sei es beim Selbstschneidern entsprechender Gewandung
(wobei wir hoffen, mit unserer "Schneider"-Sektion
schon einen kleinen Beitrag geleistet zu haben) oder beim Waffenbau
(einige Tips sind schon mal in der "Schmiede"
zusammengestellt). Ab und an veranstalten wir entsprechende Workshops,
bei denen sich der Anfänger Stück füür Stück die entsprechende Ausrüstung
zusammenstellen kann.
Wir sind aber andererseits auch nicht das x-te "everything-goes"-Land
in der deutschen LARP-Szene. Ja, Oschenheim ist auch eine Begrenzung
(obwohl Kanalisierung es wohl besser ausdrücken würde) der eigenen Phantasie,
zugunsten eines stimmigen und in sich logischen Hintergrunds. Wer also
unbedingt einen waldelfischen Kampftänzer oder einen Chaos-Barbaren
spielen will, der kann das gerne tun (und möglicherweise macht er das
ja auch gut) aber eben nicht als Oschenheimer.
Spieleinstellung
Die Oschi-Spieleinstellung kann man, denke ich, ganz gut
mit drei Sätzen zusammenfassen:
1. Ein Charakter ist mehr, als die Summe seiner Fähigkeiten.
2. Wir spielen Personen und keine Charakterklassen.
3. NSCs sind lediglich SCs mit besonderen Aufgaben.
Wir spielen nach DKWDDK (Du kannst, was Du darstellen kannst),
insofern gibt es bei uns keine "Fähigkeiten" im Sinne von punktebasierten
Regelwerken. Der Charakter ist genau das, was sein Spieler rüberbringt.
Wenn jemand einen Söldnerveteranen spielen will, der auch mal einen
Treffer mit zusammengebissenen Zähnen wegsteckt, dann sollte er seinen
Mitspielern durch sein gesamtes Spiel einen solchen Veteranen glaubhaft
vermitteln. Dies dürfte (wobei Ausnahmen hier die Regel bestätigen)
für einen 18-jährigen recht schwer sein. Auf der anderen Seite muß ein
Charakter auch nicht erst über Jahre gespielt werden, um etwas zu können.
Wenn der o.g. 18-jährige Spieler einen schnöseligen Sohn aus besserem
Hause spielt und das entsprechend rüberbringt, wird sich niemand wundern,
wo der die Goldstücke her hat, mit denen er nur so um sich wirft. Wichtig
ist allerdings, daß das gesamte Spiel des Spielers diesen Charakter
ausdrückt. Der Schnösel aus besserem Hause sollte also durchaus besser
angezogen sein und andere Charaktere mehr oder weniger als seine persönlichen
Bediensteten betrachten.
Weiter gibt es bei uns keine Charakterklassen mit entsprechenden
Beschränkungen. Jeder kann also alles sein. Selbst ein kampferfahrener
Söldner, der nebenher ein perfekter Alchimist ist, wäre theoretisch
möglich. Stellt man sich diesen Charakter allerdings real vor, so wird
einem leicht klar, daß all diese Fähigkeiten wohl kaum in einem Leben
erworben worden sein können (Machen wir uns nichts vor, die Charakterklasse
Hirnchirurg/Automechaniker ist in der Realität nicht soooo häufig anzutreffen),
zumal ein Charakter sein Leben ja auch nicht nur mit Lernen verbringt,
sondern mit den erworbenen Fähigkeiten auch noch seinen Lebensunterhalt
bestreiten muß.
Gleichzeitig gehört zu einer Person auch eine entsprechende Vergangenheit,
wobei die Zahl der in Oschenheim von Orks erschlagenen Eltern und von
Drow/Dämonen geschändeten Mütter gegen Null tendiert. Was die Verwandschaft
angeht, so sind die meisten Oschenheimer mit einer reichhaltigen gesegnet
(was daran liegen mag, daß Familien in Oschenheim entsprechend der Verhältnisse
im 16. Jhdt. meistens reichlich Kinder hatten - wobei natürlich nicht
alle das Erwachsenenalter erreichten). Das ist aber auch ein großer
Vorteil für oschenheimer Charaktere, denn wie kann man besser haltlosen
Schwachsinn und unbestätigte Gerüchte verbreiten, als wenn man sagt,
daß das dem Cousin der Tante 2. Grades des Mannes der eigenen Schwester
garantiert passiert ist (wer das nicht glaubt, der mag sich einmal mit
Helscha und Wermott unterhalten). Außerdem haben oschenheimer Charaktere
meistens einen Grund, gerade da zu sein, wo sie sind, sei es privat
oder beruflich. Die "Ich-ziehe-durch-die-Gegend-auf-der-Suche-nach-Abenteuern"-Charaktere
gibt es zwar auch in Oschenheim, man sollte sich aber immer fragen,
wie der Charakter diese Reisen finanziert.
Unsere NSCs sind idR genauso aufgebaut, wie normale Charaktere,
d.h. auch sie sind ganz "reale" Personen und nicht nur Plotträger. Einige
NSCs werden bei uns auch außerhalb von bestimmten Spielen als ganz normale
SCs gespielt. Schlachtvieh ist unter unseren NSCs äußerst selten. Man
sollte sich also genau überlegen, wie man mit NSCs umgeht, denn regelmäßig
hat dieses Verhalten auch Konsequenzen. Wer also einen NSC angreift,
wird damit rechnen müssen, daß der alles tut, um sein Leben zu verteidigen;
wer in der Taverne die Tochter des Wirtes ungebührlich anspricht, sollte
sich nicht wundern, wenn er Hausverbot bekommt; wer sich ggü. angesehenen
Bürgern respektlos verhält, wird im Ort nicht mehr mit viel Hilfe rechnen
dürfen.
Auf der anderen Seite bedeutet dies jedoch auch, daß unsere NSCs im
Wesentlichen nur eine Festrolle auf einem Con haben, in der sie bis
auf gewisse plotrelevanten Handlungen alle Freiheiten haben. Außerdem
versuchen wir so weit wie möglich auch NSC-Plots zu organisieren (an
denen sich natürlich auch die SCs beteiligen können, wenn es sich denn
ergibt). Entsprechend versuchen wir unsere NSCs so umfangreich zu briefen,
daß sie ohne Probleme in ihre vorgefertigten Rollen eintauchen und angemessen
auf bestimmte Ereignisse reagieren können.
Da wir versuchen eine logische und in sich geschlossene
Welt zu vermitteln, sind unsere Plots meistens komplexer als andere
(es macht das Leben schon einfacher, wenn man Magie oder die weltenzerstörerische
Absicht übernatürliche Mächte als einfache Begründung für die unwahrscheinlichsten
Ereignisse heranziehen kann; wenn die Begründung in dem Zusammenwirken
und Intentionen verschiedener Personen liegt, wird das ganze schon komplizierter).
Während anderswo regelmäßig das "Wie ?" zur entscheidenden Frage des
Plots wird ("Wie bannt man den Dämon ?", "Wie macht man das Ritual zur
Rettung der Welt ?", "Wie entkommen wir aus dem verfluchten Schloß ?"),
ist es bei uns das "Warum ?" ("Warum liegt am Morgen ein Pfeil auf der
Brust des schlafenden und gut bewachten Markgrafen ?", "Warum wurde
ich mit einem gefälschten Schreiben an diesen Ort gelockt ?", "Warum
hat sich der Trommlerjunge umgebracht und warum ist der Abschiedsbrief
verschwunden ?".
Ach ja, Weltrettungsplots gibt es bei uns nicht. Oschenheimer Probleme
sind idR eher regionaler Natur. Wer also auf Massen angreifender Untote,
die aus einem Dimensionsportal vor der Haustür strömen und die Welt
zu unterjochen suchen, steht, wird bei uns eher schlecht bedient.
Oschenheimer Besonderheiten
Im Gegensatz zu den meisten anderen Fantasy-Ländern und
Welten im LARP gibt es in Oschenheim vier wesentliche Besonderheiten:
1. Das Verhältnis der Oschenheimer zur Magie
2. Das Verhältnis der Oschenheimer zu Fantasyrassen
3. Das Verhältnis der Oschenheimer zu Religionen
4. Der Oschenheimer selbst (und sein Verhältnis zur Obrigkeit)
Das Verhältnis des Oschenheimers zur Magie und entsprechend
zu Magiern ist schnell umschrieben. Er lehnt sie als Bozephaluswerk
ab. Magier sind da gegen sehr beliebt - als Attraktion bei einer Sonntäglichen
Verbrennung.
Der weit überwiegende Teil der oschenheimer Bevölkerung ist ceridisch
(siehe Cerideninfo im Dom).
Das Ceridentum betrachtet Magie als etwas, was lediglich dem Eynen zusteht.
In den Händen von Menschen ist es ein Werk des Bozephalus. Magier müssen
ergo mit Bozephalus selbst im Bunde stehen und mit solchen Leuten springt
die ceridische Kirche regelmäßig sehr rigoros um.
Das bedeutet jedoch nicht, daß Magier oder magisch begabte Charaktere
auf Oschi-Cons unwillkommen wären. Man sollte sich jedoch darüber im
Klaren sein, daß man Magie besser nur im Geheimen wirkt und sich auch
keinesfalls als Magier zu erkennen gibt. Für wen sein Charakter also
mehr ist, als eine Feuerballschleuder, der mag an solch einer Abwechslung
Spaß haben, andern raten wir, besser mit einem nichtmagischen Alternativcharakter
zu kommen.
Fantasyrassen gelten im Ceridentum ebenfalls als Werk des
Bozephalus, der in diesen den Menschen als Werk des Eynen pervertierte.
Da ein Angehöriger einer solchen Rasse aber natürlich nichts für seine
Geburt kann, ist es nicht zwangsläufig eine todeswürdige Blasphemie,
einer solchen Rasse anzugehören, theoretisch könnte man ihnen sogar
Mitleid hinsichtlich ihres schweren Schicksals entgegenbringen, jedoch
ist das einfache oschnheimer Volk Fantasyassen nicht gewohnt und dies
gepaart mit der ceridischen Vorstellung vom Bozephaluswerk führt zu
einem Verhalten, welches von Unsicherheit und Furcht bis zu purer Fremdenfeindlichkeit
reicht. Allerdings hat diese Unerfahrenheit im Umgang mit Fantasyrassen
auch zur Folge, daß Oschenheimer durchaus auch bereit sind, vernünftige
Erklärungen für die Fremdartigkeit von Charakteren gelten zu lassen
(so konnte sich schon ein Hobbit, der angab, lediglich ein Mensch zu
sein, dem ein Karren über die Füße gefahren sei, einer Welle von Mitleid
und Hilfsbereitschaft, ob seines schlimmen Unfalls erfreuen). Spieler
von Fantasyrassen sollten dieses berücksichtigen, wenn sie in Oschenheim
sind. Wer sich mit seinem Charakter einer solchen ungewohnten Situation
aussetzen will, hat sicherlich die Möglichkeit, hier zu interessanten
Erfahrungen zu kommen, wer das nicht will, sollte mit einem Menschen
anreisen.
Religionen außer dem Ceridentum haben in Oschenheim einen
schweren Stand. Bei Oschenheimern selbst ist ausschließlich der ceridische
Glaube anzutreffen (bis auf ggfls. wenige plotrelevante Ausnahmen),
Gäste dürfen selbstverständlich auch anderen Glaubensrichtungen anhängen,
insbesondere, wenn dies "rechtschaffene" und "staatstragende" Gottheiten
sind. Hausieren sollte man mit solchen Gottheiten jedoch nicht. Insbesondere
ist es sicherlich keine gute Idee, mit einem ceridischen Priester darüber
zu diskutieren, ob es auch noch andere Götter gibt oder ob der Eyne
vielleicht eine Muttergöttin ist. Ceridische Priester sind in der Beziehung
nicht sehr tolerant. Wir bespielen immerhin das 16. Jhdt. und nicht
eine Fernsehtalkshow des 20. Jhdts.
Was die Wunder anderer Gottheiten angeht, so gilt für diese das unter
Magie gesagte. Also wenn, dann besser heimlich.
Anhänger von irgendwelchen dunklen Gottheiten, die von Ceriden mit Bozephalus
identifiziert würden, sollten sich jedoch hüten, diesen Glauben zu erkennen
zu geben, andernfalls dienen sie früher als es ihnen lieb sein dürfte,
als Sonntagsunterhaltung der oschenheimer Bevölkerung.
Die Oschenheimer haben ihr Land selbst vom Joch der busackischen
Besatzer befreit und damit ihren jetzigen Markgrafen an die Macht gebracht.
Die wenzinger Ritter haben hinsichtlich ihres Beitrages zu dieser Befreiung
einen eher schlechten Ruf im Volke. Die Taten der oschenheimer Bauern-
und Bürgerwehr, aus deren Mitgliedern sich später viele oschenheimer
Landsknechte rekrutierten, sind dagegen Legende.
Aus diesem Grunde erkennt der Oschenheimer keine Autorität außer dem
Markgrafen (und natürlich der Kirche) an. Ausländische Adelige und insbesondere
Ritter haben grundsätzlich keine Privilegien und werden auch vom einfachen
Land nicht mit Ehrfurcht sondern vielmehr als Gleichgestellte betrachtet.
Sind die adeligen jedoch freigiebig und in kostbare Gewänder gehüllt,
können sie mglw. aufgrund ihres zur Schau gestellten Reichtums schon
mit einer bevorzugten Behandlung rechnen (genauso erginge es aber auch
einem reichen Kaufmann). Irgendeine Autorität haben sie dadurch jedoch
nicht. Benehmen sie sich nicht, dürfen sie damit rechnen, auch schon
mal vom Wirt aus der Schenke geprügelt zu werden. Wollen sie sich dann
"verteidigen" sollten sie sich nicht wundern, wenn sie hernach von den
Bütteln und der Bürgerwehr in den Karzer geworfen und als Friedensbrecher
oder gar Mörder abgeurteilt werden.
Eine Ausnahme bilden Personen, die explizit vom Markgrafen zur Ausübung
von Autorität ermächtigt sind oder solche, auf die als ausdrückliche
Gäs te des Markgrafen etwas von dessen Autorität abfärbt.
Auch das Verhältnis der Oschenheimer zu ihrem Markgrafen ist anders
als anderswo. Aymarus ist üüeraus beliebt im Land und seine Regentschaft
steht auf einer Basis breiter Zustimmung im Volke. Dieses ist jedoch
nicht etwa sein Eigentum. Die Oschenheimer sind vielmehr Untertanen
mit eigenen Rechten und Pflichten. Das oschenheimer Staatssystem ist
am ehesten mit dem der deutschen Duodezfürstentümer im Deutschland nach
dem 30jährigen Krieg zu vergleichen. Die Herrschaft des Markgrafen ist
zwar nominell absolut aber niemand nimmt Anstoß daran, da es sich unter
ihr gut leben und Geld verdienen läßt und der Markgraf außerdem ein
alle Oschenheimer verbindendes Symbol und beliebtes Gesprächsthema ist
(insbesondere die neuesten textilen Errungenschaften der markgräflichen
Familie sowie das Für und Wider diverser Heiratskandidatinnen, die für
den Markgrafen, der noch immer Junggeselle ist, in Frage kommen). Da
ein Oschenheimer grundsätzlich keine Scheu hätte, dem Markgrafen auch
persönlich seine Meinung zur Mode oder zu der jeweils aktuellen Heiratskandidatin
zu sagen, scheint seine Herrschaft fremden Feudalherren oftmals schwach,
lax und autorittslos. Dies würde sich jedoch als ein fataler und ggfls.
tödlicher Fehler erweisen, wenn dieser Adelige politische Konsequenzen
aus dieser Ansicht zöge, denn die Oschenheimer sind allesamt sowohl
glühende Patrioten als auch Monarchisten.
Der oschenheimer Staatsaufbau
Die Markgrafschaft Oschenheim ist, da es nach der Abspaltung
Oschenheims von Wenzingen de facto keinen Lehensherrn des Markgrafen
gibt, eine absolute Monarchie.
Die innen- wie außenpolitische Macht des Markgrafen fußt
auf seinen bezahlten Söldnern, den oschenheimer Landsknechten. Diese
sind jedoch nicht als Vasallen oder Untertanen an ihn gebunden, sondern
lediglich als Arbeitnehmer. Der Markgraf ist also nicht der militärische
Oberbefehlshaber in Oschenheim, sondern lediglich Arbeitgeber. Aus diesem
Grunde wird er auch bei einem Gefecht nicht mitmarschieren oder selbst
das Kommando führen. Er weiß, daß er dies getrost seinen fähigen Söldnerführern
überlassen kann, genauso wie sich ein Bauherr auf seinen Bauunternehmer
oder Architekten verläßt.
Der Feldwaibel als Führer der Söldner ist per Vertrag, den sogenannten
Artikelbrief, an den Markgrafen gebunden, die einzelnen Söldner wiederum
an ihren Waibel.
Der Markgraf erhebt Steuern und erläßt die oschenheimer
Gesetze. Er ist oberster Strafrichter der Markgrafschaft. Ihm allein
obliegt die sogenannte Halsgerichtsbarkeit (d.h. die Aburteilung todeswürdiger
Verbrechen). Kleinere Verbrechen und Vergehen werden direkt von den
vom Markgrafen eingesetzten Vögten und Bütteln, die idR auch das Ermittlungsverfahren
leiten, abgeurteilt. Eine Ausnahme bilden Verbrechen wie Ketzerei, Hexerei,
Blasphemie usw., die von der ceridischen Kirche untersucht werden. Auch
hier obliegt zwar dem Markgrafen die Urteilsfindung, er hält sich dabei
aber idR an die Empfehlungen der entsprechenden Inquisitoren der ceridischen
Kirche.
Oberstes Zivilgericht ist das Kammergericht zu Oschenheim
(Stadt). Hier wäre es für einen Oschenheimer theoretisch sogar möglich
einen Prozeß gegen den Markgrafen zu führen. Grundlage für die zivilrechtlichen
Entscheidungen bildet das "alte Recht" also die allen bekannten, althergebrachten
Rechtssätze aber auch die bisherige Rechtsprechung des Kammergerichts
(insbesondere im Bereich des Sachen- und Erbrechts), Sitte und Übung
(vor allem beim Handels- und Kaufrecht) sowie die Billigkeit, d.h. das
Rechtsempfinden aller billig und gerecht denkenden Oschenheimer (spielt
eigentlich überall rein).
Normalerweise hat das Kammergericht aber wenig zu tun, da die meisten
zivilrechtlichen Streitigkeiten von den Parteien dem örtlichen Priester
zur Entscheidung vorgelegt werden, dessen Schiedsspruch allgemein als
bindend angesehen wird.
Die Steuern werden vor Ort von den Bütteln und Vögten eingetrieben.
Nun, normalerweise werden sie einfach nur an diese gezahlt, denn der
Oschenheimer sieht die Notwendigkeit, Steuern zu zahlen, durchaus ein
("Wenn dä Mackgraff, kein Geld für neue Kleider mehr hätt, dann hädde
die Leut ja nix mehr zum redde !").
Eine besondere Stellung nimmt der Ortsvorsteher oder "Bürschermeistä"
ein. Dieser wird zwar von den Bürgern eines Ortes gewählt (nun ja, gewählt
ist vielleicht nicht das richtige Wort: in der Regel wird ein zum Bürgermeisteramt
bereiter Bürger auf Basis der Zustimmung der maßgeblichen Bürger zum
Bürgermeister bestimmt. Das bleibt er dann so lange, bis die Bürger
meinen, daß es an der Zeit wäre ihn abzuberufen und einen neuen auszuprobieren.
Geregelte Wahlen sind dem Oschenheimer eine viel zu große Unterbrechung
des geregelten Tagesablaufes, als daß er daran ein großes Interesse
hätte. Solange das Leben seinen gewohnten Gang nimmt, ist ihm sowieso
egal, wer dieses Amt einnimmt. Außerdem ist man ja regelmäßig mit dem
jeweiligen Bürgermeister, egal wer es ist, über x Ecken verwandt), übernimmt
aber die Verwaltungsaufgaben im Namen des Markgrafen. Insofern ist ist
die oschenheimer Verwaltung mit dem Klischee einer bayrischen Kleinstadt
vergleichbar: eine von allgemeiner Zustimmung getragene Form geregelter
Vetternwirtschaft.
Wie werde ich Oschenheimer?
Du hast bis hierher gelesen und willst trotzdem Oschenheimer
werden? Na dann scheint es dir ja ernst zu sein. Im Folgenden werden
wir versuchen dir schrittweise zu erklären wie du Oschenheimer werden
kannst, bzw. auf was bei einer Charaktererstellung zu achten ist. Bitte
beachte, daß die Regeln notwendig sind, wenn du bei uns als Einheimischer
spielen willst und nicht als Wertung für andere Spieler zu sehen sind.
Alles klar? Gut dann wollen wir mal. (In den Beschreibungen ist jeweils
die männliche Form gewählt, was aber nicht heißen soll das uns Frauen
nicht ebenso willkommen sind.)
9 Schritte auf dem Weg nach Oschenheim
1. Schritt - Die Wahl der Rasse
Der ist ganz einfach, man wählt Mensch. In Oschenheim leben
nämlich keine Elfen, Drows, Echsenwesen, Skaven, Orks oder ähnliches.
Oschenheim ist eine rein von Menschen bewohnte Markgrafschaft.
2. Schritt - Religion
Auch hier gibt es nicht viel zu überlegen, in Oschenheim
ist man Ceride. Infos zum Ceridentum findet Ihr im Dom.
3. Schritt - Was werde ich ?
Hier habt Ihr die große Auswahl. Prinzipiell geht alles.
Vom Bauer, über den klassischen Abenteurer bis hin zum reichen Kaufmann
oder Kleinadligen. Die einzige Ausnahme dabei ist der Magier (siehe
Ceridentum). Allerdings sind nichtmagische Alchemisten, Wahrsager usw.
durchaus machbar. Der große Grundsatz hierbei ist Darstellbarkeit, Darstellbarkeit
und Darstellbarkeit. Habt Ihr die Möglichkeiten ist es grundsätzlich
machbar. Ein Beispiel: Ein Freiherr in Schnürlederhose und Piratenhemd
ist nicht machbar (Schnürlederhosen sollten wenn möglich sowieso vermieden
werden. Es gibt Alternativen, die passender sind, besser aussehen und
weniger kosten. Welche das sind, erfahrt Ihr beim Schneider.).
Ein Bauer oder Landsknechtsrekrut in Kniebundhose und Gewandungshemd schon.
4. Schritt - Wo komme ich her?
Freie Wahl zwischen allen oschenheimer Ortschaften. Siehe
in der Bibliothek unter Städte, Dörfer und Weiler.
5. Schritt - Wie heiße ich?
Auch hier hat man die Qual der Wahl. Grundsätzlich ist jeder
Name aus dem deutschen bzw. lateinischen Sprachgebrauch machbar und
denkbar. Eine kleine Hilfe dabei soll diese Liste sein.
6. Schritt - Die Hintergrundgeschichte
Hier kannst du deiner Phantasie mehr oder weniger wieder
freien Lauf machen. Aber beachte dabei bitte in der Kürze liegt die
Würze und in Oschenheim brennen keine Dörfer nieder, Frauen werden nicht
von Orks oder sonstigen Gezücht geschändet, die Eltern sterben auch
nicht wie die Fliegen und man selbst wird auch nur selten verstoßen.
Am besten man hält die Vorgeschichte kurz und knapp (eine halbe Seite
reicht völlig) und lässt sich so Freiraum zur charakterlichen Entwicklung
im Laufe der Zeit.
Ein Beispiel:
Klaus hat sich unsere Page durchgelesen und hat sich entschieden
Oschenheimer zu werden. Mit Mensch und dem Ceridentum hat er keine
Probleme und er hat sich auch schon eingehend über unsere Religion
informiert. Als Beruf wählt der den oschenheimer Landsknecht. Nachdem
er sich in Städte, Dörfer und Weiler für Oschenheim als Heimatort
entschieden hat, macht er sich nun daran einen Namen zu finden. Er
liest sich die Namensliste durch und wählt Christof Apfelbaum aus.
Nun überlegt er sich wie er seinen Charakter gerne spielen möchte.
Er entscheidet sich für den netten Kumpel-Typ und schreibt folgende
kurze Geschichte:
"Christof wurde als Sohn einfacher Handwerker in
Oschenheim geboren. Sein Vater Moses Apfelbaum ist Zimmermannsmeister
in Oschenheim und hat ein bescheidenes Ansehen innerhalb der Zunft.
Seine Mutter Annegred starb bei der Geburt ihres siebten Kindes. Christof
ist das mittlere von sieben Kindern und ging mit vor zwei Jahren mit
16, kurz nach dem Krieg, zur Garde. Christof ist gewissenhaft, bescheiden,
sagt aber bei schönen Frauen und Bier nicht nein."
Der Rest wird im Spiel von alleine kommen.
7. Schritt - Die Absegnung von der Sim
Wenn du es bis hier hin geschafft hast und du immer noch
Oschenheimer werden willst, dann schickt nun deine Charakterbeschreibung
zur Simulationsleitung. Die Email, bzw der Brief, wird dann von
uns durchgelesen und abgesegnet oder eventuell noch korrigiert. Keine
Angst wir beißen nicht und werden auch nicht inquisitorisch mit dem
Geschichtsbuch daneben sitzen und bei Fragen stehen wir jederzeit auch
gerne per Telefon zur Verfügung. Kontaktadressen findet Ihr unter Kontakt.
8. Schritt - Waffen, Gewandung und Ausrüstung
Steht der Charakter soweit geht es nun an die Ausrüstung.
Hier findet Ihr einige Tips und den Dresscode auf den Seiten Waffenschmiede
und Schneider.
Leute die sich für handwerklich wenig geschickt halten, werden bei uns
aber auch tatkräftige Hilfe finden.
9. Schritt - Das erste Spiel
So, nun bleibt nur noch, den Charakter auf einem Con
zum Leben zu erwecken. Vielleicht hat er ja Verwandtschaft vor Ort ?
Gerade dem Anfänger fällt das Hineinfinden ins Spiel oftmals leichter,
wenn er eine feste IT Bezugsperson vor Ort hat. Wenn das gewünscht
wird, sagt das einfach. Es wird sicherlich kein Problem sein, eine entsprechende
Person zu finden
Anhang:
Da sich die Welt von Oschenheim doch recht stark von üblichen
LARP Fantasywelten unterscheidet, haben wir hier einige Filme und Bücher
zusammengetragen, die als Inspiration dienen und ein Feeling für unser
Oschenheim vermitteln können
A. Filme
1. Die Bartholomäusnacht
2. Shakespeare in love
3. Der Mann im Salz
4. Der König der letzten Tage (über die Wiedertäufer in
Münster)
5. tschechische Märchenfilme (Drei Nüsse für Aschenbrödel
usw.)
6. Die "Bruder Cadfeal"- Reihe (ist zwar nicht ganz unsere Zeit, gibt
aber ein recht gutes Feeling für die Probleme, mit denen sich
Oschenheimer so rumschlagen und die adäquaten low-power-Lösungswege)
7. Luther
8. Der Medici-Krieger (über Giovanni Di Medici: der Film ist
grottenlangweilig aber sehr schön ausgestattet; daß man
einen strotzdummen Totalversager zum italienischen Nationalhelden
hochstilisieren will, ist ja eine Sache, daß man ihn im Film
aber quälende Minuten lang einfach nur bedeutungsschwanger in
die Gegend stieren läßt, eine andere)
9. The Witchhunter General
B. Bücher
1. Osprey "men-at-arms"-Serie, The Landsknechts
2. Osprey "Campaign"-Serie, Pavia 1525
3. Adolf Waas, Der Bauernkrieg
4. Edith Simon, Die Reformation
5. Robert E. Howard, Solomon Kane Reihe
6. Johannes K. Soyener/Wolfram zu Mondfeld, Der Meister des siebten
Siegels
7. Michael Mortag, Der Abtrünnige
8. Hans-Christian Huf, Mit Gottes Segen in die Hölle
9. Valerio Evangelisti, Nostradamus-Trilogie
C. Sonstiges
1. Games-Workshop, Warhammer Fantasy-Battle, Materialien zum Imperium
2. sämtliche Badesalz-CDs (wer jemeils mit Helscha un Wermott, Hans
und Günni oder Bürgermeister Bodo Schöffe gesprochen hat, weiß warum;
die Fremdsprachen-Lern-CDs schlechthin)
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